Familienplanung Unfruchtbarkeit - Der unerfüllte Kinderwunsch

Es gehört zum Schlimmsten, was einem Paar passieren kann. Der unerfüllte Kinderwunsch. Ganz vorne auf der Liste der Selbstvorwürfe steht die Frage nach der Schuld. Doch 'Schuld' gibt es bei einer Unfruchtbarkeit bei Mann und Frau nicht. Nur die Frage nach Ursachen und möglichen Behandlungen und Lösungen.

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Ursachen für ungewollte Kinderlosigkeit

Es gibt eine Reihe von Ursachen für ungewollte Kinderlosigkeit. Mal fehlt der geeignete Partner, mal ist ein Paar aufgrund der beruflichen oder finanziellen Situation so unsicher, dass es aus vernünftigen Gründen zunächst einmal auf ein Kind verzichtet. Auch diese Formen der Kinderlosigkeit führen oft zu psychischem Leid, da ein wichtiger Wunsch verwehrt wird. Zumal die Fruchtbarkeit, sowohl beim Mann wie auch bei der Frau, ab dem dreißigsten Lebensjahr deutlich abnimmt. 

Ab wann sprechen wir von Unfruchtbarkeit?

Ab wann besteht die Notwendigkeit sich auf Unfruchtbarkeit untersuchen zu lassen? Nicht jeder ungeschützte Geschlechtsverkehr führt schließlich zwangsläufig zu einer Schwangerschaft. Gerade durch die Pille, also dann, wenn eine Frau lange Zeit mit Hormonpräparaten verhütet hat, dauert es häufig Monate, bis ihr Körper soweit ist eine Schwangerschaft anzunehmen. Das Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung spricht deshalb erst nach zwei Jahren regelmäßigen ungeschützten Geschlechtsverkehrs von einer „sterilen Partnerschaft“.
Neben dieser Art der „Primären Unfruchtbarkeit“ gibt es noch die „Sekundäre Unfruchtbarkeit.“ Dabei handelt es sich um eine „erworbene“ Unfruchtbarkeit, die Männer oder Frauen betrifft, die bereits einmal Eltern geworden sind. Eine solche „sekundäre Sterilität“ kann beispielsweise durch Operationen oder Infektionen entstehen. Wenn wir von Unfruchtbarkeit sprechen, dann hören wir auch oft den Begriff der Infertilität. Hierbei handelt es sich aber nicht um ein Synonym für die Unfruchtbarkeit der Frau, sondern tatsächlich beschreibt das Wort die Unfähigkeit einer Frau, ein lebensfähiges Kind auszutragen. Die Frau kann also schwanger werden, das Kind wird aber nicht überleben können. 

Unfruchtbarkeit beim Mann – wo kommt sie her?

Die Unfruchtbarkeit beim Mann ist noch immer ein Tabu-Thema. Die Vorstellung, dass der allzeit bereite Mann nicht zeugungsfähig sein könnte, ist für viele Männer eine Katastrophe. Viele Frauen, die in eine Kinderwunsch-Praxis gehen, können davon ein Lied singen. Spätestens wenn es darum geht, das Sperma des Mannes zu untersuchen, ist der potenzielle Vater plötzlich mit Terminen voll und findet keine Zeit für den Besuch beim Urologen. Dabei stehen die Chancen auf eine Schwangerschaft und eine glückliche Familie deutlich besser, wenn die Ursache für den unerfüllten Kinderwunsch beim Mann und nicht in der Unfruchtbarkeit der Partnerin liegt.  

Der männliche Samen wird in den Hoden produziert, von den Nebenhoden und dem Samenleiter abtransportiert und im Bereich der Prostata in die Harnröhre geleitet. Im Ejakulat machen die Samenzellen nur einen geringen Teil aus. 
Wenn nun hormonelle Störungen, Geschwulste oder angeborene Erkrankungen vorliegen, kann die Bildung der Samenzellen gestört werden oder sogar ganz ausfallen. Auch der sogenannte Hodenhochstand führt zu einer Unfruchtbarkeit beim Mann, übrigens auch dann, wenn er nach dem 3. Lebensjahr operiert wurde. Weitere Ursachen für eine verminderte Bildung von Samenzellen sind Entzündungen im Hodenbereich, Umweltgifte, Unfälle oder Krampfadern im Samenstrangbereich. 
Nachdem euer Arzt das Ejakulat untersucht und eine Sterilität festgestellt hat, wird er als erstes mithilfe von körperlichen Untersuchungen, gezielten Nachfragen und einer Ultraschalluntersuchung die genauen Ursachen der Unfruchtbarkeit beim Mann feststellen. Anschließend wird er die entsprechende Therapie beginnen. Oft wird der Weg zu einem gesünderen Lebensstil empfohlen, da Koffein, Alkohol, Tabak und Stress eine negative Wirkung auf die Fruchtbarkeit haben können. Weitere Therapiemöglichkeiten beschäftigen sich mit der assistierten Reproduktion oder operativen Maßnahmen. 

Unfruchtbarkeit bei der Frau

Die Gründe für Sterilität bei der Frau sind vielfältig. Wie beim Mann wirken sich Umweltgifte, Nikotin, Alkohol und Drogen negativ auf die Fruchtbarkeit aus. Außerdem können Über- oder Untergewicht sowie Leistungssport oder schwere körperliche Arbeit Fruchtbarkeitsstörungen verursachen. Auch eine Störung des Hormonhaushaltes, beispielsweise durch eine Fehlfunktion der Schilddrüse, erschwert die Möglichkeit einer Schwangerschaft. Dazu kommt die natürliche Schutzfunktion unseres Körpers. Befinden wir uns in Extremsituationen, psychisch, emotional oder körperlich und sind daher eigentlich gerade nicht in der Lage, eine Schwangerschaft zu unterstützen, verhindert unser Körper auch das Eintreten einer solchen. Auch aus diesem Grund sollte man vorsichtig bei Crash-Diäten sein und immer auf die Ernährung achten - ist der Körper nicht ausreichend versorgt, dann achtet er darauf, dass zusätzlicher Stress ihn nicht noch weiter belastet. 
Zu den organischen Ursachen der weiblichen Sterilität gehören insbesondere die Endometriose (Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter), Myome und Zysten. Weitere Ursachen sind Entzündungen der Eileiter und infektiöse Geschlechtskrankheiten sowie angeborene Fehlbildungen. 

Viele dieser Ursachen, wie beispielsweise die Endometriose, können durch eine mikrochirurgische Operation behoben werden. Bei Entzündungen und Infektionen ist in der Regel sogar die Gabe eines Antibiotikums ausreichend. In vielen anderen Fällen jedoch hilft nur die Reproduktionsmedizin. 

Künstliche Befruchtung – was ist das genau?

Künstliche Befruchtung, das hört sich für viele Menschen auch heute noch nach Reagenzglas und Doktor Frankenstein an, dabei ist alles viel harmloser. Die Behandlungsmöglichkeiten der Kinderwunsch-Praxen reichen von der hormonellen Stimulation des weiblichen Eierstocks bis hin zur Kryokonservierung, dem Einfrieren von Eizellen. 
Eine der häufigsten Behandlungen ist die Insemination. Dabei werden die männlichen Samen am Tag des Eisprungs mittels einer Spritze direkt in die Gebärmutter der Frau eingeführt. Das bringt auch dann häufig den gewünschten Erfolg, wenn die Spermienanzahl im Ejakulat gering ist. Außerdem besteht die Möglichkeit, die Spermien des Mannes direkt aus den Hoden oder den Nebenhoden zu gewinnen. Wenn auch dies keinen Erfolg zeigt, entscheiden sich Paare häufig für die In-vitro-Fertilisation. Dabei handelt es sich um die Befruchtung einer Eizelle außerhalb des Körpers. Das befruchtete Ei wird später wieder in den Uterus der Frau eingespült.
Künstliche Befruchtung ist in vielen Fällen eine Lösung des Problems. Dennoch sollten sich betroffene Paare sehr genau informieren und sich auch im Klaren sein, dass der Weg der künstlichen Befruchtung ein sehr langer und sehr belastender sein kann. 

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