9. Oktober 2012
Hilfe in schwierigen Lebenslagen

Hilfe in schwierigen Lebenslagen

Ein Coach, der immer und überall für Sie da ist? Den gibt es. Nicht in irgendeiner Praxis. Er steckt in Ihnen selbst. So retten Sie sich aus schwierigen Lebenslagen.

Rettungsring
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Rettungsring

Unsere Psyche steckt viel weg. Doch manche Ereignisse unterspülen den stärksten seelischen Schutzwall. Dann überfluten uns negative Gefühle, und es überfordert uns, mit einem akuten emotionalen Störfeuer umzugehen und gleichzeitig eine Lösung zu finden. Wer sich schon in ruhigen Zeiten eine „Hausapotheke für die Seele“ anlegt, bleibt im Fall der Fälle handlungsfähig. Dann weist eine Schlüsselfrage den Weg zum passenden Rettungsring: Welches Gefühl herrscht vor? Was wollen Sie erreichen?
Für die zehn häufigsten Ziele hat die Pädagogin Wanda Dammann SOS-Tipps zusammengestellt.

In Balance kommen

„Ich funktioniere doch nur noch.“ Diese Worte beschreiben Ihre Lage am besten. (Zu) lange haben Sie eigene Bedürfnisse vernach lässigt. Doch der „Autopilot-Modus“ macht Sie reizbar und unausgeglichen. Etwas fehlt. Nur was?
SOS-Tipp:
Schnappen Sie sich ein Blatt Papier und vervollständigen Sie folgenden Satz: „Ich mag gern . . . “ – Schwimmen! Apfelstrudel! Hunde! Nähe! Die Liste beliebig lang fortsetzen und ab sofort jeden Tag mindestens eine Idee, einen Wunsch erfüllen.

Wieder Glück spüren

Natürlich ist es wichtig, was Sie traurig macht. Entscheidender ist aber Ihre Reaktion: Sie ziehen sich zurück, werden gleich gültig.
SOS-Tipp: Geborgenheit lindert Traurigkeit. Legen Sie sich eine „Trost- Kiste“ an. Darin könnten liegen: eine Kerze, ein besonderer Tee, Ihre Lieblings-CDs, ein liebevoller Text, Telefonnummern von Menschen, die Sie gern anrufen, eine Liste mit Ideen, die trösten, z. B. Lieblingspulli anziehen, baden, in eine Decke kuscheln.

Das hilft der Seele

Ballast abwerfen

Ob im Job oder privat – manchmal wird einem alles zu viel. Ein gefundenes Fressen für den inneren Kritiker: „Nur DU schaffst das nicht!“ – „Was denken die Kollegen?!“ Das Gedankenkarussell rotiert.
SOS-Tipp: sich bewusst ablenken. Was ist Ihre Wohlfühlmusik? Wie bewegen Sie sich gern (Walken, Tanzen, Radeln)? Haben Sie einen Wohlfühlort? Schon der Gedanke daran entlastet. Noch besser: es auch tun.

Anschluss finden

Wir wollen uns mit anderen verbunden fühlen, wahrgenommen werden. In einer neuen Stadt oder wenn fast alle Freunde im Urlaub sind, meldet sich dieses Grundbedürfnis vehement. Wir können uns sogar selbst einsam machen („Nur ich kann das nicht“), wenn etwas schiefläuft.
SOS-Tipp: Den ersten Schritt wagen.
Listen Sie alle Menschen auf, die Sie mögen. Rufen Sie einen davon an, verabreden Sie sich. Gehen Sie aber auch allein unter Leute (z.B. Workshop, Ausstellung, Chor). Richten Sie sich dafür einen festen Termin in der Woche ein. Genauso wichtig: sich verwöhnen lassen, z.B. bei einer Massage, beim Friseur oder in einem Kosmetikstudio.

Frau, Yoga
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Frau, Yoga

Kraft gewinnen

Unter Stress leidet auch Ihr Körper. Sie fühlen sich ausgebrannt, erschöpft, wollen nur noch ausruhen.
SOS-Tipp: Urlaub im Alltag und (wieder) Prioritäten setzen.
Überlegen Sie, welche Tätigkeiten oder Termine in den vergangenen zwei Wochen genervt und unnötig Kraft gekostet haben. Schreiben Sie sie auf. Dann alles durchstreichen, was Ihrer Meinung nach – nur das zählt jetzt! – nicht unbedingt sein muss. So wird Zeit zum Entspannen und für Pausen frei.
Ideal: 25 Minuten erledigen, was sein muss, dann 5 Minuten Auszeit. Nach jedem vierten Arbeitsblock 20 Minuten Kraft tanken (z.B. spazieren gehen, Yoga).

Mut schöpfen

Müssen wir Neuland betreten, z.B. bei einem Jobwechsel, oder Situationen überstehen, in denen uns andere be- oder verurteilen könnten, versetzen uns Urinstinkte – Flucht oder Kampf? – in Alarmbereitschaft. Lampenfieber stärkt die Konzentration. Das ist gut. Doch Angst lähmt uns.
SOS-Tipp: den Gegenpol zur Furcht wecken – Vertrauen.
In Sie selbst, Ihre Fähigkeiten und Mitmenschen. Denken Sie ein paar Minuten darüber nach: Was vermittelt mir Vertrauen? Es kann ein Geruch sein, ein Gegenstand, Musik oder bestimmte Handgriffe. So entsteht eine Idee, die sich schnell in die Tat umsetzen lässt.
Zusätzlich hilft Selbstberuhigung. Ist zwar erst un gewohnt, sich selbst hörbar gut zuzureden. Aber es stoppt die Angst. „Ich bin beschützt. Mein Herz schlägt ruhig, alles ist gut. Es wird gut laufen …“ Über solche Sätze bekommen Sie wieder Zugang zu Ihren inneren Kraft quellen, und das Gefühl von Sicherheit kehrt schnell zurück.

Ruhe und Entspannung entwickeln

Bessere Konzentration

Immer wieder schweifen Ihre Gedanken ab. Sie stehen neben sich, können vorhandenes Wissen nicht mehr abrufen.
SOS-Tipp: starke Sinnesreize schaffen, z.B. kaltes Wasser über Hände und Arme laufen lassen.
Öffnen Sie ein Fenster und atmen Sie tief durch. Auch der intensive Geruch von Zedernöl, der Ton einer Klangschale oder die Ober fläche eines Igelballs helfen Ihnen, das Denken zu fokussieren.

Buchtipps

Die Geheimnisse der Therapeuten von Christophe Andre, Kailash, 480 Seiten, 19,99 Euro.

Was mir guttut, wenn´s mir schlecht geht von Wanda Dammann, Kreuz, 180 Seiten, 14,99 Euro.

Sie können kaum still sitzen, sind ein Nervenbündel, Nacken und Rücken verkrampfen. Das kann negative Ursachen haben (ungelöste Probleme) oder posi tive (erstes Date, Lampenfieber). SOS-Tipp: Nutzen Sie Ihre Atmung! Setzen Sie sich eine Minute entspannt hin. Schließen Sie die Augen und achten Sie nur darauf, dass Sie tief und ruhig ein- und ausatmen. Stellen Sie sich vor, dass die verbrauchte Luft, die Ihren Körper verlässt, immer einen Teil der Anspannung mitnimmt – bis sie buchstäblich verflogen ist. Recken und strecken Sie sich, um die Muskeln zu lockern. Mehrmals am Tag wiederholen.

Gefasster reagieren

Wut ist ein sehr starkes Gefühl. Egal, ob es langsam hoch kriecht oder Sie regelrecht explodieren – besonnen handeln Sie nicht.
SOS-Tipp: Gehen Sie auf Distanz.
Betrachten Sie das Erlebte mit anderen Augen, etwa durch die einer Fliege an der Wand. Bauen Sie die Energie ab, z.B. bei einer zackigen Radtour, beim Um graben im Garten oder durch Kraftsport. Wenn es ganz schnell gehen muss: Papier knüllen und mit aller Kraft an die Wand werfen.

Barfuß
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Barfuß

Sie haben das Gefühl, ins Bodenlose zu fallen, fühlen sich verloren. Häufiger Schwindel signalisiert, dass die Brücke zwischen Körper und Seele bröckelt. Das passiert auch Leuten, die lange ausschließlich Kopfarbeit leisten müssen.
SOS-Tipp: das Körpergefühl wecken.
Laufen Sie 2–3 Minuten barfuß. Achten Sie bei jedem Schritt darauf, was Sie spüren. Gehen Sie mal auf den Innen- und Außenkanten, mal auf Fersen und Zehenspitzen. Danach die Füße mit den Händen, einer weichen Bürste oder einem Massageball verwöhnen.
Auch gut: Gartenarbeit, spazieren gehen, Bäume, Blumen und Pflanzen berühren, Wind, Regen und Sonne auf der Haut spüren. So finden Sie zurück zu Ihrer „inneren Mitte“.

Wir haben bei Wanda Dammann aus Essen mal genauer nachgefragt. Die Sonderpädagogin verrät uns warum sich unsere Psyche oft selbst am besten hilft.

Wanda Dammann
© Wanda Dammann
Wanda Dammann
VITAL: Wieso sollte ich mir ein „Notfall- Set“ für die Seele zurechtlegen?
Wanda Dammann:
Jeder, dem es psychisch schlecht geht, kennt das: In solchen Augenblicken vergessen wir, was wir für uns tun können. Von anderen hören wir dann häufig: Tu dir was Gutes. Aber was? Genau hier liegt das Problem. In einer emotional schwierigen Lage ist es zu anstrengend, sich auch noch darüber den Kopf zu zerbrechen. Mit einem „Notfall-Set“ ist das nicht mehr nötig.

Wie funktioniert es genau?
Generell verfügt unsere Psyche über enorme Kraftreserven, die jedoch manchmal von den starken negativen Gefühl überlagert werden. Die SOS-Tipps helfen nach, damit Kraft und Motivation zurückkehren. Sie zeigen Wege auf, wie es uns wieder ein Stück besser geht.

Was verändert sich dadurch?
Die Übungen erzeugen gute Gefühle, schöne Bilder, setzen einen Impuls. Wir erinnern uns an das, was uns interessiert, was wir gern machen oder endlich einmal tun wollen. Das weckt neue Freude und Lebenslust.

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