26. Mai 2021
Adipositas: Abnehmen mit einer Verhaltenstherapie

So hilft eine kognitive Verhaltenstherapie gegen Adipositas

Übergewicht und Adipositas gehören zu den größten Gesundheitsproblemen der modernen Welt. Über die Hälfte der Menschen in Deutschland ist davon betroffen und die Zahlen steigen. Wir verraten Ihnen, wie eine kognitive Verhaltenstherapie gegen Adipositas helfen kann.

Ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland leidet unter Adipositas. Somit haben über neun Millionen Menschen hierzulande einen BMI über 30 und ihnen drohen gesundheitliche Folgen wie Diabetes Typ 2, Herzkreislauferkrankungen, Bluthochdruck oder eine Fettleber. Trotz gesundheitlicher Aufklärung und günstigen Preisen für frisches Obst und Gemüse scheitern viele Abnehmversuche. Woran liegt das? Und kann eine kognitive Verhaltenstherapie helfen?

Was ist eine kognitive Verhaltenstherapie?

Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist eine nichtmedikamentöse Methode, um psychische und seelische Erkrankungen zu behandeln. Die KVT wird unter anderem bei Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen und Essstörungen eingesetzt. Zwar ist Adipositas im deutschen Gesundheitssystem noch nicht als Krankheit anerkannt. Dennoch verursacht sie im Alltag erhebliche Einschränkungen und einen enormen Leidensdruck. Viele Institutionen wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Europäische Parlament plädieren daher seit Jahren dafür, die Adipositas offiziell als chronische Krankheit zu klassifizieren.

So hilft die kognitive Verhaltenstherapie gegen Adipositas

Die kognitive Verhaltenstherapie fußt auf der Annahme, dass unsere Denkmuster und alltägliche Verhaltensweisen im Laufe unseres Lebens erlernt werden. Dies geschieht in Form von Rückkopplungskreisläufen, z.B. kann Essen als Belohnung oder Aufmunterung in Zeiten, in denen es uns schlecht geht, dienen. Dadurch prägt sich das erlernte Verhaltensmuster ein, schlechte Gefühle mit Essen zu kompensieren. In der kognitiven Verhaltenstherapie werden mithilfe einer Therapeutin die Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen des Betroffenen analysiert, um sie im Laufe der Therapie durch gesündere Muster zu ersetzen.

Automatische Ernährungsmuster erkennen

Erlernte Ernährungsmuster laufen im stressigen Arbeitsalltag meist völlig automatisch ab, da dies für unser Gehirn energiesparender ist. Wenn wir vor jedem Snack und jeder großen Mahlzeit erst minutenlang überlegen und die Vor- und Nachteile der jeweiligen Lebensmittel abwägen würden, wäre dies einerseits sehr zeitaufwendig, andererseits äußerst energieraubend. Daher besteht der erste Schritt beim Abnehmen darin, sich seine automatischen Ernährungsmuster vor Augen zu führen und die Entscheidungen darüber, was und wie wir essen, künftig wieder bewusster zu treffen. Den Anfang können Sie dabei selbständig mit einem Ernährungstagebuch machen.

Neue Verhaltensweisen aneignen

Der zweite Schritt besteht im Einüben neuer Verhaltensweisen mit dem Ziel, diese langfristig als automatische, gesündere Routinen in den Alltag zu integrieren. Für die Planung sollten Sie sich an einem oder mehreren entspannten Tagen Zeit nehmen. Ersetzen Sie Stück für Stück Ihre ungesunden Mahlzeiten durch gesündere Alternativen – dabei müssen Sie nicht von einer Woche auf die nächste plötzlich alles umkrempeln. Machen Sie sich zudem sogenannte „Wenn-Dann-Pläne“. Diese helfen dabei, gesündere Verhaltensweisen zur Routine werden zu lassen, z.B. „Wenn ich das nächste Mal zwischen den Hauptmahlzeiten Heißhunger bekomme, gönne ich mir statt eines Snacks einen schwarzen Kaffee oder einen Ingwertee oder mache 10 Kniebeugen, um mich auf andere Gedanken zu bringen“.

Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen

Wenn Sie es nicht aus eigener Kraft schaffen, das Übergewicht abzubauen, scheuen Sie sich nicht davor, ärztliche und therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wenden Sie sich an Ihren Hausarzt, einen Ernährungsmediziner oder eine Ernährungsberaterin. Mit deren Hilfe erlernen Sie Techniken, die Ihnen die Umstellung auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung erleichtern.

Video: Übergewicht und Essstörungen durch die Corona-Krise? Das befürchten Experten

Quellen: adipositas-gesellschaft.de, stiftung-gesundheitswissen.de, aerzteblatt.de

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