Gesichts- und Körperpflege mit Öl Das können die Pflegeprodukte

Immer mehr Kosmetikhersteller setzen auf pflegende Öle, denn sie lassen den Teint strahlen, schützen das Haar und duften betörend angenehm. Wir verraten Euch, was Öle alles können – und worauf Ihr alles achten solltet.

Das kann Pflegeöl

Anti-Age: Welches Gesichtsölmildert meine Fältche

Da der Teint selber immer weniger Fett produziert, sind mit zunehmendem Alter pflanzliche Öle ideal, die einen hohen Anteil natürlicher Antioxidantien besitzen, z. B. Granatapfelsamen-, Schwarzkümmel- oder Arganöl): Sie neutralisieren freie Radikale, stärken den hauteigenen Schutzmantel und bewahren die Feuchtigkeit im Inneren. Ebenfalls gut für reife Haut ist Wildrosenöl, das eine natürliche Vorstufe von glättendem Vitamin A enthält (z. B. „Wild Rose“, Korres, 30 ml ca. 35 Euro).

Bio-Öle: Sind sie immer besser als konventionell erzeugte?

Bei Pflanzenölen aus kontrolliert biologischem Anbau können wir sicher sein, dass sie nicht durch chemische Insektenmittel oder Schwermetall-Rückstände im Boden belastet sind – daher werden sie in der Regel nicht raffiniert, sondern bleiben naturbelassen. Daneben zeichnet sich ein hochwertiges Öl aber auch durch andere Faktoren aus, über die ein Biosiegel nichts aussagt: etwa die Güte der Saat, deren Lagerung sowie die sogenannte Peroxidzahl – ein Wert, der besagt, wie viel Kontakt das Öl während der Herstellung mit der Luft hatte. Da derartige Qualitätsunterschiede sich nicht anhand der Angaben auf der Verpackung feststellen lassen, können interessierte Endverbraucherinnen diese Daten nur beim Hersteller erfragen.

CO2-Extraktion: Was ist das?

Ölfrüchte lassen sich unterschiedlich gut verarbeiten: Während etwa Nüsse, Oliven, Mandeln und Avocados durch ihren hohen Ölanteil und eine geringe Härte eine relativ hohe Ausbeute ergeben, lassen sich z. B. die harten Sanddorn- und Traubenkerne oder die feinen Amaranthsamen mit der herkömmlichen mechanischen Methode nur mühsam auspressen. In diesem Fall wird immer öfter die sogenannte CO2-Extraktion angewendet, bei der gasförmiges Kohlendioxid unter hohem Druck und niedriger Temperatur mit der Saat zusammengeführt wird, die unter diesen Bedingungen platzt und ihr Öl freigibt. Sobald der Druck aufgehoben wird, verflüchtigt sich das Kohlendioxid, sodass reines Öl zurückbleibt.

Düfte auf Ölbasis: Nur ein Marketing-Gag?

Nein, sie haben tatsächlich einige Vorteile: Einerseits verweilen sie durch die schwerere Basis länger auf der Haut als herkömmliche Parfums mit Alkohol. Und andererseits sind sie gerade für sensible Haut besser geeignet (z. B. „Love Composition Oil“ von Aveda, 30 ml ca. 27 Euro).

Empfindliche Haut: Verträgt sie jedes Öl?

Nein. Da sie sensibel auf Umwelteinflüsse reagiert, sollte ein reizarmes Pflegeöl verwendet werden, das zugleich kleine Löcher im Schutzfilm der Haut kittet. Ideal ist etwa beruhigendes Lavendelöl. Oder Mandelöl, das zu 20 Prozent aus besänftigender Linolsäure und zu fünf Prozent aus Palmitinsäure besteht, die die Barrierefunktion unterstützt.

Farbe: Was können Öl-Colorationen besser als andere?

Sie sollen besser verträglich sein als herkömmliche Haarfarben – denn die in ihnen enthaltenen Öle aus Kamille, Passions- oder Sonnenblume glätten die äußere Schuppenschicht und unterstützen gleichzeitig den eigentlichen Färbeprozess: Indem die Pigmente von den Ölen der Coloration abgestoßen und vom Wassergehalt der Haare angezogen werden, entsteht ein Sog, durch den die Farbe sich noch besser anlagert und insgesamt länger hält.

Gütesiegel: Was sagen sie über die in einem Produkt enthaltenen Öle aus?

Wer ein Naturkosmetiksiegel wie etwa BDIH oder Natrue auf einem Produkt entdeckt, kann sicher sein, dass darin ausschließlich natürliche Öle enthalten sind. Mittlerweile gibt es aber auch immer mehr konventionelle Beautyhersteller, die auf synthetische Öle verzichten – und darauf mit Aufschriften wie „ohne Mineralöl“ oder „ohne Paraffinöl“ hinweisen.

Haaröle: Warum sind sie plötzlich so angesagt?

Sie pflegen gleich in mehrfacher Hinsicht: poröse Spitzen, indem sie sie vor Spliss schützen. Und die Längen, indem sie die Oberfläche glätten, sodass das Licht besser reflektiert wird und das Haar glänzt. Trotzdem sollten Sie es nicht übertreiben: Um einen strähnigen Effekt zu vermeiden, höchstens einmal täglich nur wenige Tropfen erst in den Handflächen verreiben – und anschließend mit der flachen Hand leicht über den Kopf streichen. Außerdem bei feinem Haar die Ansätze vorsichtshalber auslassen.

Kopfhaut: Wenn ich sie mit Öl massiere, wird mein Haar doch ganz fettig, oder?

Stimmt. Deshalb solltet Ihr ein Öl nur verteilen, wenn Ihr danach nichts mehr vorhabt und das Haar waschen könnt – notfalls auch mehrmals. Gerade bei trockener, im Winter zu Juckreiz neigender Kopfhaut lohnt es trotzdem, sich einmal pro Woche die Zeit zu nehmen: Vor allem Argan- oder Erdnussöl (z. B. im Reformhaus) weichen mit einem hohen Ölsäureanteil Schuppen auf.

Make-up: Grundierung mit Öl mischen – funktioniert das wirklich?

Ja, so lässt die Grundierung sich leichter verteilen und der Teint strahlt, ohne fettig zu wirken. Am besten ein schnell einziehendes Öl z. B. aus Traubenkernen oder Argansamen auf dem Handrücken mit dem Make-up vermischen. Bei Mischhaut aber Stirn, Nase und Kinn aussparen.

Neurodermitis: Worauf muss ich bei Problemhaut achten?

Die Schutzfunktion der Haut ist bei Neurodermitikerinnen eingeschränkt, deshalb dringen potenzielle Allergene schneller ein. Bei der Pflege haben sich synthetische, hoch gereinigte Öle bewährt, die so gut wie nie reizen und in konventionellen Produkten mit der Aufschrift „für Neurodermitiker“ stecken. Wer es lieber natürlich mag, greift im Bioregal zu den sogenannten „Neutral“- oder „Sensitiv“-Serien: Sie beschränken sich auf wenige Inhaltsstoffe – und enthalten etwa gut verträgliches Mandel- oder Jojobaöl (z. B. „Silber Salbe Nr 33“ von Bioturm, 50 ml ca. 15 Euro). Dennoch solltet Ihr einen Blick auf die Inhaltsstoffliste werfen: Manche Hersteller setzen allergenes Wollwachs ein, weil es dem Hautfett so ähnelt. Andere nutzen Kamille oder Ringelblume, weil sie ihr entzündungshemmendes Potenzial nutzen wollen und das Allergierisiko im Vergleich zum Nutzen als minimal einschätzen.

Qualität: Worin unter- scheiden sich einzelne Öle?

Ein entscheidender Unterschied besteht zwischen raffinierten und naturbelassenen Ölen: Ein raffiniertes Öl wird mit Lösungsmittel gebleicht und desodoriert, sodass eine lange haltbare, geruchs- und geschmacksneutrale Flüssigkeit bleibt. Auf diese Weise gehen viele wertvolle Pflanzenstoffe und Vitamine verloren – gleichzeitig verschwinden aber auch mögliche kritische Stoffe, z. B. Rückstände von Pflanzenschutzmitteln oder Allergene, die bei sensibler Haut problematisch sein können. Weiter differenziert wird zwischen kalt und warm gepressten Ölen. „Vor der Warmpressung werden die Pflanzenteile mit Wasserdampf auf 85 bis 115 Grad Celsius erhitzt“, erklärt Andrea Dahm, Naturkosmetik- Expertin bei Primavera. „So fällt die Ölausbeute etwa fünf bis acht Prozent höher aus, gleichzeitig gehen aber auch hierbei wichtige Begleitstoffe verloren.“

Pickel: Werden Unreinheiten durch ein Gesichtsöl nicht noch gefördert?

Wer zu Unreinheiten neigt, vermeidet oft reichhaltige Pflege – denn die meisten von uns denken, dass sie erst recht Pickel auslöst. Anthroposophische Dermatologen gehen jedoch davon aus, dass die Haut durch Zugabe von Fett das Signal erhält, selbst weniger Fett produzieren zu müssen – und tatsächlich wirken die Poren nach einer Weile deutlich feiner. Entscheidend dafür ist die Wahl des richtigen Öls: Auszüge aus Distel, Ringelblume, Neem- und Hanfblättern sind nicht komedogen – das bedeutet, sie verstopfen keine Poren (z. B. „Gesichtsöl Mischhaut“, Bergland, 20 ml ca. 12 Euro).

Reinigung: Was können ölhaltige Reinigungsprodukte besser als andere?

Sobald wir uns waschen, strapazieren wir unsere Haut – denn auch warmes Wasser entzieht ihr Feuchtigkeit: Die Poren weiten sich, enthaltener Talg wird ausgespült. Ölhaltige Reinigungsprodukte ersetzen die körpereigenen Fette sofort – etwa durch Avocado- oder Sesamöl (z. B. „Cleansing Hy-Öl“ von Babor, 200 ml ca. 22 Euro).

Shampoo: Beschwert das Öl darin feines Haar nicht?

Das enthaltene Öl ist exakt so dosiert, dass es die Haare pflegt, ohne sie platt herunterhängen zu lassen. Zudem können konventionelle Öle inzwischen im Labor so verändert werden, dass sie kaum fettige Rückstände hinterlassen (z. B. „Repair & Care Trocken Öl“ von Pantene Pro-V, 100 ml ca. 7 Euro).

Trockenöl: Was ist das? Klingt wie ein Widerspruch ...

Richtig trocken sind sie nicht: Sogenannte leichte Öle ziehen aufgrund ihres geringen Ölsäureanteils und des Aufbaus einzelner Inhaltsstoffe aber sehr viel schneller ein als andere – neben Jojoba- und Arganöl zählt dazu etwa Kamelienöl (z. B. in „Huile Prodigieuse“-Körperöl von Nuxe, 100 ml ca. 32 Euro). Im ersten Moment erzeugen sie jedoch auch ein leicht öliges Hautgefühl.

Ursprung: Woher stammt die Menge an Pflanzenöl?

Auch Kosmetikhersteller spüren, dass Pflanzenöle beliebter werden – an der steigenden Nachfrage sowie teilweise höheren Einkaufspreisen. Um gute Qualität sicherzustellen, rufen vor allem Biomarken immer neue Fair-Trade- Projekte ins Leben – ein Handel, bei dem auch Bauern aus Ländern mit schwacher Sozialstruktur profitieren. Daher stammt ein großer Teil unseres Rosenöls z. B. aus Afghanistan oder Bulgarien. Arganöl wird größtenteils in Marokko produziert. Und in Indien gibt es Anbauprojekte für Rizinusöl.

Verunreinigung: Wie stellen Biomarken sicher, dass ihr Öl keine Problemstoffe enthält?

Ölpflanzen sind besonders gefährdet, da sie schnell Pflanzenschutzmittel binden. Naturkosmetikhersteller, die ihre Rohstoffe ohnehin nur aus nachhaltigem Anbau erhalten, unterziehen sie daher einer Qualitätsprüfung – um sicherzugehen, dass sie nicht doch eventuelle Altlasten enthalten. „Neben der sensorischen Prüfung von Geruch, Geschmack und Farbe entschlüsselt bei ätherischem Öl ein Gas-Chromatograf auch die genauen Inhaltsstoffe einzelner Stichproben“, so Andrea Dahm, Naturkosmetik-Expertin bei Primavera.

Wellness: Welches öl eignet sich am besten für eine Massage?

Schwere Öle wie etwa Weizenkeim- oder Kokosnussöl bleiben lange auf der Haut liegen – und sind damit ideal für ein Massageöl, das die Hände besser gleiten lässt (z. B. „Kokosnuss Körper- und Massageöl“ von Yves Rocher, 150 ml ca. 15 Euro)

Zeit: Wie lange dauert es, bis das Öl eingezogen?

Leichte Körperöle benötigen normalerweise kaum länger als eine reichhaltige Körpercreme, um vollständig von der Haut aufgenommen zu werden – ein paar Minuten nach dem Auftragen könnt Ihr bereits in Eure Kleidung schlüpfen. Etwas länger braucht dagegen ein Gesichtsöl bei Mischhaut: Hier lohnt es sich deshalb, morgens nach dem Verteilen erst die Haare zu bürsten und sich anzuziehen, bevor das Make-up aufgetragen wird.

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