Fitness Interview mit Dr. Jeannine Ohlert

Mit dem Partner oder der besten Freundin bringt es definitiv mehr Spaß, sich zu bewegen. Und das Tolle ist: Beim Sport im Doppelpack stärkt ihr nicht nur eure Kraft und Kondition, sondern auch das Miteinander. Lest hier, bei welchen Sportarten ihr was gewinnt.

Paar, Tennisschläger

Sport bringt uns einander näher

Sportpsychologin Dr. Jeannine Ohlert von der Deutschen Sporthochschule Köln forscht über Gruppen im Sport und verrät, worauf es beim gemeinsamen Training ankommt.

VITAL: Was bringt es, zusammen Sport zu treiben?
Dr. Jeannine Ohlert: Es motiviert unheimlich, wenn die Freundin aufs Training wartet – die lassen wir nicht gern hängen. Gerade wenn wir erst mit dem Sport anfangen oder im Winter fällt es viel schwerer, sich allein aufzuraffen. Sport verbindet und liefert Gesprächsstoff.

Beim Training kommt es auch leicht zum Streit.
Ja, wenn man unterschiedliche Ziele verfolgt und nicht darüber spricht. Dann rennt die eine mit der Stoppuhr los und will sich auspowern, während die andere entspannt traben möchte. Manche wollen beim Training quatschen, andere nicht. Und unter Belastung kochen Emotionen schneller hoch.

Also vorher miteinander reden?
Ja, um die Erwartungen abzugleichen und Kompromisse zu finden. Dann kann man sich mal zusammen auspowern und mal eine Bummeleinheit einlegen. Oder nur die halbe Trainingsstrecke gemeinsam laufen, die zweite Hälfte rennt der eine dann vor.

Falls das nicht klappt: Lassen sich Konflikte beim Training lösen?
Ich kenne ein Paar, das beim Laufen super streiten kann. Viele sehen den gemeinsamen Sport aber eher als Cut, um Abstand zur Streitsituation zu bekommen und hinterher respektvoller miteinander umgehen zu können.

Stärkt ein gemeinsames sportliches Ziel eine Beziehung?
Es ist toll, zusammen ein Ziel anzupeilen. Keiner muss erklären, warum er schon wieder zwei Stunden trainieren möchte. Das Wichtigste: Beide sollten Spaß haben und nicht dem Partner zuliebe mitmachen. Ansonsten rate ich, dass sich beide eine neue Sportart suchen.

Tipps fürs Training zu zweit
Es liegt nicht nur am unterschiedlichen Fitness-Level: Zwischen Paaren knirscht es beim Sport oft, weil Frauen eher den Stress hinter sich lassen wollen, ihre Figur formen oder etwas für ihre Gesundheit tun. Männer dagegen toppen gern ihre Bestleistung (oder die vom Kollegen) und gehen an ihre Grenzen.

Mit unseren fünf Tipps klappt’s trotzdem: Wettkampf-Tabu: Wenn er rennen und sie traben will, kann das zu einem stressigen Wettkampf ausarten. Besser: Plant eure gemeinsamen Sessions als Grundlagentraining. Das bedeutet: moderates Tempo, dafür lieber ein paar Kilometer mehr laufen. Richtig auspowern kann er sich, wenn er allein trainiert.

Abkürzung nehmen:
Um unterschiedliche Tempi auszugleichen, hilft auch das Stadionrund – der Langsamere läuft auf der Innenbahn, der Schnellere ein paar Bahnen weiter außen. In den Kurven nivelliert sich der Leistungsunterschied, weil man auf den Außenbahnen einige Meter mehr laufen muss.

Kompromisse finden:
Er will golfen, sie laufen? Dann treffen Sie sich in der Mitte – beim Speedgolf. Dabei geht es nicht nur darum, eine Golfrunde mit wenigen Schlägen zu absolvieren, sondern auch möglichst schnell und sogar im Laufen. Alternative: Mal ist sein Lieblingstraining dran, dann wieder ihres.

Spielend Paroli bieten:
Ist Kraft gefragt, sind Männer mit ihrer testosteronbedingt größeren Muskelmasse oft deutlich überlegen. Bei Spielsportarten ohne Gegnerkontakt wie z. B. Volleyball können Frauen ihnen Paroli bieten – eine gute Wahl fürs Partner-Workout (geht auch zu zweit über die Wäscheleine!).

Trainiert vs. untrainiert: Einen besonderen Reiz hat es, wenn Anfänger und Profi in einer Sportart aufeinandertreffen. Dann übernimmt einer die Rolle des Personal Trainers, der andere bekommt eine kostenlose Privat-Trainerstunde geschenkt. Und am nächsten Trainingstag werden Sportart und Rolle getauscht.

Autor: Michaela Rose