Isolation während Corona Soziale Isolation: SO wichtig ist Körperkontakt für unsere Psyche

Während der Isolation in der Coronakrise fehlt vielen der Körperkontakt zu anderen Menschen. Ob romantisch, freundschaftlich oder fürsorglich – wir vermissen es, uns zu knuddeln, drücken und kuscheln! Und das aus sehr gutem Grund: Wir erklären, warum Berührungen so unglaublich wichtig für unsere Gesundheit und unsere Psyche sind.

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Entspannt auf Kuschelkurs

Berührungen sind für die gesunde Entwicklung des Menschen fundamental. Liebevoller und freundschaftlicher Körperkontakt prägt unsere Kindheit, das allgemeine Sozialverhalten – ja, sogar unsere physische Gesundheit! Die körperliche Nähe zu einem geliebten Menschen entspannt uns, löst Stress und stärkt nicht nur unsere emotionalen Zustand, sondern auch unser Immunsystem.

Berührungen sagen mehr als tausend Worte

Der Hautkontakt ist die grundlegenste Kommunikationsart, sowohl bei Menschen als auch bei Säugetieren. Säuglinge nehmen schon bei der Geburt zuerst den Hautkontakt zur Mutter auf. Passiert dies nicht, leidet darunter auch die Psyche.
Der Tastsinn ist auch der erste Sinn, der sich in unserem Leben entwickelt. Schon nach acht Wochen spürt ein ungeborenes Baby, obwohl es erst gummibärchengroß ist, ein Streicheln über den Bauch der Mutter.

So gesund sind Berührungen

Berührungen lösen in unserem Gehirn die Ausschüttung des Hormons Oxytocin aus. Dieser Stoff sorgt dafür, dass wir uns entspannen. Er senkt den Herzschlag, den Blutdruck und beruhigt unsere Atmung. Langfristig schützt Oxytocin sogar vor Krankheiten.
Doch nicht nur physisch, auch psychisch wirkt sich das sogenannte „Kuschelhormon“ positiv auf unseren Zustand aus. Denn durch Oxytocin entstehen Verbindungen in unserem Gehirn, die uns dazu befähigen, andere Menschen zu lieben und zu vertrauen.
Zu früh geborene Babys entwickeln sich besser und schneller, wenn sie Körperkontakt zur Mutter haben, Kranke spüren weniger Schmerzen, wenn sie an der Hand gehalten werden. Selbst kleinste Berührungen haben einen positiven Einfluss auf unseren emotionalen Zustand.
Übrigens wird Oxytocin sogar auch durch das Knuddeln unseres Hundes oder unserer Katze ausgeschüttet – auch bei unserem liebsten Vierbeiner.

Körperkontakt kennt keine Altersgrenze

Berührungen sind aber nicht nur für die gesunde Entwicklung von Heranwachsenden und Kindern essentiell. Auch Erwachsene brauchen angenehmen Körperkontakt. Verschiedene Meta-Studien haben gezeigt, dass zum Beispiel Massagetherapien dabei helfen, Ängste abzubauen, Depressionen entgegenzuwirken und Schmerzen zu lindern. Aber: Die Berührung alleine hat nicht den ausschlaggebenden Effekt. Um Oxytocin auszuschütten, muss die Verbindung von Haut und Gefühlen her. Ist dies gegeben, wird sogar unser Immunsystem gestärkt.

Grundbedürfnis Berührungen: Körperkontakt ist überlebenswichtig

Dass Berührungen derart große, lebenslange Auswirkungen auf unsere Entwicklung haben, war nicht immer bekannt. Der Verhaltensforscher Harry Harlow war einer der Ersten, der Berührungen genauer untersucht hat. Er hinterfragte die allgemeinen Empfehlungen von Psychologen in den 1950ern, die Mütter dazu rieten, den Körperkontakt zu ihren Babys möglichst aufs Füttern zu beschränken.
Harlow isolierte zwei neugeborene Rhesusaffen von ihren Müttern und gab ihnen stattdessen „Ersatzmütter“. Zwei Puppen, eine aus hartem Draht gefertigt, die andere aus weichem Stoff. Nahrung gab es nur bei der Drahtpuppe – Harlow ging davon aus, dass die Affenbabys sich deshalb dort aufhalten würden.
Doch im Gegenteil: Obwohl die „Drahtmutter“ die überlebenswichtige Funktion des Nahrungsgebers erfüllte, bevorzugten die Affenkinder die „Stoffmutter“. Nur die Zeit zum Trinken verbrachten die Babys bei der Puppe aus Draht. Mit der „Stoffmutter“ kuschelten sie und dort schliefen sie auch.
Eine weitere interessante Beobachtung: Wurden die Affenbabys alleine in eine neue Umgebung gesetzt, waren sie verschreckt und ängstlich. War jedoch die „Stoffmutter“ dabei, verhielten sie sich neugierig und aufgeweckt.
Das Experiment von Harry Harlow ist mittlerweile zwar ehtisch umstritten, zeigt uns aber bis heute, welch einen großen Einfluss Kuscheln und Körperkontakt für die Entwicklung auf Säugetiere hat.

Das bedeutet im Umkehrschluss: Menschen und Tiere, die selten angenehm berührt, umarmt, gestreichelt werden, werden eher krank, sind ängstlicher oder unglücklicher.
Wer einsam ist und ohne Partner lebt, hat Studien zufolge eine kürzere Lebenserwartung und ein höheres Krankheitsrisiko.
Doch warum reagiert unser Körper so extrem? Fehlende Berührungen bedeuten evolutionär gesehen für Säugetiere, dass sie alleine sind und nicht überleben können.

Kleine Gesten mit großer Wirkung

Schon kurze Berührungen beeinflussen unser Denken und Handeln positiv. Dies wird zum Beispiel deutlich an einer Beobachtung von US-Wissenschaftlern während der NBA Saison 2008/9. Hier wurde das Berührungsverhalten der Spieler in verschiedenen Basketballteams beobachtet und interpretiert.
Heraus kam: Die Teams, die sich häufiger berührten, etwa in Form von High-Fives, Schulterklopfern etc., gewannen mehr Spiele als andere.
Das Fazit: Der Körperkontakt stärkt auch den Zusammenhalt und das Vertrauen innerhalb des Teams und steigert so die Leistung. Laut verschiedenen Untersuchungen reicht bereits eine 1-sekündige Berührung, um Gefühle wie Dankbarkeit, Zuneigung oder Ermutigung zu übermitteln.

Übrigens: Ist Ihnen schon mal folgendes aufgefallen? Unser Körper trickst uns aus, damit wir uns gegenseitig häufiger berühren! Er erweckt in uns den Eindruck, die Haut von anderen fühle sich weicher an. Dabei ist das nur eine Illusion. Dafür sorgen spezielle Nerven in unserer Haut, die nur auf langsame, sanfte Berührungen anspringen. Diese Signale werden dann nicht an den bewussten Teil unseres Hirns weitergeleitet, sondern gehen an unser Gefühlszentrum und treffen uns deshalb besonders intensiv.

Tipp: Einmal am Tag 20 Sekunden knuddeln. Ob Partner, Kind, Kumpel oder Hund – es macht glücklich und hält uns gesund! Und wer jetzt gerade nicht kann, holt das als allererstes nach, sobald die Isolation vorbei ist.

Quellen:

  • www.ucl.ac.uk/news/2015/sep/why-other-peoples-skin-always-feels-softer
  • www.refinery29.com/en-us/2020/04/9694663/what-is-skin-hunger-people-touching-contact
  • www.geo.de/geolino/mensch/18833-rtkl-psychologie-warum-uns-beruehrungen-unter-die-haut-gehen
  • www.quarks.de/gesundheit/darum-sind-beruehrungen-so-wichtig

Datum: 20.04.2020

Autor: Silva Oldenburg

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