18. November 2011
Die Vorteile am Sport zu Zweit

Die Vorteile am Sport zu Zweit

Mit dem Partner oder der besten Freundin bringt es definitiv mehr Spaß, sich zu bewegen. Und das Tolle ist: Beim Sport im Doppelpack stärkt ihr nicht nur eure Kraft und Kondition, sondern auch das Miteinander. Lest hier, bei welchen Sportarten ihr was gewinnt.

Paar, Tennisschläger
© iStockphoto
Paar, Tennisschläger

Fair-Play-Regeln beim Tennis vereinbaren

Beim Klassiker unter den Duo-Sportarten könnt ihr euch den Ball gegenseitig zuspielen. Damit’s fair zugeht, selbst wenn sich ein Tennis-Crack und ein Anfänger gegenüberstehen, variieren die Regeln: Der erfahrene Spieler darf nur von unten aufschlagen oder als Rechtshänder nur mit links spielen.

Euer Vorteil: Fairness first – ihr lernt einander besser kennen und stellt euch auf die Schwächen des anderen ein.

Zu zweit in einem (Ruder-)Boot

Beide trainieren Kraft und Ausdauer gleichermaßen, doch hohes Tempo braucht mehr als kräftige Muskeln und viel Puste. Typisches Duo-Problem: Asynchrone Ruderschläge bremsen das Boot aus. Die Lösung: Der Schwächere sitzt vorn, der Hintermann passt seinen Ruderschlag an. Faire Sache.

Euer Vorteil: Die Teamarbeit klappt mit Gleichklang – und einem Kompromiss.

Beim Biken füreinander in die Pedale treten

Bei vielen Sportarten erschwert ein unterschiedliches Leistungslevel das gemeinsame Training. Auf dem Rad lässt sich die Zweisamkeit dagegen leicht (er)fahren: Der Fittere von beiden fährt vor und spendet seinem Mitfahrer etwas Windschatten. So spart dieser bis zu 40 Prozent Kraft!

Euer Vorteil: Bei gegenseitiger Rücksichtnahme und Unterstützung bleibt niemand auf der Strecke.

Laufend ein Ziel verfolgen

Die einfachste Variante des Duo-Trainings sind gemeinsame Joggingrunden. Nachteil: Stimmt der Fitnessgrad nicht überein, macht sich das deutlich bemerkbar. Gegen permanente Unter- oder Überforderung hilft ein Trick: Einer läuft seinen eigenen Wohlfühl-Dauerlauf, der andere zieht das Tempo immer wieder für ein paar hundert Meter an. In den Trabpausen dazwischen kann der Langsamere aufholen.

Euer Vorteil: Ihr bleibt nicht aufeinander fixiert, visiert aber schlussendlich ein gemeinsames Ziel an.

Miteinander im Gegeneinander beim Asia-Kampfsport

Bei Karate, Kung-Fu & Co. geht’s auf den ersten Blick gegeneinander. Doch die asiatische Philosophie dahinter macht klar: Ziel im Kampfsport ist nie der Angriff, sondern die (oft waffenlose) Selbstverteidigung, ohne den Gegner zu verletzen. Der fernöstliche Mix aus körperlicher und geistiger Fitness fordert Selbstkontrolle und vor allem Respekt vor dem Gegner. Daher ist im Training viel Miteinander gefragt.

Euer Vorteil: Ihr verliert die Anerkennung für euer Gegenüber weder bei Streit noch Stress.

Die Seilschaft beim Klettern fördert das Vertrauen

Wer in der freien Natur oder in einer Halle die Wände hochgeht, kräftigt alle Körpermuskeln und stärkt Mut und (Selbst-)Vertrauen. Weil man immer zu zweit klettert, spielt das Zwischenmenschliche buchstäblich eine tragende Rolle: Während der eine in die Höhe kraxelt, sichert ihn der andere per Seilzug gegen einen Sturz. So schafft das Seil eine verlässliche Verbindung.

Euer Vorteil: Das Gefühl, sich bei diesem Trainingspartner fallen lassen zu können. Auch im Alltag.

Den gemeinsamen Takt beim Tanzen finden

Ob Salsa oder Tango, Quickstep oder Flamenco, Rumba oder Jive – beim Tanzen bewegen wir uns gemeinsam im Rhythmus der Musik, geben uns unseren Gefühlen hin und lassen uns aufeinander ein. Meist übernimmt der führende Herr die Regie, und sie gibt sich mit höchster Aufmerksamkeit seiner Führung hin.

Euer Vorteil: Wer ähnlich tickt, spürt eine Verbundenheit, kann sich dem anderen gegenüber leichter öffnen und seine Gefühle zeigen – nicht nur auf dem Tanzparkett.

Mit Skilanglauf in der Erfolgsspur bleiben

Bei der Wintervariante des Nordic Walking geht niemand seiner eigenen Wege: Der klassische Skilanglauf sieht keine Ausweichmanöver vor. In der Loipe laufen Sie im Diagonalschritt hintereinander her. Der gemeinsame Weg in den zwei Spuren ist das Ziel.

Euer Vorteil: Keine Gelegenheit für egozentrische Fluchten. Ihr bleibt zusammen und weicht nicht vom Weg ab. Und das langfristig.

Interview mit Dr. Jeannine Ohlert

Sport bringt uns einander näher

Sportpsychologin Dr. Jeannine Ohlert von der Deutschen Sporthochschule Köln forscht über Gruppen im Sport und verrät, worauf es beim gemeinsamen Training ankommt.

VITAL: Was bringt es, zusammen Sport zu treiben?
Dr. Jeannine Ohlert: Es motiviert unheimlich, wenn die Freundin aufs Training wartet – die lassen wir nicht gern hängen. Gerade wenn wir erst mit dem Sport anfangen oder im Winter fällt es viel schwerer, sich allein aufzuraffen. Sport verbindet und liefert Gesprächsstoff.

Beim Training kommt es auch leicht zum Streit.
Ja, wenn man unterschiedliche Ziele verfolgt und nicht darüber spricht. Dann rennt die eine mit der Stoppuhr los und will sich auspowern, während die andere entspannt traben möchte. Manche wollen beim Training quatschen, andere nicht. Und unter Belastung kochen Emotionen schneller hoch.

Also vorher miteinander reden?
Ja, um die Erwartungen abzugleichen und Kompromisse zu finden. Dann kann man sich mal zusammen auspowern und mal eine Bummeleinheit einlegen. Oder nur die halbe Trainingsstrecke gemeinsam laufen, die zweite Hälfte rennt der eine dann vor.

Falls das nicht klappt: Lassen sich Konflikte beim Training lösen?
Ich kenne ein Paar, das beim Laufen super streiten kann. Viele sehen den gemeinsamen Sport aber eher als Cut, um Abstand zur Streitsituation zu bekommen und hinterher respektvoller miteinander umgehen zu können.

Stärkt ein gemeinsames sportliches Ziel eine Beziehung?
Es ist toll, zusammen ein Ziel anzupeilen. Keiner muss erklären, warum er schon wieder zwei Stunden trainieren möchte. Das Wichtigste: Beide sollten Spaß haben und nicht dem Partner zuliebe mitmachen. Ansonsten rate ich, dass sich beide eine neue Sportart suchen.

Tipps fürs Training zu zweit
Es liegt nicht nur am unterschiedlichen Fitness-Level: Zwischen Paaren knirscht es beim Sport oft, weil Frauen eher den Stress hinter sich lassen wollen, ihre Figur formen oder etwas für ihre Gesundheit tun. Männer dagegen toppen gern ihre Bestleistung (oder die vom Kollegen) und gehen an ihre Grenzen.

Mit unseren fünf Tipps klappt’s trotzdem: Wettkampf-Tabu: Wenn er rennen und sie traben will, kann das zu einem stressigen Wettkampf ausarten. Besser: Plant eure gemeinsamen Sessions als Grundlagentraining. Das bedeutet: moderates Tempo, dafür lieber ein paar Kilometer mehr laufen. Richtig auspowern kann er sich, wenn er allein trainiert.

Abkürzung nehmen:
Um unterschiedliche Tempi auszugleichen, hilft auch das Stadionrund – der Langsamere läuft auf der Innenbahn, der Schnellere ein paar Bahnen weiter außen. In den Kurven nivelliert sich der Leistungsunterschied, weil man auf den Außenbahnen einige Meter mehr laufen muss.

Kompromisse finden:
Er will golfen, sie laufen? Dann treffen Sie sich in der Mitte – beim Speedgolf. Dabei geht es nicht nur darum, eine Golfrunde mit wenigen Schlägen zu absolvieren, sondern auch möglichst schnell und sogar im Laufen. Alternative: Mal ist sein Lieblingstraining dran, dann wieder ihres.

Spielend Paroli bieten:
Ist Kraft gefragt, sind Männer mit ihrer testosteronbedingt größeren Muskelmasse oft deutlich überlegen. Bei Spielsportarten ohne Gegnerkontakt wie z. B. Volleyball können Frauen ihnen Paroli bieten – eine gute Wahl fürs Partner-Workout (geht auch zu zweit über die Wäscheleine!).

Trainiert vs. untrainiert: Einen besonderen Reiz hat es, wenn Anfänger und Profi in einer Sportart aufeinandertreffen. Dann übernimmt einer die Rolle des Personal Trainers, der andere bekommt eine kostenlose Privat-Trainerstunde geschenkt. Und am nächsten Trainingstag werden Sportart und Rolle getauscht.

Lade weitere Inhalte ...