Segen des Geldes Warum leben Reiche länger?

Eine von der SPD in Auftrag gegebene Studie wies in diesem Jahr die deutlich längere Lebenserwartung wohlhabender Menschen nach. Rund zehn Jahre höher ist die Lebenserwartung eines Mannes, der sich deutlich über der Armutsgrenze befindet. Doch worauf sind diese Unterschiede tatsächlich zurückzuführen?

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Höhere Bildung und bewusste Gesundheit

Rund die Hälfte des Unterschieds, der in der Studie nachgewiesen werden konnte, geht tatsächlich auf die bessere Bildung der wohlhabenden Schichten zurück. Diese würde ihnen der Meinung der Experten zufolge ein besseres Bewusstsein für den Umgang mit Ernährung, Bewegung, Rauchen und Alkohol bescheren. Wer bereits in den jungen Jahren auf eine ausgewogene Ernährung achtet und sich ausreichend bewegt, könnte damit den Grundstein für die Gesundheit im Alter legen. Eine ebenso hohe Bedeutung kommt der Vermeidung typischer Risikofaktoren zu. Menschen, die den höheren Einkommensschichten zuzuordnen sind, rauchen seltener und trinken weniger Alkohol. Auf diese Art und Weise lassen sich viele oft tödlich verlaufende Erkrankungen vermeiden, die dann ebenfalls eine positive Auswirkung auf die zu errechnende Lebenserwartung haben.

Der Reiz, bis ins hohe Alter wirtschaftlich ohne Sorgen zu sein, liegt demnach nicht nur in der Chance, mit dem Geld viele Dinge unternehmen zu können. Darüber hinaus kann eine solche Summe tatsächlich das Leben verlängern. Dies erklärt auch den Reiz von Lotterien wie Cash 4 Life, welche genau dies versprechen. Dort bietet sich die Gelegenheit, mit dem Hauptgewinn stets 1.000 Euro pro Tag gutgeschrieben zu bekommen.

Psychische Belastungen

Auf der anderen Seite sind allein dem bewussteren Verhalten nur 50 Prozent der Verlängerung bei der Lebenserwartung zuzuschreiben. Wichtig ist auf der anderen Seite der Einfluss des psychischen Drucks. Menschen, die an der Armutsgrenze oder sogar darunter leben, müssen sich im Alltag viel mehr Sorgen rund um ihre Existenz machen. Dabei stellt sich etwa die Frage, wie die Miete des nächsten Monats bezahlt werden kann, oder ob noch genug Geld für das tägliche Brot zur Verfügung steht. Auf diese Art und Weise baut sich letztlich ein enormer Druck auf, dem die Menschen oft selbst nicht gewachsen sind.

Zudem gibt es eine ganze Reihe chronischer Krankheiten, welche in den niedrigen Einkommensschichten mit einer sehr viel höheren Wahrscheinlichkeit auftreten. Dazu zählen Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes oder Lungenerkrankungen. Hier ist das Risiko für Menschen, die über Jahre hinweg in Armut leben, drei bis viermal höher, selbst daran zu erkranken.

Der Blick auf die Lebenserwartung

Dass es sich nicht nur um ein Modell handelt, welches angesichts gesundheitlicher Erscheinungen in die Tat umgesetzt wurde, zeigt der Blick auf die absoluten Zahlen. Die Lebenserwartung armer Männer, die an oder sogar unter der Armutsgrenze einzuordnen sind, liegt derzeit bei 70,1 Jahren. Wohlhabende Männer haben hingegen eine Lebenserwartung von 80,9 Jahren auf ihrer Seite. Ein Unterschied in ähnlicher Form ist auch bei den Frauen festzustellen. Während eine Frau an oder gar unter der Armutsgrenze im Schnitt von 76,9 Jahren ausgehen kann, hebt sich der Wert in den wohlhabenden Schichten auf 85,3 Jahre. Zuletzt ist die Differenz dieses Modells sogar ein weiteres Mal gewachsen. Bereits mit dieser statistischen Grundlage zog die Studie ein großes Aufsehen auf sich.

Unter dem Strich lässt sich noch eine andere Problematik feststellen, welche vor allem die politische Debatte in den vergangenen Jahren dominierte. Denn ein armer Beitragszahler, welcher im Schnitt knapp 71 Jahre zu leben hat, zahlt genauso wie sein wohlhabendes Pendant das ganze Leben lang in die Rentenkasse ein. Doch rund fünf Jahre nach seinem Ausscheiden aus der Berufswelt werden in seinem Fall keine Auszahlungen mehr fällig. Wohlhabende Menschen haben im Schnitt zehn Jahre mehr Zeit, um die Vorteile der gesetzlichen Rente zu genießen. Auch an dieser Stelle scheint eine Umverteilung der Gelder stattzufinden, wie sie eigentlich vor Jahren gar nicht für möglich gehalten wurde.

Was sind die Pfeiler der Gesundheit?

Doch woher rührt nun die Vitalität und welche Hinweise lassen sich daraus aus der Studie gewinnen? Auf der einen Seite scheint es wichtig zu sein, sicher und komfortabel für den eigenen Lebensunterhalt aufkommen zu können. Wer mit Gewissheit sagen kann, auch in den kommenden Monaten eine Wohnung und genug zum Essen auf dem Tisch zu haben, reduziert den psychischen Stress und kann damit ganz offensichtlich eine positive Einwirkung auf die eigene Lebenserwartung herbeiführen.

Auf der anderen Seite spielt das persönliche Verhalten eine wichtige Rolle. Das Vermeiden der typischen Risikofaktoren spielt dabei bereits eine zentrale Rolle. Ein maßvoller Konsum von Alkohol und der Verzicht auf Nikotin stellen eine starke Unterstützung für die Gesundheit dar. Darüber hinaus bietet sich die Chance, die Faktoren von Bewegung und Ernährung unter die Kontrolle zu bringen. Gelingt es, all diese Schritte in die Tat umzusetzen, so ist bereits ein ganz wesentliches Stück des eigenen Weges geschafft.

Mit Sicherheit wäre es falsch zu sagen, dass ein höheres Einkommen direkt zu einer höheren Lebenserwartung führt. Stattdessen handelt es sich hier um einen Effekt, der seine Wirkung erst indirekt entfalten kann. Arme wie reiche Menschen haben die Chance, ein besseres Bewusstsein für die eigene Gesundheit zu entwickeln. Doch die allgemeine Lebenssituation einer wohlhabenden Person macht es in der Praxis leichter, sich an diesen Vorteilen zu orientieren und sie letztlich im Alltag in die Tat umzusetzen.