22. Dezember 2012
Das stärkt Ihre Seele

Das stärkt Ihre Seele

Öfter entspannen, Selbstbewusstsein tanken, anpacken statt aufschieben – viele gute Vorsätze betreffen unsere Psyche. Der Clou: Mit Sport können wir neue Ziele anbahnen und sie dann leichter erreichen.

Lachende Frau
© thinkstockphotos
Lachende Frau

Stellen Sie sich vor, Sie bekommen einen Haufen Wörter gezeigt – so ähnlich wie jetzt – und sollen möglichst schnell die erkennen, die mit Älterwerden zusammen hängen (z.B. „grau“, „vergesslich“). Wären Sie vorher aufgefordert worden, eine Zeit lang sehr langsame 30 Schritte pro Minute zu gehen, hätten Sie deutlich besser abgeschnitten.

Adressen

  • Deutscher Schwimm-Verband (DSV), Korbacher Straße 93, 34132 Kassel, Tel. 05 61/94 08 30,www.dsv.de
  • Deutscher Dachverband für Qigong & Taijiquan, Am Leinekanal 4, 37073 Göttingen, Tel. 05 51/20 19 9 00, www.ddqt.de
  • Sportkletterverband, Am Rosenhain 18, 53343 Wachtberg, Tel. 02 28/9 12 50 60, www.sportkletterverband.de
  • Deutscher Pilates-Verband, Alte Darmstädter Str. 12 a, 64367 Mühltal, Tel. 01 51/ 12 00 36 53, www.pilates-verband.de
  • Europäische Wing Tsun Organisation, Bergheimer Straße 147, 69115 Heidelberg, Tel. 0 62 21/7 26 26 00, www.wingtsun.de

Herausgefunden hat diesen überraschenden Zusammenhang Prof. Thomas Mussweiler von der Universität Köln.

Die Erforschung der Psyche

Prof. Fritz Strack von der Universität Würzburg stellte bei seinen Studien Ähnliches fest: Freiwillige, die einen Bleistift quer im Mund halten, also notgedrungen „lächeln“, finden Trickfilme lustiger als Probanden, die ihre Lippen um das Bleistiftende schürzen – und dadurch die Stirn runzeln. Andererseits schneiden „Stirnrunzler“ beim Probleme lösen deutlich besser ab als Studienteilnehmer, die ihre Wangen aufblasen. Zwei Beispiele, die eindrucksvoll zeigen: Was wir mit unserem Körper tun, wie wir uns halten und bewegen, beeinflusst unsere Psyche unmittelbar.

Das Leben in die Hand nehmen

„Richten Sie sich wieder auf, richtet sich auch das Gemüt auf“, so Expertin Benita Cantieni. Kurzfristig und langfristig. „Wie zufrieden Menschen mit ihrem Leben sind, hängt direkt mit der täglichen körperlichen Aktivität zusammen“, ergänzt Jaclyn Maher von der Penn State University in den USA. „Ich kann nur empfehlen, jeden Tag ein bisschen mehr zu trainieren.“ Natürlich nur, solange es Ihnen Spaß macht.

Höchste Zeit, dass auch wir diese enge Beziehung zwischen Körper und Seele nutzen! „Viele Verhaltensweisen, die wir im Sport üben, können wir auf unser Selbstbild übertragen“, ermuntert Fachmann Thomas Frankenbach jeden. Mit ihm und vier weiteren Experten suchten wir nach sportlichen Lösungen für fünf kleine seelische Schieflagen, die wir alle kennen. So entstand das „VITAL Happy-fit-Programm“ – mit dem Sie im neuen Jahr durchstarten können.

5 sportliche Wege zu 5 Zielen der Seele

Frau schwimmt
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Frau schwimmt

Den Geist frei schwimmen

"Ich will mich besser konzentrieren können und nicht so leicht ablenken lassen"

  • Das sagt DSV-Expertin Beate Ludewig: „Mit dem Kopf unter Wasser entdecke ich eine neue Dimension, die ich an Land nicht habe. Ich bin ganz ich selbst und kann mich nur auf mich besinnen. Jeder in meiner Trainingsgruppe kennt dieses Gefühl. Die Teilnehmer kommen morgens zum Schwimmen und gehen dann topfit zur Arbeit.“
  • Happy-fit-Effekt: Durch den sanften Wasserdruck spüren wir unseren ganzen Körper, fühlen uns schwerelos. Wir tauchen ab, lassen alles Ablenkende am Beckenrand zurück. Ideal, um die Aufmerksamkeit ausdauernd zu bündeln.
  • Diese Sportarten eignen sich noch: alle, die mit gleichförmigen Bewegungen ar beiten (z. B. Joggen, Walken). Daraus wird „bewegte Meditation“, die hilft, zerstreuende Gedanken kommen und wieder gehen zu lassen.

Quicktipp:

Immer eine Schwimmbrille aufsetzen, damit Sie die Augen offen halten können. Bevor es losgeht, am Beckenrand festhalten und die Atemtechnik üben: Kopf taucht ins Wasser – ausatmen. Kopf taucht auf – einatmen. Ruhiges Rückenschwimmen ist am besten.

Gelassen mit Qigong

"Ich möchte besser absachalten können, zur Ruhe kommen und den Stress vergessen"

  • Das sagt Expertin Antje Schnessing-Schneeberg: „Mir tut Qigong gut, weil ich durch die Übungen meine Mitte wiederfinde. Ich fühle meine Bedürfnisse, statt einfach nur zu funktionieren.“
Qigong
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Qigong
  • Happy-fit-Effekt: Aus Sicht der chinesischen Medizin harmonisiert Qigong die Lebensenergie, die durch den Körper fließt und bei Stress ins Stocken gerät. Moderne wissenschaftliche Studien belegen inzwischen, dass die Übungen das vegetative Nervensystem regulieren, den Blutdruck senken und Stress hormone abbauen – eine gute Basis, um mit Stress umzu gehen, der sich nie ganz vermeiden lässt.
  • Diese Sportarten eignen sich noch: Taijiquan (Tai-Chi), autogenes Training, progressive Muskelentspannung.

Quicktipp:

Qi verteilen: Beide Arme gestreckt vorm Körper über den Kopf heben. Oberkörper leicht nach hinten beugen, dabei einatmen. Danach Rumpf mit gestreckten Armen und Beinen nach vorn beugen, dabei ausatmen. Aufrichten und Arme über dem Kopf zum Trichter öffnen, dabei einatmen. Dreimal wiederholen.

Klettern gegen die Angst

Frau klettert
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Frau klettert

"Ich will neues anpacken, mich nicht von Problemen abhalten lassen"

  • Das sagt Exdwin Jakobperte E: „Die Größe und Erhabenheit der Berge verändern die eigene Perspektive. Bei jedem Schritt nach oben gewinnen wir Distanz zu den Problemen im Tal.“
  • Happy-fit-Effekt: Altes loslassen, Neues festhalten – in der Kletterwand lernen Körper und Seele, trotz Anspannung und Angst handlungsfähig zu bleiben. Das stärkt das Selbstvertrauen, verbessert unsere Konzentrationsfähigkeit und kann sogar bei depressiven Verstimmungen helfen. Klettern beansprucht viele wichtige Muskeln und schult obendrein die körperliche Koordination.
  • Diese Sportarten eignen sich noch: Koordinationstraining, Bergsteigen, Mountainbike fahren oder ein Besuch im Hochseilgarten.

Quicktipp:

Trocken üben: Die mehr als 300 Kletterhallen in Deutschland bieten „Routen“ mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und verschiedene Kurse an. Mehr Infos: www.kletterhallen.net, www.climbing.de

Mit Pilates zu wahrer Größe

"Ich wünsche mir mehr Selbstbewusstsein und Ausstrahlung"

  • Das sagt Expertin Anja Kursawe: „Pilates schenkt mir innere Kraft, ich agiere bewusster und mit mehr Ruhe. Wer Pilates praktiziert, wirkt aufrechter und hat ein größeres Körperbewusstsein.“
Pilates
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Pilates
  • Happy-fit-Effekt: Übungen nach Josef H. Pilates aktivieren, dehnen oder entspannen gezielt einzelne Muskeln oder komplette Muskelpartien. Vor allem die Körpermitte, das sogenannte Power House, gebildet aus den Bauchmuskeln, dem Beckenboden und der Tiefenmuskulatur der Wirbelsäule, soll gestärkt werden. Das macht aufrechter, größer, gelassener und natürlicher. Im Power House liegt auch das sogenannte Bauchhirn, das uns mit nützlichen Intuitionen („Bauchgefühl“) versorgt.
  • Diese Sportarten eignen sich noch: Yoga, Krafttraining, Body-Mind-Kurse.

Quicktipp:

Der Glücksstern: Auf den Bauch legen, Arme und Beine vom Körper weg strecken (wie ein liegendes X). Kopf auf ein kleines Kissen legen. Erst 3-mal den rechten Arm und das linke Bein, dann 3-mal den linken Arm und das rechte Bein anheben.

Wing Tsun stärkt das Ich

Wing Tsun
© jalag-syndication.de
Wing Tsun

"Ich will mich klarer abgrenzen und öfters mal Nein sagen"

  • Das sagt Experte Thomas Frankenbach: „Ich war ein eher ängstliches und unsicheres Kind. Kampfsport war wie ein Therapie für mich. Heute fühle ich mich nicht mehr so schnell angegriffen. Diese Entwicklung beobachte ich inzwischen auch bei meinen Schülern.“
  • Happy-fit-Effekt: Wing Tsun (Wing Chun), der Legende nach von einer Nonne erfunden, hilft Frauen, im Notfall die Kraft eines Angreifers gegen ihn zu lenken. Wer das beherrscht, lernt, sich selbst zu behaupten – und kann klar und ohne Gewissensbisse Nein sagen und in wichtigen Momenten Härte und Kampfgeist zeigen.
  • Diese Sportarten eignen sich noch: „Rückschlag“- Spiele wie Tennis, Badminton oder Squash, Boxen, Karate, Judo und Tae Bo.

Quicktipp:

Fester Standpunkt: Die Füße stehen geschlossen, schulterbreit oder im Ausfallschritt. Eine gute Freundin oder Ihr Partner schubst Sie jetzt. Achten Sie darauf, dass Sie stabil stehen, in Balance bleiben und Ihren Raum sichern.


Benita Cantieni, Expertin für die Verbindung von Körper und Seele (Embodiment), erklärt, warum eine andere Haltung schon viel bewirkt. Infos: www.cantienica.com

VITAL: Muss ich Sport treiben, um mich psychisch besser zu fühlen?
Benita Cantieni:
Nicht unbedingt. Schon unsere Körperhaltung beeinflusst unsere Stimmung – und umgekehrt. Richten Sie sich auf und aus, richtet sich auch das Gemüt auf, weil andere Botenstoffe ausgeschüttet werden.

Ein Beispiel, bitte.
Sie stehen und atmen ein. Stellen Sie sich vor, wie die Luft vom Scheitel nach unten in den Brustkorb, den Bauch, durch das Becken, die Beine in den Fußboden fließt und dort versickert. Wiederholen Sie das 5-mal. Wie fühlen Sie sich?

Nicht gut. Die Alternative?
Stellen Sie sich vor, wie Sie am Damm einatmen, die Luft an der Wirbelsäule nach oben ziehen und am „Kronenpunkt“ auf dem Kopf ausatmen. Den Unterschied spüren Sie sofort.

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