Neue Verfahren im Überblick Ultraschall als Therapie

Röntgenbilder in Schwarz-Weiß? Schnee von gestern. Strahlenmediziner können den Körper heute in Echtzeit bis ins kleinste Blutgefäß beobachten. Gestochen scharf. Und so gleichzeitig Krankheiten früher entdecken und behandeln.

Strahlentherapie

Die zweite gute Nachricht: Auch Verfahren, die ohne Strahlung auskommen, werden immer mehr verfeinert. Bei der Magnetresonanztomographie, kurz MRT, regen Magnetfelder das Gewebe an, das je nach Körperregion unterschiedlich antwortet. Zarteste Strukturen werden sichtbar. „Ein Traum wäre es, mit der unschädlichen Magnetresonanz Herzkranzgefäße zu untersuchen“, sagt Professor Olaf Dössel vom Karlsruher Institut für Technologie. „Dann könnte jeder über 60-Jährige regelmäßig nachsehen lassen.“ So weit ist es noch nicht. Doch bei der Brustkrebsfrüherkennung hat die MRT schon in mehreren Studien bewiesen, dass sie der üblichen Mammographie überlegen ist.

Vielleicht macht auch eine Technik das Rennen, von der bislang erst ein einziger Prototyp existiert: „Magnetic Particle Imaging“, kurz MPI. Mikro-Magnete, 1000-mal kleiner als rote Blutkörperchen, werden in den Blutkreislauf gespritzt und mithilfe von Magnetfeldern verfolgt. Das neue Verfahren liefert 46 hochauflösende Bilder – pro Sekunde! Ärzte können live, in Echtzeit, den Blutfluss oder die Pumpbewegung des Herzens verfolgen und wenige Millimeter kleine Gefäßablagerungen erkennen, bevor sie sich lösen und einen Herzinfarkt oder Schlaganfall verursachen. „Wegen des hohen Tempos könnte MPI auch während einer OP Echtzeitbilder für den Chirurgen liefern“, so Professor Jörg Barkhausen von der Universitätsklinik Lübeck. Diagnostik und Therapie werden eins.

Die Therapie: Per Ultraschall wirken Medikamente nur noch dort, wo sie sollen

3-D-Bilder vom Baby im Mutterleib, Schilddrüsen-Check, Blick ins Herz – der Ultraschall (Sonographie) gehört längst zu den wichtigsten Diagnoseverfahren. Jetzt entwickelt er sich zur Therapie. Ärzte verpacken Medikamente oder Erbmaterial für die Gentherapie in winzigen Gasbläschen („Microbubbles“), die man dem Patienten in eine Vene spritzt. Die Bläschen verteilen sich im Körper – und werden per Ultraschall genau dort gesprengt, wo ihr Inhaltsstoff gebraucht wird.

Der Clou:
Gleichzeitig dienen die Microbubbles, die als Lichtpunkte auf dem Ultraschallbild auftauchen, als Kontrastmittel. „Damit sind wir zum ersten Mal in der Lage, gezielt krankhaftes Gewebe darzustellen und in der gleichen Sitzung ohne Strahlung zu therapieren“, so Professor Klaus Tiemann von der Universität Münster.