Tiere Tiere tun uns gut

Besitzen Affen eine Persönlichkeit? Oder Hunde? Fische etwa? Lange sagten Forscher, das sei reines Wunschdenken der Besitzer oder Zoobesucher. Irrtum. Tiere entwickeln Charakterzüge wie wir – und genau deswegen tun sie uns so gut.

Schwarzer Hund

Jetzt erforscht: mutige Kojoten und schüchterne Grillen

Aber nicht nur bei Primaten stießen Tierforscher in jüngster Zeit auf vermeintlich typisch menschliche Eigenschaen: So beobachtete der Biologe Stanley Gehrt von der Ohio State University über 13 Jahre lang Kojoten. Er entdeckte unter ihnen extrem mutige Artgenossen, die eine viel befahrene Straße überquerten, um an Fuer zu kommen – und vorsichtige Charaktere, die das niemals wagten. Bei seinen Verhaltensstudien stieß Gehrt auf „enorme Unterschiede im Verhalten, die man nur mit einer unterschiedlichen Persönlichkeit erklären kann“. Genauso gibt es verträgliche schoische Wildkatzen und übellaunige, aggressive. Oktopusse lassen sich in die drei Charaktertypen „schüchtern“, „passiv“ und „aggressiv“ einteilen. Sogar bei Insekten stellten Forscher solche Unterschiede fest: Einige Fruchtfliegen sind wahre Entdecker und fliegen weit, um ein neues Zuhause zu finden, andere bleiben in der Nähe des Ortes, an dem sie aus dem Ei schlüpen. Oder Grillen: Selbstbewusste Exemplare rufen laut und oft nach Weibchen; die Schüchternen dagegen singen leise und nur dann und wann. Das kommt Ihnen bekannt vor, oder? „Jedes Tier verfügt genau wie wir Menschen über gleichbleibende Macken, Ticks, Vorlieben und Abneigungen, die es von anderen Vertretern seiner Spezies deutlich unterscheiden“, sagt der Verhaltensforscher Andrew Sih von der University of California. „Mit dem Unterschied, dass ein Tier dem strengen Diktat seiner charakterlichen Merkmale stärker ausgesetzt und es daher weniger flexibel ist.“
 

Besondere Tiere geben uns eine besondere Kraft

Seit Jahrtausenden halten wir Tiere als Begleiter und Helfer. Kein Wunder, dass sie unsere Sprache prägen: Manchmal fühlen wir uns hundemüde, laufen hektisch herum wie ein aufgescheuchtes Huhn, verhalten uns katzenhaft launisch oder bleiben stumm wie ein Fisch. Im Laufe der Zeit fanden die Tiere in unserer Nähe Eingang in unzählige Geschichten oder wurden zu Gottheiten erhoben. „Tiererfahrungen haben sich uns eingeprägt und sind als ein kollektives Menschheitsgedächtnis in jedem Einzelnen aufgehoben“, sagt die Psychologin Helen I. Bachmann.
 
Tiere tauchen auch in unseren Träumen auf, als Vermittler zwischen Unbewusstem und Bewusstem, Unfassbarem und Fassbarem. Ein solches Tierbild können wir „betrachten und in Beziehung zu ihm treten, es befragen und seinen Sinn abwägen“, so die Psychologin. „Es kann dazu beitragen, ein Problem besser zu verstehen oder eine individuelle Lebenssituation zu klären.“ Im Schamanismus kommt den Kratieren eine besondere Bedeutung zu: das Tier als Energiequelle und schützender Begleiter. Eine aktuelle Studie der British Psychological Society ergab zudem, dass Kinder und Jugendliche, die mit Tieren aufwachsen, stabilere Beziehungen zu anderen entwickeln, später sozial engagierter und selbstbewusster handeln. Tiere fördern Bindung und machen stark – und sind uns so viel näher und ähnlicher als gedacht. Deshalb tun sie uns so gut. Blicken wir in die Augen eines Tieres, schauen wir auch immer in einen Spiegel ...
 

 

Autor: Stephan Hillig

Schlagworte: