14. September 2014
Aus eigener Kraft

Aus eigener Kraft

Wenn wir entdecken, was uns glücklich macht, können wir beeindruckende Selbstheilungskräfte freisetzen – um gesund zu bleiben oder schneller wieder auf die Beine zu kommen. Sie schlummern in uns allen, wir müssen nur den Zugang finden.

Sich selbst Glücklich machen
© MariaDubova / Thinkstock
Sich selbst Glücklich machen
Unser Körper kann mehr, als wir denken. Viel mehr! Ohne dass wir es merken, repariert und regeneriert er sich ein Leben lang selbst: In jeder Sekunde ersetzen 50 Millionen neue Zellen diejenigen, die im selben Zeitraum zugrunde gehen. Lebergewebe wächst ein Leben lang aktiv nach, die Haut heilt sich bei Verletzungen und Schnittwunden, indem sie neues oder Narbengewebe bildet, sogar Knochenbrüche kuriert der Körper alleine,

der Gips unterstützt nur den Heilungsprozess, eine Operation beschleunigt ihn noch einmal. Trotzdem haben wir den Glauben an unseren Körper verloren, rennen viele von uns mit Kleinigkeiten zum Arzt und verlas- sen die Praxis erst dann zufrieden, wenn wir anschließend in der Apotheke mit einem Rezept wedeln können. Dabei ist Gesundheit vor allem Vertrauenssache. Vertrauen in uns selbst.

„Mit der Macht, die in uns allen steckt, lassen sich zwei Drittel aller Krankheiten in ihren Auswirkungen mildern, wenn nicht gar verhindern“, sagt Professor Wolfram Schüffel, ehemaliger Direktor der Klinik für Psychosomatik an der Universität Marburg. Das gelte sogar für schwerste Krankheitsbilder. Darüber hinaus hängt Gesundsein oder -werden sehr stark mit Erwartung zusammen. Studien zu diesem Thema überraschen immer wieder. Koffeinfreier Kaffee lässt Puls und Blutdruck ansteigen, wenn die Versuchsperson nur denkt, sie hätte koffeinhaltigen Kaffee getrunken.

Der Glaube versetzt Berge

Noch mehr erstaunt das berühmte Experiment von der Knieoperation, die keine ist und dennoch heilt: Forscher aus Houston, Texas, operierten 120 Patienten tatsächlich am Knie, 60 andere Patienten hingegen erhielten nur einen Hautschnitt, allerdings auch unter Narkose. Die oberflächlichen Schnitte täuschten also nur die Knieoperation vor, am Knie gemacht wurde nichts. Zwei Jahre später waren 90 Prozent aller Patienten mit dem Ergebnis des Eingriffs zufrieden, sie konnten ihr Knie schmerzfrei und ohne Bewegungseinschränkungen benutzen, unabhängig davon, ob sie wirklich operiert wurden. Der Glaube versetzt eben nachweislich Berge.
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Glauben Sie an sich

Alte Weisheit – neue Erkenntnis

Die Kraft des positiven Denkens setzte der französische Apotheker und Begründer der modernen Autosuggestion, Émile Coué (1857–1926), bereits im vorletzten Jahrhundert systematisch zu Heilzwecken ein. Bei der Autosuggestion wird das Unterbe- wusstsein trainiert, an etwas Bestimmtes zu glauben. Coué verabreichte seinen Kunden das passende Präparat mit den Worten: „Mit dieser Arznei werden Sie sicher ganz schnell gesund.“ Er hatte beobachtet, dass Medikamente schneller und besser wirkten, wenn er deren heilende Komponente noch einmal betonte. Coué war überzeugt, dass das Unbewusste unser Leben in großem Maße beeinflusst: „Jede Vorstellung, die sich genügend stark eingeprägt hat, strebt danach, sich zu verwirklichen.“
Dass wir jeder Krankheit unsere innere Überzeugung entgegensetzen können – diese Meinung vertritt auch Dr. Hans-Michael Mühlenfeld, Vorsitzender des Bremer Hausärzteverbandes und Vorsitzender des Institutes für Hausärztefortbildung: „Es geht um Bewältigungsstrategien und darum, seine Erwartungen an die Realität anzupassen. Es wäre hilfreich, die Erwartung ,Ich bin krank und morgen bin ich gesund‘ zu ersetzen durch die Einstellung ,Ich bin krank und akzeptiere die Symptome meines Körpers‘. Sogar wenn ich an einer chronischen Krankheit leide, geht es mir mit dieser anderen Einstellung auch körperlich besser.“

Gesunder Optimismus und hilfreiches Mantra

Inzwischen haben Wissenschaftler mit modernen Methoden nachgewiesen, dass Optimisten mehr Immunzellen bilden und schneller genesen. Untersuchungen an Marathonläufern zeigen, dass die beim Laufen freigesetzten Glückshormone, die sogenannten Endorphine, Schmerzen vergessen lassen und das Immunsystem stärken. Hamburger Forscher unter Prof. Christian Büchel vom Institut für systemische Neurowissenschaften der Universitätsklinik Eppendorf wiesen nach: Eine positive Einstellung zum Leben verringert nicht nur die subjektive Schmerzempfin- dung, sondern bewirkt auch messbare körperliche Effekte auf die schmerzrelevanten Nervenzell-Aktivitäten im Gehirn.
In diesem Sinne sei der Satz von Coué jedem ans Herz gelegt: „Es geht mir mit jedem Tag in jeder Hinsicht immer besser und besser.“ Täglich nach dem Aufwachen oder vor dem Schlafengehen halblaut 20-mal hintereinander wie ein Mantra aufgesagt, gelangt diese Weisheit über den Gehörsinn in das Unterbewusstsein. Für akute Beschwerden empfahl Coué, eine Hand auf die entsprechende Stelle zu legen und folgende Formel so lange zu wiederholen, bis sich erste Zeichen der Besserung zeigen: „Es geht vorbei, es geht vorbei, es geht vorbei.“
Wunder gibt es immer wieder – und jedes ist ein Fall für sich
Mehr als 1000 plötzliche Krebsheilungen, sogenannte Spontanremissionen, kennt die Fachliteratur: Entgegen jeglicher Prognose und Erwartung wurden Krebspatienten wieder gesund. In den meisten Fällen sogar ohne OP oder Chemotherapie. Forscher beobachten dieses Phänomen verstärkt bei Krebsarten wie Nierenzellkarzinomen, Melanomen (Hautkrebs) und Lymphomen (Tumoren des Lymphgewebes). Das Immunsystem steuert diese Krebsarten maßgeblich. Möglicherweise sind sie darum auch sehr anfällig für Aktionen des Immunsystems selbst, wie das Bekämpfen großer Tumormassen.
Weitere Erklärungsmodelle für solche „Wunder“ gehen davon aus, dass sich die undifferenzierten Krebszellen doch noch zu normalen Zellen entwickeln. Oder die Blutzufuhr durch die umliegenden Blutgefäße reicht bei einem Tumor ab einer gewissen Größe nicht mehr aus. Normalerweise produziert er dann eigene Blutgefäße. Manchmal jedoch schaffen Tumoren diese Anbindung nicht – sie sterben ab.

Nehmen Sie die Heilung in die Hand

Auch die Hormonproduktion spielt eine Rolle. So können sich hormonabhängige Tumoren bei Frauen in den Wechseljahren, also unter nachlassender Hormonproduktion, zurückbilden. Ob nach Spontanremissionen der Krebs dauerhaft fernbleibt? Das weiß niemand zu sagen. Menschen, die vom Krebs geheilt wurden, schildern jedenfalls oft sehr eindrucksvoll, wie sie sich unabhängig von den wissenschaftlichen Erklärungsmodellen selbst aktiv mit ihrer Krankheit und auch Heilung auseinandergesetzt haben.
Trotzdem lassen sich diese Erfahrungen nicht unbedingt von einem Patienten auf den anderen übertragen. Jeder Einzelne muss seinen individuellen Umgang mit der Krankheit finden. Das Deutsche Krebsforschungszentrum behandelt das Thema Spontanheilung erstaunlich offen, ermahnt jedoch ausdrücklich dazu, wertvolle Therapiezeit zu nutzen.
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Was willst du mir sagen, Körper?

So aktivieren Sie Ihren inneren Arzt

Der Schlüssel zur Selbstheilung ist überhaupt nicht mystisch: Denken Sie positiv! Genießen Sie die glücklichen Momente! Machen Sie möglichst oft, was Ihnen guttut! So lautet das Rezept für die Aktivierung Ihrer inneren Heiler. Gefühle wie Freude, Stolz und Liebe fördern die Ausschüttung von Glückshormonen, die die körpereigene Abwehr stärken. Was aber, wenn Sie die Schlüssel verlegt haben, die Ihnen Zugang zu Ihrem Wohlfühlglück verschaffen?

Fragen Sie sich: Was tut mir wirklich gut – und was schadet mir? Unter welchen Umständen stehe ich morgens auf und möchte die Welt umarmen? Wie bekomme ich genug Energie, um regelmäßig Sport zu machen? Was muss passieren, damit ich zufrieden bin? Mit einem Tagebuch können Sie Ihre persönlichen Glücklich-Macher herausfinden. Oder lernen Sie, sich an die schönen Momente zu erinnern, um immer wieder tiefes Entspannen herbeizuführen. Unter Anleitung eines Therapeuten nennt sich diese Heilrichtung Hypnotherapie.
Abstand gewinnen, sogar in der größten Hektik, indem Sie sich im Büro für einen Moment gedanklich in das Straßencafé von gestern träumen, an den schön gedeckten Frühstückstisch oder auf die Sonnenliege am Mittelmeer. Atmen Sie dabei zehnmal tief durch und lassen Sie so die Hektik im Büro für ein paar Minuten stillstehen. Achten Sie wieder verstärkt auf die Signale Ihres Körpers. Als Kind waren Ihnen Bauch- oder Kopfschmerzen doch vertraut. Und Ihre Mutter hat Sie im besten Fall ins Bett gesteckt und Ihnen eine Auszeit gegönnt. Nehmen Sie alle Gefühle, Körperempfindungen und Gedanken bewusst wahr, aber ohne sie zu beurteilen. So lautet das Geheimnis der alten buddhis- tischen Lehre der Achtsamkeit.

Energie, die allein aus uns selbst kommt

Unser Körper spricht mit uns, permanent. Nur verstehen wir ihn nicht oder hören erst gar nicht hin. Wir sollten aber die Zeichen unseres Körpers wie Müdigkeit, Schmerzen und Unwohlsein wieder zu deuten lernen. Auch das Wissen, welche Symptome unseres Körpers natürlich sind und damit schon zu dem Selbstheilungsprozess gehören, verblasst im Laufe unseres Lebens leider immer mehr. Das erlebt Dr. Mühlenfeld bei seinen Patienten immer wieder. „Gerade heute Morgen kam ein Mann mit einem Magen-Darm-Infekt zu mir“, erzählt er. „Er wollte von mir ein Medikament gegen die Übelkeit, um wieder essen zu können. Ich habe ihm erklärt, dass die Übelkeit eine Selbstheilungsmaßnahme des Körpers ist. Ein Schutzmechanismus, der dafür sorgt, dass die Krankheitserreger ausgeschieden werden und der Magen sich erholen kann. Die Übelkeit ist gerade ein Zeichen dafür, dass der Körper gesund reagiert.“

Meditieren hält gesund

Im Rahmen der Energie- und Heilarbeit existieren Methoden, die uns wieder zu uns selbst zurückführen. Heinz Rzehak, anerkannter Heiler mit Schwerpunkt Energie- und Heilarbeit in München, praktiziert die Aufstellungsarbeit, um Ungesehenes und Ungelöstes auf der emotionalen Ebene wieder in Einklang zu bringen. Schamanische Heilrituale (Klang- und Trommeltechniken) kommen dabei zum Einsatz. Für zu Hause empfiehlt er wie viele Experten die Meditation: „Das Sitzen in der Stille fördert die Hinwendung zu sich selbst und die Anbindung an die ureigenen Gefühle und Bedürfnisse.“
Gerade die Achtsamkeitsmeditation, bei der Gedanken bewusst wahrgenommen werden, fördert Stoffwechselvorgänge, senkt den Blutdruck und lässt das Herz langsamer schlagen. Regelmäßige Meditation kann sogar Schmerzen lindern und Angstzustände und Depression abbauen. Die Wirkung der Meditation lässt sich mit der Einnahme von Antidepressiva vergleichen. Nur eben ohne Risiken und Nebenwirkungen, so das Ergebnis einer Metastudie der John Hopkins University School of Medicine in Baltimore.

Mehr Geduld zahlt sich aus

Meditation lehrt uns auch Geduld. Und die wäre in den meisten Erkrankungsfällen angebracht. In der Tat würden viele Beschwerden von allein wieder verschwinden, ließen wir unseren Körper nur in Ruhe machen. Das trifft auf den grippalen Infekt ebenso zu wie auf die Rückenschmerzen. Mediziner sprechen vom „abwartenden Offenlassen“. Selbstverständlich gilt das nicht für akute, schwere Erkrankungen wie einen Herzinfarkt oder eine Lungenentzündung. Dennoch rennen wir Deutsche durchaus schnell zu Ärzten. Mit 18-mal im Jahr sitzen wir im Vergleich zu den anderen Industrienationen überdurchschnittlich häufig in Warte- und Behandlungszimmern. Vielleicht weil Ärzte selbst als so etwas wie Placebos gelten: Ein Gespräch mit ihnen, ihr Zuhören kann uns enorm motivieren. Ihnen gegenüber erwarten wir dann jedes Mal das Wunder der sofortigen Genesung, anstatt auf unser wunderbares Selbstheilungspotenzial zu vertrauen.
„Früher hat diese Funktion die Großmutter übernommen. Zu ihr sind wir gegangen und haben gesagt: ,Mir ist schlecht.‘ Sie kochte uns Hühnersuppe und tröstete: ,Das wird schon wieder, warte mal bis morgen‘“, erinnert sich Dr. Mühlenfeld. Nach innen blicken, uns mit uns selbst verbinden, unsere Bedürfnisse und Gefühle kennenlernen und akzeptieren oder manchmal einfach nur ein wenig abwarten – wir können unserem Körper vertrauen. Er kann so viel mehr, als wir glauben.
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Sich selbst Glücklich machen

So fördern und erhalten Sie Heilkräfte

DER ORT: Suchen Sie sich einen Platz in Ihrer Wohnung, an dem Sie sich wohlfühlen, sich zurückziehen und ausruhen können.
DIE METHODE: Wählen Sie Ihre persönliche Entspannungsmethode und praktizieren Sie diese täglich, z. B. Augen für ein paar Sekunden schließen, zehn Atemzüge tief durchatmen, Musik hören, Yoga, Meditieren etc.
DIE ERNÄHRUNG: Kochen Sie Ihr Lieblingsgericht einmal in der Woche. Verfeinern Sie das Rezept zugunsten Ihrer Gesundheit. Ersetzen Sie tierische Fette durch pflanzliche, ersetzen Sie Zucker durch Honig.
DER HELFER IM NOTFALL: Überlegen Sie, was Ihnen immer geholfen hat, wenn Sie als Kind erkältet oder krank waren (z. B. Wadenwickel, Hühnersuppe). Besinnen Sie sich das nächste Mal auf diese Helfer.
DER SCHLAF: Unter welchen Voraussetzungen schlafen Sie gut? Versuchen Sie diese Umstände dauerhaft in Ihr Leben zu integrieren. Das Schnarchen Ihres Mannes raubt Ihnen den Schlaf? Entscheiden Sie sich für getrennte Schlafzimmer.
DIE FANTASIE: Erlauben Sie sich Tagträume, schmücken Sie Ihre Wünsche und Illusio- nen aus. Es heißt nicht umsonst: Fantasie verleiht uns Flügel.
DIE SELBSTBESTIMMUNG: Bleiben Sie immer die eigene Gestalterin Ihres Lebens. Sollte Ihnen die Hoheit über Ihr Leben abhandengekommen sein, erobern Sie sich diese zurück. Die Kraft der Selbstbestimmung stärkt Ihr Immunsystem.
DAS GLÜCKS-TAGEBUCH: Notieren Sie Momente, in denen Sie sich gesund und glücklich fühlen. Nicht nur Tag und Stunde, sondern auch Umstände Ihres Wohlgefühls: Wie ist das Wetter? Wer ist bei Ihnen? Was riechen Sie? Führen Sie dieses Tagebuch mindestens vier Wochen und analysieren Sie dann, was regelmäßig positive Gefühle auslöst.

Sich Luft verschaffen

Generell wird empfohlen, über die Nase tief in den Bauch einzuatmen und etwa doppelt so lange auszuatmen (das bringt die Entspannung). Nach dem Einatmen am besten sofort wieder ausatmen und die Luft dann ein wenig anhalten, bis der Körper nach Sauerstoff verlangt und Sie wieder einatmen.
HAUCHÜBUNG: Trainiert zunächst einen tiefen und ruhigen Atemrhythmus: Hauchen Sie langsam in die Handfläche, atmen Sie dann durch die Nase ein. Wiederholen Sie die Übung bei mindestens zehn Atemzügen (Ein- und Ausatmen), bis Ihre Hand warm wird.
EINFACHE ATEMÜBUNG: Atmen Sie langsam durch die Nase ein und auch wieder durch die Nase aus. Denken Sie dabei an ein zweisilbiges Wort wie Ruhe (beim Einatmen „Ru“, beim Ausatmen „he“). Beobachten Sie, wo Ihr Atem dabei hinfließt, ob in die Brust oder den Bauch. Forcieren Sie die Bauchatmung.
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