1. Februar 2013
Eine neue Brille bitte

Eine neue Brille bitte

Zwei Drittel aller Deutschen können schlecht gucken. Zum Glück werden Brillengläser und -gestelle stetig verbessert. Jetzt angesagt: das individuelle Anpassen an Bedürfnisse und Situationen. VITAL verschafft Ihnen einen Überblick.

Brillen
© Thinkstock
Brillen

Vielfahrerin

Ein Top-Sehvermögen ist das A und O für die Verkehrssicherheit. Wer eine Gleitsichtbrille trägt, kennt das Problem: schnelle Wechsel der Blickrichtung, etwa zwischen Navigationssystem (Nahbereich) und Straße (Fernbereich), ermüden die Augen. Für Kurz- und Weitsichtige gibt es jetzt speziell darauf abgestimmte Gläser: Die sogenannte EyeFit-Technologie von Zeiss berücksichtigt individuelle Bedürfnisse (mehr Infos beim Optiker). Hinter einer Nachtsehschwäche steckt oft eine leichte Kurzsichtigkeit um die –0,25 Dioptrien. Das kann ein Optiker oder Augenarzt prüfen. Falls Sie sich beim Autofahren schnell geblendet fühlen, nehmen Sie gelb getönte, superentspiegelte Gläser.

Naturfreundin

Draußen frische Luft tanken tut gut – aber bitte die Sonnenbrille nicht vergessen: Auch bei bedecktem Himmel gefährdet die UV-Strahlung die Augen. 20 Prozent der Fälle von grauem Star gehen darauf zurück. Vorbeugen können Sie mit farblosen Gläsern mit UV-Schutz (z.B. von Essilor), die zusätzlich vor den Strahlen schützen, die über die Rückseite des Glases ins Auge reflektiert werden. Tipp für Spaziergänger, die häufig zwischen dunkel und hell wechseln, etwa vom Wald auf die Wiese: selbsttönende Gläser, die sich sehr schnell anpassen (Rodenstock).

Sportbegeisterte

Bruchfest, strapazierfähig, zuverlässig: Sport, aber auch die Gartenarbeit im kommenden Frühling fordert einer Brille einiges ab. Moderne Herstellungsverfahren ermöglichen immer dünnere und bruchsicherere Gläser. Lästiges Blenden und störende Lichtreflexe können die sogenannten polarisierenden Gläser mindern. Mit denen sehen Brillenträger zudem besonders kontrastreich (z.B. „Dynamic Sphere“ von Hoya, „Skylet Sport“ von Zeiss). Alle, die beim Schwimmen kaum noch etwas erkennen, können sich eine optische Schwimmbrille in der individuellen Sehstärke anfertigen lassen.

Bildschirmarbeiterin

Schnelle Wechsel im Büro: Vom Monitor zum Papier, vom Papier zum Kollegen und wieder zurück – keine Frage, Büroarbeit strengt die Augen an. Die wurden vor Urzeiten eher dafür gemacht, über weite Flächen und Felder in die Ferne gucken zu können. Das beschert uns heutzutage im Job müde und brennende Augen, mitunter sogar einen Leistungsabfall. Fachleute empfehlen bereits ab dem 30. Lebensjahr und ab zwei Stunden Monitorarbeit täglich das Tragen einer Arbeitsplatzbrille – auch bei voller Sehkraft. Spezielle Anti-Ermüdungsgläser (z.B. „Hoyalux iD WorkStyle“ von Hoya, „Varilux Computer“ von Essilor) sollen die Arbeit am PC erleichtern.

Familien-Managerin

Gesucht: Durchblick für alle Lebensbereiche. Von der Küche in den Straßenverkehr, vom Computer in den Supermarkt: Wer in kurzer Zeit zwischen verschiedenen Umfeldern wechselt, braucht eine pflegeleichte Brille, die nichts übel nimmt. Praktisch: Eine spezielle Oberflächenbehandlung, die sogenannte Nanoperl- S-Beschichtung, macht die Gläser besonders schmutz- und wasserabweisend sowie abriebbeständig. Dank beschlagfreier Gläser (z.B. „Optifog“ von Rupp und Hubrach) stehen Sie auch beim Kochen oder Öffnen der Spülmaschine nicht im Nebel. Alternative: die neuen „FogFree“-Tücher von Rodenstock.

Die perfekte Brille

Brille von Silhouette
© Silhouette
Brille von Silhouette

Genauso wichtig wie die Gläser: die richtige Fassung. Die aktuellen Brillenmodelle schaffen es spielend, Ansprüche an Funktion und Design zu verbinden – mit High-End-Werk stoffen und hochpräziser Technik.
Und: Die Fassungen werden immer haltbarer, weil sie aus immer weniger Einzelteilen be stehen. Als Faustregel gilt nach wie vor: Verschiedene Schärfenbereiche, etwa bei Kurz- und Alterssichtigkeit, lassen sich leichter in einer großformatigen Brille vereinen.

Rahmenlose auch für stark Fehlsichtige

Früher waren die Gläser dick und schwer; heute ermöglichen neue Technologien feine, in verschiedenen Sichtbereichen individuell geschliffene Gläser. Sogar große Formen bleiben leicht.
Brille: Silhouette

Brille von Adidas
© Adidas
Brille von Adidas

die Augen vor UV-Licht und Wind – das nützt sogar langsamen Hobby- Radlern. Der Clou: Sie können die Sehstärke und verschiedene Tönungen einclippen.
Brille: Adidas

Keine Druckstellen mehr hinter dem Ohr

Neben einer sorgfältigen Anpassung beim Optiker verbessern auch besonders flexible und leichte Materialien wie Titan, Azetat und Trogamid den Sitz am Kopf.
Brille: Rodenstock

So erkennen Sie einen guten Optiker

  • Er fragt genau nach Ihrem Gesundheitszustand: Haben Sie Bluthochdruck, Rückenprobleme oder Kopfschmerzen?
  • Wofür benötigen Sie die Brille in erster Linie – für den Nah- oder Fernbereich? Wie gestalten Sie Ihre Freizeit – Bücher - wurm oder Biker? Und wie sieht es an Ihrem Arbeitsplatz aus (Licht, PC)? Alles Fragen, die er stellen wird.
  • Mit Mustergläsern veranschaulicht er wichtige Besonderheiten.
  • Er achtet auf ein korrektes Zentrieren der Brille. Das erfordert eine Augenprüfung und exakte Augenabstandsmessung.
  • Falls die von Ihnen ausgesuchte Brille rutscht, weist er Sie darauf hin und empfiehlt eine andere Fassung. Denn schlechter Halt verursacht Sehstörungen und Kopfschmerzen.
  • Er beobachtet Ihre Körperhaltung im Stehen und Sitzen: Die hat Einfluss auf den Blickwinkel.
  • Nachdem er sie angepasst hat, drückt die Brille weder an den Pads an der Nase noch hinter den Ohren.
  • Den korrekten Sitz der Brille überprüft er nach zwei bis drei Wochen – kostenlos.

Kurz- oder Weitsichtigkeit erkennen

Sie sind kein Adlerauge? Daran könnte es liegen:

Kurzsichtigkeit:
Nähe top, Ferne flop. Wer kurz- bzw. nahsichtig ist, erkennt Details in der Nähe gut – kann allerdings schlecht in die Ferne sehen. Die anatomischen Ursachen der sogenannten Myopie sind ein zu langer Augapfel oder eine zu starke Brechkraft der Hornhaut. Um sie auszugleichen, kneifen Betroffene häufig die Augen zusammen. Die für ein gesundes Auge als optimal geltende Leseentfernung von 35 Zentimetern empfinden sie als „zu weit weg“. Entgegen der landläufigen Meinung, man könne diesen Effekt durch ein „Training“ der sechs das Auge bewegenden Muskeln mindern, ist eine Kurzsichtigkeit irreversibel und verstärkt sich meist bis ins Erwachsenenalter. Manchmal gleicht eine Alterssichtigkeit die Kurzsichtigkeit aus, häufiger kommen beide Sehschwächen zusammen. Dann hilft nur das Tragen einer Gleitsichtbrille.

Wichtig: Der regelmäßige Check beim Augenarzt, denn stark Kurzsichtige haben ein erhöhtes Risiko für eine Netzhaut ablösung und den grünen Star.

Weitsichtigkeit: je dichter, desto unschärfer.
Betroffene sehen weit Entferntes gut, jedoch in der Nähe unscharf. Das liegt an einem zu kurzen Augapfel oder einer zu schwachen Brechkraft der Hornhaut. Eine beginnende Weitsichtigkeit (Fachbegriff: Hyperopie) gleicht das Auge automatisch durch eine Anspannung des Ringmuskels aus, der die Linse in Position hält. Typisches Erkennungsmerkmal Weitsichtiger: die weit von sich gestreckte Zeitung. Eine vorhandene Weitsichtigkeit wird durch eine Alterssichtigkeit meist verstärkt.

Alterssichtigkeit: die Nahsicht lässt nach.
Die sogenannte Presbyopie betrifft uns alle: Etwa ab dem 45. Lebensjahr verschwimmen beim Lesen plötzlich die Buchstaben vor dem Auge, besonders die Nahsicht wird als anstrengend empfunden. Ursache: Der Ring- bzw. Ziliarmuskel, der den Stand der Augenlinse bestimmt, verliert durch den natürlichen Alterungsprozess an Elastizität. Dadurch verhärtet die Linse, wird immer unbeweglicher. Unschärfen können nicht mehr ausgeglichen werden – die meisten Best Ager brauchen eine Sehhilfe. Etwa um das 65. Lebensjahr ist der Alterungsprozess der Augenmuskulatur abgeschlossen, die Sehkraft bleibt konstant.

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