Stadtleben Urban Life: Wohlfühlen im Sinne der Bürger

Welche Städte in Deutschland gelten als besonders lebenswert? Und wie sieht eigentlich die Zukunftsvision der Bevölkerung in Bezug auf die Großstadt als Lebens- und Arbeitsraum aus? Dieser Beitrag wirft einen Blick auf die aktuelle Lage heute und zeigt anhand von Studien, was sich die Menschen für die Smart City wirklich wünschen. 

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Vielfältige Herausforderungen an die Städte

Endzeit-Verfilmungen porträtieren die Großstadt der Zukunft gern als Horror-Szenario: Hochgradig überbevölkerte, von Kriminalität beherrschte, verdreckte, düstere Megacitys die im Verkehr ersticken. Glücklicherweise gibt es neben diesen Dystopien positive Entwürfe: 

  • Saubere Städte mit viel Grün, 
  • in denen Menschen gemeinschaftlich gärtnern, 
  • sich in Elektroautos durch vernetzte Megacitys bewegen, 
  • Verkehrsmittel wie Fahrräder, Elektro-Scooter und Elektro-Autos teilen
  • und in energieeffizienten Gebäuden mit bezahlbarer Miete leben.

Die umweltfreundliche, nachhaltige Smart City ist noch eine Utopie. Aber sie zeigt genau, was den Menschen heute fehlt. In der Vision der vernetzten Städte mit sauberer Luft und funktionierenden Verkehrskonzepten spiegeln sich Probleme der heutigen Zeit. 

Im Rahmen des Forschungsprojekts „Morgenstadt“ beschäftigen sich Experten der Fraunhofer-Gesellschaft mit Möglichkeiten, das Leben in Städten lebenswerter zu gestalten. Dabei setzen sie nicht nur auf Einfallsreichtum, sondern vor allem auf technische Neuerungen und Vorbilder. Was in skandinavischen Ländern und in den Niederlanden bereits recht gut funktioniert – der verstärkte Einsatz von Elektromobilität, Strom aus alternativen Energiequellen und das Fahrrad als Hauptfortbewegungsmittel in Innenstädten – steckt bei uns noch in den Kinderschuhen.

Deutschland hat rund 82 Millionen Einwohner. Jeder Dritte lebt in einer Großstadt mit mindestens 100.000 Einwohnern. 79 deutsche Städte haben diese Einwohnerzahl längst überschritten. Mit dem Wachstum der Bevölkerung wachsen auch die Probleme in den Ballungsgebieten: 

  • Das Verkehrsaufkommen und die Feinstaubbelastung sind immens. 
  • Immer mehr Grünflächen müssen Industriegebäuden und Parkplätzen weichen.
  • Wohnraum ist kaum noch bezahlbar.
  • In den Großstädten wächst die Armut.
  • Die Vermüllung des öffentlichen Raums nimmt zu.

Status Quo: Die Bedeutung von Städten in der Zukunft

Deutschland ist mit 230 Einwohnern pro Quadratkilometer ein relativ dicht besiedeltes Land. Die überwiegende Mehrheit der Menschen, 77 Prozent der Bevölkerung, lebt in Städten. Gerade einmal 15 Prozent ziehen das Leben in Dörfern mit unter 5.000 Personen vor. Die Grenzen zwischen Stadt und Land sind allerdings nicht immer trennscharf zu ziehen. 

Berufstätige, die ländlich wohnen, pendeln nicht selten aus Vororten oder Nachbardörfern zum Arbeiten in die nächstgelegene Kreisstadt oder Großstadt. Immerhin 44 Prozent der Menschen sehnen sich laut einer repräsentativen Umfrage für „Die große Deutschland-Studie“ des Fernsehsenders ZDF nach dem Leben auf dem Land. Allerdings zieht es gerade junge, gut ausgebildete Menschen in die Städte. Dort finden sie die begehrten Jobs und Karrieremöglichkeiten.

Wachsende Attraktivität der Städte

Besonders, aber nicht nur in den neuen Bundesländern leiden viele Regionen unter Landflucht. Wo berufliche Möglichkeiten fehlen, wandert die junge Bevölkerung in die Großstädte ab. 

Das Institut für Wirtschaftsforschung (IW) Köln hat sich mit der die Anzahl von Akademikern in Deutschlands Landkreisen beschäftigt. Das Ergebnis: Die akademische Intelligenz bevorzugt Metropolen. Wo sich studierte Menschen ansiedeln, ist die Kaufkraft hoch. In der Regel kommen sie bei interessanten, oft international tätigen Arbeitgebern unter. Außerdem ist der Altersdurchschnitt der Bevölkerung niedriger. 

Vor zwei Jahrzehnten war das noch anders: Da war die Stadtbevölkerung durchschnittlich sogar ein Jahr älter als die Landbevölkerung. Heutzutage überaltern die Menschen auf dem Land und die Dörfer bleiben in Bezug auf Einkaufsmöglichkeiten, Lebensqualität, kulturelle und soziale Angebote oft hoffnungslos abgehängt hinter den Städten zurück.

Wer ein Ost-West-Gefälle vermutet und davon ausgeht, dass Akademiker den Westen bevorzugen, wird überrascht sein: Die zehn Gebiete mit der niedrigsten Anzahl an Akademikern liegen in Westdeutschland. Die höchste Quote an studierten Menschen verzeichnet Jena mit knapp 40 Prozent. 

Überalterung der Dörfer

Verlassen junge Menschen ihre dörfliche Heimat, werden weniger Kinder geboren. Infolgedessen schließen Kindergärten und Schulen. Ohne Bildungs- und Einkaufsmöglichkeiten, Arztpraxen, Apotheken, eine lebendige Gastronomie und Tourismus sinkt die Lebensqualität für die übrig gebliebene Bevölkerung. Darunter leiden vor allem zwei Gruppen:

  1. ältere Menschen, die an ihrer Region festhalten.
  2. Kinder und Jugendliche, für die es keine sinnvollen Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem Land gibt.

Um sich im Alltag versorgen zu können, bleibt Senioren oft nichts Anderes übrig, als weitere Wege in Kauf zu nehmen. Doch was, wenn sie nicht mehr entsprechend mobil und in der Lage sind, öffentliche Verkehrsmittel oder ihr Auto zu benutzen? Abgesehen davon ist der öffentliche Nahverkehr auf dem Land oft unzureichend ausgebaut.

Sobald Jugendliche die Schule abgeschlossen haben und einen Ausbildungs- oder Studienplatz suchen, ziehen sie in der Regel weg. Die wenigsten lassen sich darauf ein, täglich zur nächsten Kreisstadt zu pendeln. 

Vororte als Anziehungpunkte

Es gibt allerdings gewaltige Unterschiede zwischen dorfähnlichen Vororten in Stadtnähe und Dörfern, die weit ab vom Schuss auf dem Land liegen. Im Umkreis von Großstädten florieren kleinere Orte. Sie wachsen und sind bei der arbeitenden Bevölkerung überaus beliebt. 

  • Das ist nicht verwunderlich. Zum Arbeiten geht es in die (Groß)Stadt. Dort wird das Geld verdient. Gewohnt wird beschaulich im Dorf. So verbinden Berufspendler das Beste aus zwei Welten: 
  • Sie profitieren werktags von der gut ausgebauten Infrastruktur der Großstadt. Es gibt lukrative Jobs, ein vielfältiges Bildungsangebot und kulturelle sowie sportliche Möglichkeiten. 

Der Vorort punktet mit weniger Verkehr, besserer Luft und weniger Lärmbelastung. Außerdem sind die Mieten in der Regel niedriger und der Wohnraum großzügiger. Dadurch bleibt von dem hart erarbeiteten Einkommen am Ende mehr übrig.
Gerade junge Akademiker und Berufseinsteiger zieht es zunächst in die Großstadt. Haben sie dort den Partner fürs Leben gefunden, gewinnt das Privatleben an Bedeutung. Eine gemeinsame Wohnung wird gebraucht. Vielleicht sind auf lange Sicht Kinder geplant. Das bedeutet, der Platzbedarf wächst. Angesichts der steigenden Immobilienpreise in den Großstädten, wird das Umland wieder attraktiver

Welche Städte sind besonders beliebt?

Besonderer Beliebtheit erfreut sich die bayerische Landeshauptstadt München. Das ist das Ergebnis von „Die große Deutschland Studie“, die im Auftrag des Fernsehsenders ZDF durchgeführt wurde. Es wird erwartet, dass die Anzahl der Bewohner in den nächsten drei Jahren von eineinhalb Millionen Menschen auf 1,7 Millionen Menschen anwachsen wird. Wohnraum in München ist kaum noch bezahlbar. Wer dort nicht nur mieten, sondern Eigentum erwerben möchte, kann sich auf einen Quadratmeterpreis von durchschnittlich 7.500 Euro einstellen. 

Was nicht vergessen werden darf: Nicht nur Deutsche, sondern auch Zuwanderer lassen sich bevorzugt in Städten nieder. Laut dem Wirtschaftsforschungsinstitut IW Köln sind 20 Prozent der Zuzügler in den Städten Asylsuchende. Ein Grund ist, dass sie dort eher Anschluss an andere Menschen aus ihrer Heimat finden als auf dem Land. 

Deutsche Großstädte genießen im Ausland einen guten Ruf. Im Ranking des britischen Magazins „Monocle“ landete München 2019 auf dem dritten Platz. Hamburg schaffte es auf den siebten, Berlin auf den neuten Rang. 

Mittelgroße Städte wachsen

Allerdings sind nicht nur Metropolen für junge Menschen attraktiv. Mittelgroße Städte sind genauso ein Magnet für neue Bewohner. Im Süden Deutschlands rangieren Fürth (124.171 Einwohner), Bamberg (75.734 Einwohner) und Passau (188.904 Einwohner) ganz oben auf der Liste. Im Osten ziehen Chemnitz (243.521 Einwohner), Magdeburg (235.723 Einwohner), Schwerin (95.668 Einwohner) und Erfurt (210.118 Einwohner) die meisten Menschen an. 

Was die mittelgroßen Städte attraktiv macht, sind gut ausgebaute Bildungseinrichtungen, interessante Jobangebote, umfangreiche kulturelle und sportliche Freizeitmöglichkeiten sowie der – im Vergleich zur Großstadt – erschwinglichere Wohnraum. 

Wünsche für ein lebenswertes Umfeld

Wie sieht sie aus, die liebens- und lebenswerte Stadt der Zukunft? Was stellt sich die Bevölkerung vor? Um das herauszufinden, befragte das in Berlin ansässige Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) 6.612 Menschen aus mehr als 1.000 Städten und Gemeinden zu ihrer Vision. 

Im Zentrum des „Wissenschaftsjahrs 2015“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) stand die „Stadt der Zukunft“. Die Umfrage fand im Rahmen einer Ausstellung auf dem Schiff MS Wissenschaft statt. Es durchquerte 41 Städte in Deutschland und Österreich und beschäftigte sich mit den Fragen:

  • Was zeichnet eine Stadt aus?
  • Wie funktioniert eine Stadt?
  • Wie werden unsere Städte zukunftsfähig?

Zwischen April und September 2015 hatten Ausstellungsbesucher und User der Website die Möglichkeit, sich zu ihrer Stadtvision zu äußern. Bei dieser nicht-repräsentativen Umfrage bestand das Ziel darin, ein Stimmungsbild einzufangen. In ihren Visionen lösen die Befragten automatisch die dringendsten Probleme, mit denen Städte aktuell zu kämpfen haben.

Lebenswerte Sozial- und Erholungsräume

Städte sind soziale Organismen. Wichtig ist, dass die Bevölkerung eine erschwingliche Infrastruktur vorfindet. Dazu gehören:

  • Arbeitsplätze
  • Bildungsangebote
  • Gesundheitliche Versorgung
  • ein funktionierendes Verkehrssystem 
  • bezahlbarer Wohnraum 
  • Erholungs- und Freizeitangebote

Grüne Oasen bedeuten Erholung. Natur steigert das Wohlbefinden und die Lebensqualität. Fast 85 Prozent der Befragten finden daher öffentliche Grünflächen und Parks in der Smart City der Zukunft wichtig. Dabei steht der Erholungs- und Freizeitcharakter im Vordergrund: „Es gibt viele Parks und Grünanlagen, in denen ich mich bewegen oder ausruhen kann“, lautet hierzu das meistgewählte Statement.

Über die Hälfte der Studienteilnehmer denkt bei Grünflächen an das Anlegen und Bewirtschaften von Gärten und Nutzgärten: „Es gibt viele Gärten, in denen Menschen gemeinsam Gemüse anbauen.“ Sie rechnen damit, dass mehr Nahrungsmittel auf diese Weise erzeugt werden. 

Hier spiegelt sich die Sehnsucht nach Gemeinschaft, aber auch der Wunsch nach biologisch erzeugten Lebensmitteln und Naturerfahrung. Das gemeinsame Gärtnern verbindet Menschen, die zusammen einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen. Gleichzeitig schafft die Beschäftigung mit Pflanzen einen Ausgleich zum hektischen Stadtalltag. In vielen Gemeinden gibt es bereits Projekte zu solchen Gemeinschaftsgärten.

„Urban Gardening“ nennt sich der Trend, der eigentlich im New York der 1970er Jahre entstand. Inzwischen gärtnern die Menschen auch in deutschen Großstädten in Innenhöfen, auf Hausdächern, Balkonen und Terrassen. Dahinter steht teilweise der Wunsch nach mehr Selbstversorgung. Auch der Wunsch nach einem Stück Grün im grauen Lebensraum und nach einer Verschönerung der Stadtumgebung spielen eine Rolle.

Dabei verschaffen die Menschen gleichzeitig Insekten und Vögeln einen neuen Lebensraum. Die Vielfalt der angebauten Pflanzen ist oft sogar größer als auf dem Land.

Das soziale Miteinander, weniger Anonymität und mehr Zusammenhalt in den Stadt-Vierteln finden die Teilnehmer der Umfrage angesichts der Digitalisierung wichtig. Dabei stehen Solidarität, Inklusion und Heterogenität im Mittelpunkt. 

Anforderungen an ein sicheres Umfeld

Damit Großstädte lebenswert bleiben und sowohl Einheimischen als auch Besuchern eine sichere Umgebung bieten können, sind smarte Lösungen gefragt. Mit dem Bevölkerungswachstum wachsen auch die Sicherheitsanforderungen. Die Menschen müssen vor Kriminalität, aber auch vor Naturkatastrophen durch extreme Wetterbedingungen und vor technischen Ausfällen der relevanten Infrastruktur geschützt werden. 

Schutz vor Verbrechen bietet etwa die Überwachung über Sicherheitskameras. Schon heute erkennen smarte Algorithmen, ob sich eine Gefahr anbahnt. Sie kommen an typischen Brennpunkten wie Bahnhöfen und Flughäfen zum Einsatz. Fallen Menschen auf, die sich verdächtig benehmen, oder stehen verlassene Gepäckstücke an zentralen Orten unbeaufsichtigt herum, meldet die Kamera ihre Beobachtung an den Sicherheitsdienst. 

Videokameras registrieren darüber hinaus, wenn Menschen an öffentlichen Orten zusammenbrechen und ärztliche Versorgung brauchen. Sie alarmieren selbstständig den Rettungsdienst. Auch Gefahrenzonen auf der Straße können auf diese Weise identifiziert werden. Dazu untersucht das System Unfälle in einem bestimmten Bereich passieren. Auf Basis dieser Daten lässt sich der Verkehr in dem entsprechenden Streckenabschnitt sinvoller regeln.

Sicherheit heißt in der Stadt der Zukunft auch, dass sich die Bewohner auf eine reibungslose Energieversorgung verlassen können. Auch Krankenhäuser und Telekommunikationskonzerne sollten ausfallsfrei arbeiten.

In Zukunft werden die Anforderungen aller Wahrscheinlichkeit nach anspruchsvoller werden. Experten vermuten, dass der Anteil der Stadtbevölkerung bis 2050 um ungefähr zehn Prozent steigen wird. 

Anforderungen an ein sauberes Umfeld

Die Vermüllung des öffentlichen Raums wird als „Littering“ bezeichnet. Nach Stadtfesten, Festivals und Demonstrationen bleiben in der Regel zugemüllte Städte und öffentliche Plätze zurück. Getränkedosen und -flasche, leere Snack-Verpackungen, Plastik, Zigarettenstummel – alles wird rücksichtlos an Ort und Stelle fallengelassen.

Als „Stadt der Zukunft“ dürfte wohl kaum jemand ein vermülltes Umfeld vorstellen. Hier helfen positive, motivierende Botschaften auf Abfallbehältern mehr als der erhobene Zeigefinger. An der Einführung eines sinnvollen Abfallentsorgung- und Recyclingsystems kommt die Smart City nicht vorbei.

Funktionierende Verkehrsinfrastruktur

In europäischen Städten nehmen Straßen, Parkplätze und der Verkehr teilweise die Hälfte der Stadtfläche ein. Trotzdem kann von einer funktionierenden Verkehrsinfrastruktur oft keine Rede sein: 

  • Zu Stoßzeiten steckt die mit dem Pkw pendelnde Bevölkerung im Stau fest. 
  • Straßenbahnen sind hoffnungslos überfüllt.
  • Der Zugverkehr ist teuer und unzuverlässig.
  • Es gibt nicht genug Parkmöglichkeiten. 

Verschiedene Umweltverbände beklagen, dass Deutschland in Bezug auf den Verkehr sämtliche Umweltziele verfehle. Der Straßenbau trage nicht zu einer Senkung der Schadstoff- und Feinstaubbelastung oder zu einer Reduktion des Lärms bei. Dazu komme, dass der Straßenbau das Verkehrsaufkommen, aber nicht die Mobilität erhöht.

Eine Lösung des Verkehrsproblems könnten autonom fahrende Fahrzeuge, aber auch mehr Elektromobilität bieten. Die überwiegende Mehrheit, 79 Prozent der Difu-Studienteilnehmer, möchte in der Innenstadt der Zukunft am liebsten zu Fuß, mit dem Rad, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder durch Carsharing unterwegs sein. Die Wahl der Fortbewegungsmittel spiegelt das gewachsene Umweltbewusstsein der Menschen:

  • Fahrrad/Elektro-Fahrrad: 47 Prozent
  • Öffentliche Verkehrsmittel (Bus und Bahn): 22 Prozent 
  • Eigener Pkw: 21 Prozent 

Funktionierende Versorgungsstrukturen

Während der Online-Handel boomt wie nie zuvor, ist der stationäre Handel zumindest in Dörfern und kleinen Städten akut vom Aussterben bedroht. Überraschenderweise zeigen Umfragen die Sehnsucht nach Einkaufsmöglichkeiten vor Ort:

Nach wie vor möchten viele am liebsten in kleinen Läden in der unmittelbaren Nachbarschaft einkaufen. Kinder und Jugendliche rüsten ihre Zukunftsstadt überwiegend mit Einkaufszentren und Geschäften in der Innenstadt aus, um dort ihre Konsumwünsche erfüllen zu können.

Wie die Menschen in ihrer Zukunftsstadt einkaufen möchten:

  • in großen Einkaufszentren: 19 %
  • in den Geschäften in der Innenstadt: 26 %
  • in kleinen Läden in der Nachbarschaft: 40 %
  • im Internet 15 % 

Funktionierende Digitalstrukturen

Die Stadt der Zukunft soll smarter und digitaler werden. Schnelles Internet ist beispielsweise für das Internet-of-Things ein Muss. Die Digitalisierung erlaubt eine Vernetzung aller wesentlichen Lebensbereiche. Dazu zählen etwa eine bedarfsgerechte Energieversorgung, eine sinnvolle Müllbeseitigung und flexible, individuelle Mobilitätslösungen.

Ein erster Vorstoß zur Verwirklichung dieser noch wie eine Utopie anmutende Idee einer komplett vernetzten Stadt ist Masdar City. Das Modellprojekt entsteht mitten in der Wüste in den Vereinigten Arabischen Emirate. Das Bauvorhaben soll im Jahr 2030 abgeschlossen sein. Die Öko-Stadt setzt auf Energieautonomie, Elektromobilität und eine schattenspendende Architektur. 

Anforderungen an eine ökologische Stadt

Seit dem Jahr 2000 finden flächendeckende Messungen von Feinstaub in der Partikelgröße PM10 statt. Dabei handelt es sich um Kleinstteile, die einen aerodynamischen Durchmesser von 10 Mikrometer oder weniger besitzen. Seit 2008 werden zusätzlich Partikel der Größe PM2,5 gemessen. Besonders in Ballungsgebieten ist die Feinstaubkonzentration hoch. Verursacher von Feinstaub sind:

  • Hausfeuerungsanlagen 
  • Gewerbebetriebe 
  • industrielle Anlagen 
  • Straßenverkehr (daran haben (Diesel-)Ruß, aber auch der Reifenabrieb auf dem Asphalt einen hohen Anteil)

Anfang der 1990er Jahre war die Belastung höher als heute. Im Jahresmittel lagen die Werte bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³). Heutzutage bewegen sich die PM10-Jahresmittelwerte zwischen 15 und 20 µg/m³. Je kleiner die Feinstaub-Partikel sind, desto tiefer dringen sie in den menschlichen Körper ein:

  • Partikel der Größe PM10 gelangen durch die Nase bis in die Bronchien.
  • Partikel der Größe PM2,5 erreichen die Bronchiolen und Lungenbläschen.
  • Partikel der Größe von 0,1 µm finden ihren Weg ins Lungengewebe und den Blutkreislauf. 

Gesundheitlich bleibt das nicht ohne Folgen. Möglich sind neben Schleimhautreizungen lokale Entzündungen im Rachenbereich, in der Luftröhre sowie in den Bronchien. Auch eine verstärkte Plaquebildung in den Blutgefäßen kommt vor. Das führt zu einer verstärkten Thromboseneigung. Auswirkungen auf das vegetative Nervensystem sind ebenfalls ein Risiko.

Eine Stadt der Zukunft sollte eine grüne Stadt mit sauberer Luft sein. Durch die Umstellung des Straßenverkehrs auf autonom fahrende und / oder elektrische Fahrzeuge ist bereits ein Teil der Verursacher ausgeschaltet. Bei der Planung und Verwirklichung einer Smart City ist eine gesamtheitliche Herangehensweise entscheidend. Der Mensch steht im Mittelpunkt. Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit und saubere Luft sorgen für ein angenehmes Wohnklima in der Stadt.

Verhältnis von Nutzflächen und Stadtgrün

Aus dem Weltall lässt sich feststellen, wie „grün“ unsere 79 Großstädte heutzutage sind. Zu diesem Zweck hat die Berliner Morgenpost 185 Satellitenbilder analysiert: Gewinner ist die Stadt Siegen. Dort sind 86 Prozent der Flächen bepflanzt. Dazu gehören neben öffentlichen Grünflächen, Feldern und Wäldern auch die Bepflanzungen auf Privatgrundstücken. Es spielt keine Rolle, ob die Grünflächen sich auf der Erde oder auf dem Dach befinden. Nach Siegen folgen die Städte Göttingen und Bergisch Gladbach.

Ein Blick auf die Millionenstädte zeigt, dass Hamburg von den Metropolen besonders grün ist. Hannover belegt Platz sieben, Berlin Platz acht. 

Um in der Zukunft Grünflächen in den Städten zu realisieren, wird Platz gebraucht. Allerdings braucht die wachsende Bevölkerung Raum. Vermutlich werden die Städte sich also zum einen ausdehnen, möglicherweise bis in die Vororte. Zum anderen ist anzunehmen, dass die Bebauung dichter wird.

Ein möglicher Ansatz ist, hohe Gebäude zukünftig mit Zwischengeschossen auszustatten, die Grün- und Freiflächen besitzen. Auch eine energieeffiziente Gebäudenutzung zeichnet Smart Citys aus. Im Idealfall greift alles ineinander.

Datum: 22.11.2019

Autor: Karin Dunkel