Glyko-Wirkstoffe Was macht der Zucker in den Zellen?

Sie helfen gegen trockene Haut, Falten und einen müden Teint: Glyko-Wirkstoffe aus Zucker sind die neuen Multitalente in der Kosmetik. "Naschen" Sie sich schön!

Frau auf dem Bett

Was macht der Zucker in den Zellen?

Diabetiker können ein Lied davon singen: Ein ständig erhöhter Blutzuckerspiegel führt zu Zellschäden, weil sich überschüssiger Zucker an den Wänden anlagert. Ähnliches kann passieren, wenn mit zunehmendem Alter unser Stoffwechsel träger wird oder wir zu viel Zucker essen: Bei einem Glykose-Überschuss docken freie Zuckerteilchen an die elastischen Fasern der Haut an. Dies nennt man Glykation oder Verzuckerung. Sie macht die Fasern starr und unbeweglich, es entstehen leichter Falten. Beautyforscher entwickeln seit Jahren immer neue Wirkstoffe, um diesen Prozess aus zubremsen. Zum Beispiel „Carnosin“, das die Glykose einfangen und an sich binden soll (z. B. „Derm AoxSerum“ von La Roche-Posay, 30 ml ca. 32 Euro; „Olifting“ von Medipharma, 50 ml ca. 12 Euro). Oder den Wirkstoff „Bay Cadar“ aus einem indischen Baum, der die Produktion körpereigener Reparaturproteine fördern soll, die die Zuckermoleküle wieder von den elastischen Bindegewebsfasern trennen (z. B. „UC Line Repair Tagescreme“ von Chanel, 50 ml ca. 95 Euro). Besteht das Risiko, dass die Zuckerwirkstoffe in Cremes die Verhärtung des Bindegewebes fördern? Guylaine Le Loarer: „Nein, denn es handelt sich meistens um Mehrfachzucker, und die sind viel zu groß, um bis ins Bindegewebe vorzudringen.“ Werden Einfachzucker eingesetzt, hat man in der Regel vorher nachgewiesen, dass sie keine Glykation bewirken.

Die polstern und straffen: Feuchtigkeitsquellen aus Zucker mit Tiefenwirkung

Die Haut hat gut vorgesorgt: Natürliche Feuchtigkeitsmagnete, auch NMFs (Natural Moisturizing Factor) genannt, regulieren die Wasserbindung in ihrer äußeren Hornschicht. Zu diesen NMFs gehören neben Aminosäuren, Harnstoff und Mineral salzen auch Zuckerverbindungen. Moderne Cremewirkstoffe, die diesen „Hautzuckern“ sehr ähneln – z. B. Pentavitin aus Traubenzucker –, unterstützen die Aufgaben der NMFs: Sie verbinden sich mit der Hornschicht und intensivieren die natürliche Feuchtigkeitsspeicherung. Wissenschaftler haben aber noch mehr Power in Zuckerwirkstoffen entdeckt: Der Zuckeralkohol Gluco-Glycerol beispielsweise kann die Bildung winziger natürlicher Wasserkanäle (Aquaporine) in den Membranen der Hautzellen fördern. Das verbessert die Durchfeuchtung bis in tiefere Schichten, polstert die Haut schön auf und strafft. Was viele Laien nicht wissen: Auch der beliebte Faltenglätter Hyaluronsäure ist eine Zuckerverbindung! Ebenso Alginat: Der aus Braunalgen gewonnene Wirkstoff kann, ähnlich wie Hyaluronsäure, weit mehr als das 100-fache seines Eigengewichts an Wasser binden. Der Haferzucker versorgt die Haut ebenfalls mit Feuchtigkeit. Und der Einfachzucker Rhamnose regt sogar gezielt die Bildung elastischer Fasern im Bindegewebe an und erzielt so einen Liftingeffekt.

PRODUKTE: mit Pentavitin: z. B. „Faces My Age Kühlender Augen Roll-On” von Lavera, 7 ml ca. 13 Euro. Mit Gluco-Glycerol: z. B. „Nivea Reichhaltige Bodymilch mit Hydra IQ“ von Beiersdorf, 400 ml ca. 4 Euro; „Eucerin Aquaporin Feuchtigkeitspflege” von Beiersdorf, 40 ml ca. 16 Euro. Mit Hyaluronsäure: z. B. „Anti-Aging Repair Balsam“ von Pharmos Natur, 50 ml ca. 84 Euro. Mit Alginat: z. B. „Regenerations Serum“ von Dr. Hauschka, 30 ml ca. 40 Euro. Mit Haferzucker: z. B. „Lift Fermeté“ von Clarins, 200 ml ca. 49 Euro. Mit Rhamnose: z. B. „Liftactiv” von Vichy, 50 ml ca. 29 Euro.