Wundermittel oder schädlich? Make-Up & Umwelt

Faltenfreie Haut, glänzende Haare, haltbares Make-up: Silikon macht’s möglich, soll aber Haut und Umwelt auch belasten. Stimmt das?

Hautpflege

WAS MACHT SILIKON IN MAKE-UP?

Haben Sie sich schon mal gefragt, was ein Mousse-Make-up so schaumigleicht und einen Lippenstift kussecht macht? Obwohl es nur wenig bekannt ist, spielen Silikone in Lippenstiften, Lidschatten und Foundations eine große Rolle. Dafür, dass sich die Produkte so geschmeidig auftragen lassen und die Farben über Stunden an Ort und Stelle bleiben, sind „flüchtige Silikone“ verantwortlich. Das Besondere daran: Sowie sie mit Hautwärme in Kontakt kommen, verdunstet der cremige Anteil und zurück bleiben festere Partikel, die sich pudrig anfühlen und Farbpigmente fixieren.  

BELASTEN SILIKONE DIE UMWELT?

Gemessen an den Mengen, die etwa in der Autoindustrie oder beim Häuserbau anfallen, dürfte silikonhaltige Kosmetik aus ökologischer Sicht nicht sonderlich zu Buche schlagen, sollte man meinen. Für die Herstellung von Silikon, bei der jede Menge klimaschädliches Kohlendioxid entsteht, mag das sogar stimmen. Aber nicht unbedingt, was unser Wasser betrifft, denn im Gegensatz zu Dichtungen, die fest sitzen, wird silikonhaltige Kosmetik tagtäglich beim Waschen, Baden oder Duschen abgespült. Ein Problem, das nicht unterschätzt werden sollte, warnt das Umweltbundesamt. Rund 330 Tonnen Shampoos und Spülungen wurden 2007 in Deutschland verkauft, die gemeinsam mit Creme- und Bodylotionresten durch die Abflüsse rauschten und im nächsten Klärwerk landeten. Da die Kosmetikhersteller betonen, dass sie seit ein paar Jahren verstärkt wasserlösliche Silikone einsetzen, müsste sich das doch auch positiv auf die Umwelt auswirken, oder?

„Das ist leider ein Trugschluss“, sagt Harald Hanßen, Abteilungsleiter bei der Stadtentwässerung Hamburg. „Die Tatsache, dass sich die Silikone leichter aus den Haaren waschen lassen, heißt noch lange nicht, dass sie auch besser abbaubar wären.“ Was passiert also mit unseren Pflegeresten? Große Silikone bleiben an festen Partikeln haften, die aus dem Abwasser herausgefiltert werden. Die kleineren gelangen in den sogenannten „Belebtschlamm“. Darin verarbeiten Bakterien die nährstoffreichen Abwasserinhaltsstoffe zu Klärschlamm und Kohlendioxid – normalerweise jedenfalls. Bei Silikon klappt das nämlich nicht, sodass es im Klärschlamm zurückbleibt. Dieser wird zur Hälfte mitsamt dem Silikon darin verbrannt. Die anderen 50 Prozent werden jedoch wegen ihres hohen Stickstoff- und Phosphorgehalts oft als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt. So gelangen die Silikonreste in Flüsse, Seen und ins Grundwasser.

„Dass die Silikonbelastung durch Kosmetik in den letzten Jahren stark zugenommen hat, merken wir vor allem daran, dass unsere Verbrennungsmotoren für Klärgas nicht mehr wie früher 8000 Stunden, sondern nur noch 3000 Stunden störungsfrei laufen“, sagt Harald Hanßen. „Der bei der Verbrennung von silikonhaltigem Klärgas entstehende Quarzsand lagert sich überall in den Maschinen ab. Außerdem treten vermehrt schädliche Bakterien der Gattung ‚Nocardia‘ auf, die als Hinweis für deutlich erhöhte Silikonwerte gesehen werden.“ Wer die Vorteile von silikonhaltigen Handcremes, Haarwaschmitteln oder Faltenfüllern nutzen möchte, ohne der Umwelt zu schaden, sollte das deshalb maßvoll und gezielt tun.   

Schlagworte: