14. April 2021
Homeoffice: Psychische Belastung, Stress und Überstunden

Psychische Belastung, Stress und Überstunden im Homeoffice

Wer kann, arbeitet momentan im Homeoffice. Zwar bietet das Arbeiten in den eigenen vier Wänden viele Vorteile, aber auch einige Nachteile. Eine Studie hat nun herausgefunden, dass das dauerhafte Arbeiten im Homeoffice psychisch belastend sein kann. 

Aufgrund der steigenden Infektionszahlen befinden sich viele Menschen zurzeit im Homeoffice – eine Maßnahme, die das Bundeskabinett in der Arbeitsschutzverordnung festgelegt hat. Diese wurde bereits mehrmals verlängert und gilt vorläufig bis zum 30. April. Sie verpflichtet Arbeitgeber dazu, Homeoffice für die Mitarbeiter anzubieten – sofern dem keine zwingenden betrieblichen Gründe entgegenstehen. „Mit der Verlängerung der geltenden Arbeitsschutzverordnung stärken wir den Arbeitsschutz und leisten einen wichtigen Beitrag, um das Infektionsgeschehen weiter einzudämmen“, wird Bundesarbeitsminister Hubertus Heil auf der Website der Bundesregierung zitiert. 

Hoher Leistungsdruck und Überstunden im Homeoffice

Auf der einen Seite ist das Homeoffice eine gute Möglichkeit, um gewohnt seiner Arbeit nachzugehen und dabei sich und andere Menschen zu schützen. Zudem fallen für Pendler längere Fahrzeiten weg und es bietet Arbeitnehmern eine gewisse Flexibilität im Arbeitsalltag. Allerdings gibt es auch im Homeoffice Schattenseiten.

Für die Studie „AI@Work“ im Auftrag der Cloud Infrastructure-Plattform Oracle wurden im vergangenen Sommer rund 12.000 Menschen aus elf Ländern zur Arbeitssituation während der Corona-Pandemie befragt. Laut der Studie empfanden sieben von zehn Menschen 2020 als das stressigste Arbeitsjahr überhaupt. Mehr als drei Viertel der Befragten (78 Prozent) berichten, dass sie in ihrem psychischen Wohlbefinden beeinträchtigt sind – in Deutschland geben dies gut zwei Drittel (68 Prozent) an. Insgesamt sind vor allem Jüngere am häufigsten betroffen. Rund 41 Prozent der befragten Personen sagten, dass sie täglich am Arbeitsplatz mit Stressfaktoren wie Leistungsdruck oder einem zu hohen Arbeitspensum konfrontiert werden. Rund ein Drittel gab an, im Homeoffice mehr zu arbeiten und mehr Überstunden zu machen. Jeder Vierte (25 Prozent) leidet wegen der Mehrarbeit an einem Burnout.

Homeoffice: Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen

Laut einer Studie der Technischen Universität (TU) Chemnitz in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse (TK) gaben rund 60 Prozent der Befragten an, dass im Homeoffice die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben verschwimmen. Mehr als jeder Vierte (27 Prozent) empfindet das als Belastung. 

Arbeiten im Homeoffice: Belastung für berufstätige Mütter 

Studienleiter Professor Dr. Bertolt Meyer von der TU Chemnitz sagte: „Über einen längeren Zeitraum betrachtet, fällt auf, dass sich besonders berufstätige Frauen im Homeoffice mit kleinen Kindern von der Doppelbelastung erschöpft fühlen.“ Vor allem in Zeiten, in denen die Corona-Einschränkungen besonders strikt sind und beispielsweise Kitas und Schulen geschlossen sind, ist die Belastung für betroffene Personen besonders stark.

Tipps fürs erfolgreiche Arbeiten im Homeoffice

Dr. Sai-Lila Rees vom Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG): „Eine der wichtigsten Voraussetzungen beim Arbeiten auf Distanz ist die Vertrauenskultur. Auch zu Hause möchten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen guten Job machen. Vertrauen seitens des Arbeitgebers sorgt für Motivation.“ Um produktiv und gesund von zu Hause aus zu arbeiten, bedarf es einer richtigen technischen und ergonomischen Ausstattung des Arbeitsplatzes. Zusätzlich tragen Kommunikation sowie soziale Aspekte zum Homeoffice-Erfolg bei. Digitale Arbeitstreffen über Teams, Zoom und Co sollten daher regelmäßig stattfinden. Rees empfiehlt gewisse Kooperations-Tandems. „So hat man immer eine Kollegin oder einen Kollegen, mit der bzw. dem man sich regelmäßig austauschen kann.“

Für viele Beschäftigte stellt es sich als Herausforderung dar, Arbeit und Freizeit zu trennen. Halten Sie sich daher an feste Strukturen und fangen Sie zur gewohnten Zeit an, machen Sie Pausen und halten Sie Ihren Feierabend pünktlich ein. Auch wenn eine Jogginghose bequem ist, kleiden Sie sich im Homeoffice so, wie Sie es auch sonst für die Arbeit tun. Da aufgrund der Corona-Pandemie und Homeoffice-Lösung die Bewegung zu kurz kommt und Rückenschmerzen vorprogrammiert sind, sollten Sie in Ihrer Mittagspause oder nach Feierabend rausgehen. Spazieren Sie täglich 30 bis 60 Minuten, drehen Sie Ihre Joggingrunde im Park oder fahren Sie Fahrrad. Stehen Sie während der Arbeit regelmäßig auf und stretchen Sie Ihren Rücken, um Schmerzen im Kreuz entgegenzuwirken.

Wer sich professionelle, psychologische Hilfe suchen möchte, findet online Unterstützung. Verschiedene Krankenkassen wie die Barmer, AOK oder TK bieten als Überbrückungs- oder auch Unterstützungsmaßnahme Selbsthilfeprogramme an. Anbieter wie My7steps ermöglichen eine psychologische Online-Kurzeit-Therapie zu den Themen Stress, Depression, Angst oder Niedergeschlagenheit.

Video: Tipps für die Arbeit im Homeoffice

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