Glück Glauben Sie an sich

Wenn wir entdecken, was uns glücklich macht, können wir beeindruckende Selbstheilungskräfte freisetzen – um gesund zu bleiben oder schneller wieder auf die Beine zu kommen. Sie schlummern in uns allen, wir müssen nur den Zugang finden.

Sich selbst Glücklich machen

Alte Weisheit – neue Erkenntnis

Die Kraft des positiven Denkens setzte der französische Apotheker und Begründer der modernen Autosuggestion, Émile Coué (1857–1926), bereits im vorletzten Jahrhundert systematisch zu Heilzwecken ein. Bei der Autosuggestion wird das Unterbe- wusstsein trainiert, an etwas Bestimmtes zu glauben. Coué verabreichte seinen Kunden das passende Präparat mit den Worten: „Mit dieser Arznei werden Sie sicher ganz schnell gesund.“ Er hatte beobachtet, dass Medikamente schneller und besser wirkten, wenn er deren heilende Komponente noch einmal betonte. Coué war überzeugt, dass das Unbewusste unser Leben in großem Maße beeinflusst: „Jede Vorstellung, die sich genügend stark eingeprägt hat, strebt danach, sich zu verwirklichen.“
 
Dass wir jeder Krankheit unsere innere Überzeugung entgegensetzen können – diese Meinung vertritt auch Dr. Hans-Michael Mühlenfeld, Vorsitzender des Bremer Hausärzteverbandes und Vorsitzender des Institutes für Hausärztefortbildung: „Es geht um Bewältigungsstrategien und darum, seine Erwartungen an die Realität anzupassen. Es wäre hilfreich, die Erwartung ,Ich bin krank und morgen bin ich gesund‘ zu ersetzen durch die Einstellung ,Ich bin krank und akzeptiere die Symptome meines Körpers‘. Sogar wenn ich an einer chronischen Krankheit leide, geht es mir mit dieser anderen Einstellung auch körperlich besser.“
 

Gesunder Optimismus und hilfreiches Mantra

Inzwischen haben Wissenschaftler mit modernen Methoden nachgewiesen, dass Optimisten mehr Immunzellen bilden und schneller genesen. Untersuchungen an Marathonläufern zeigen, dass die beim Laufen freigesetzten Glückshormone, die sogenannten Endorphine, Schmerzen vergessen lassen und das Immunsystem stärken. Hamburger Forscher unter Prof. Christian Büchel vom Institut für systemische Neurowissenschaften der Universitätsklinik Eppendorf wiesen nach: Eine positive Einstellung zum Leben verringert nicht nur die subjektive Schmerzempfin- dung, sondern bewirkt auch messbare körperliche Effekte auf die schmerzrelevanten Nervenzell-Aktivitäten im Gehirn.
 
In diesem Sinne sei der Satz von Coué jedem ans Herz gelegt: „Es geht mir mit jedem Tag in jeder Hinsicht immer besser und besser.“ Täglich nach dem Aufwachen oder vor dem Schlafengehen halblaut 20-mal hintereinander wie ein Mantra aufgesagt, gelangt diese Weisheit über den Gehörsinn in das Unterbewusstsein. Für akute Beschwerden empfahl Coué, eine Hand auf die entsprechende Stelle zu legen und folgende Formel so lange zu wiederholen, bis sich erste Zeichen der Besserung zeigen: „Es geht vorbei, es geht vorbei, es geht vorbei.“ 
 
Wunder gibt es immer wieder – und jedes ist ein Fall für sich
 
Mehr als 1000 plötzliche Krebsheilungen, sogenannte Spontanremissionen, kennt die Fachliteratur: Entgegen jeglicher Prognose und Erwartung wurden Krebspatienten wieder gesund. In den meisten Fällen sogar ohne OP oder Chemotherapie. Forscher beobachten dieses Phänomen verstärkt bei Krebsarten wie Nierenzellkarzinomen, Melanomen (Hautkrebs) und Lymphomen (Tumoren des Lymphgewebes). Das Immunsystem steuert diese Krebsarten maßgeblich. Möglicherweise sind sie darum auch sehr anfällig für Aktionen des Immunsystems selbst, wie das Bekämpfen großer Tumormassen.
 
Weitere Erklärungsmodelle für solche „Wunder“ gehen davon aus, dass sich die undifferenzierten Krebszellen doch noch zu normalen Zellen entwickeln. Oder die Blutzufuhr durch die umliegenden Blutgefäße reicht bei einem Tumor ab einer gewissen Größe nicht mehr aus. Normalerweise produziert er dann eigene Blutgefäße. Manchmal jedoch schaffen Tumoren diese Anbindung nicht – sie sterben ab.
 

Nehmen Sie die Heilung in die Hand

Auch die Hormonproduktion spielt eine Rolle. So können sich hormonabhängige Tumoren bei Frauen in den Wechseljahren, also unter nachlassender Hormonproduktion, zurückbilden. Ob nach Spontanremissionen der Krebs dauerhaft fernbleibt? Das weiß niemand zu sagen. Menschen, die vom Krebs geheilt wurden, schildern jedenfalls oft sehr eindrucksvoll, wie sie sich unabhängig von den wissenschaftlichen Erklärungsmodellen selbst aktiv mit ihrer Krankheit und auch Heilung auseinandergesetzt haben.
 
Trotzdem lassen sich diese Erfahrungen nicht unbedingt von einem Patienten auf den anderen übertragen. Jeder Einzelne muss seinen individuellen Umgang mit der Krankheit finden. Das Deutsche Krebsforschungszentrum behandelt das Thema Spontanheilung erstaunlich offen, ermahnt jedoch ausdrücklich dazu, wertvolle Therapiezeit zu nutzen.
 

Autor: Dr. Suzann Kirchner-Brouns

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