Haut & Haare Überdecken des Eigengeruchs

Ob Creme, Sonnenmilch oder Lippenstift: Bei der Wahl unserer Kosmetik spielt der Duft eine wesentlich größere Rolle, als uns bewusst ist…

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Stimmung kommt nur dann auf, wenn alles stimmt

Tatsache ist, dass die Zutaten vieler Cremes oft nicht besonders gut riechen. Fette wie Olivenöl erinnern z. B. an Salat, der Feuchtigkeitsspender Harnstoff an Ammoniak. Deshalb ist die wichtigste Aufgabe des Parfüms das Überdecken des Eigengeruchs. Hinzu kommt, dass die Produktaussage unterstützt werden sollte. Wirkversprechen und Inhaltsstoffe müssen in der Parfümierung so übersetzt werden, dass es stimmig ist. Eine Aprikosenöl-Bodylotion, die nach Pfefferminz riecht, würde mit Sicherheit bei den meisten Menschen Widerstand wecken. Auch das Image der Marke sollte sich widerspiegeln. Dr. Vera Matz, Entwicklungs- und Forschungsmanagerin bei Unilever: „Rexona-Deos duften meist sportlich-frisch, die von Dove dagegen pudrig-weich. Dadurch haben sie einen hohen Wiedererkennungswert.“ Oft werden mit Gerüchen auch bestimmte Farben assoziiert, die im Produkt oder auf der Verpackung immer wieder auftauchen, damit es angenommen wird. Aloevera- Duft wird z.B. als „grün“ empfunden, Zimtgeruch dagegen als „orange“. Abgesehen von einem runden Gesamtkonzept gibt es aber auch so etwas wie einen „Produktgattungsduft“.

Gelernt ist gelernt: Erfahrungen als dufter Erfolgsfaktor

Ob es sich um Sonnenmilch, Lippenstift oder Gesichtscreme handelt, erkennt man meist mit geschlossenen Augen. Das liegt aber nicht etwa am Produkttyp selbst, sondern daran, dass die Parfümeure sich an unseren frühen Kindheitserinnerungen orientieren. „Eine Gesichtscreme, die in Deutschland Erfolg haben soll, muss ein bisschen wie Nivea duften“, sagt Karl-Heinz Bork, Parfümeur aus Deensen. „Mit diesem Mix aus Rose, Flieder und Lavendel verbinden die meisten von uns ihre ersten Erfahrungen mit Pflege. Das hat uns geprägt und Erwartungen geweckt.“ Eine These, die sich ähnlich auch in den USA bestätigen lässt, bloß dass hier der Babypuder von Johnson & Johnson Einflussgeber war und amerikanische Cremes deshalb süß nach Vanille duften. Auch bei Sonnenmilch und Lippenstift folgen die Parfümeure einem gelernten Schema: UV-Schutz bekommt seine sonnige Note traditionell durch Kokos, Orange und Duftbausteine, die Salicylate heißen. Lippenstift riecht in der Regel nach Vanille und Honig.

 

Autor: Kerstin Brockmann

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