Schicksalsschläge bewältigen Seelische Widerstandskräfte stecken in den Genen

Psychologen haben jetzt das Geheimnis der „Stehauf-Menschen“ entschlüsselt: entscheidend ist das Wechselspiel von Genen, Persönlichkeit und Umwelt

Gelassenheit

Emmy Werner sah, dass resiliente Insulaner bereits als Kinder genetisch gesteuerte Voraussetzungen mitbrachten: Sie waren intelligent und hatten ein ruhiges Temperament, das sich positiv auf die Eltern auswirkte. Werner wies einen Zusammenhang zwischen einem pflegeleichten Säugling und der Menge an emotionaler Fürsorge nach: Kinder ohne nerviges Essverhalten oder belastende Schlaf gewohnheiten zogen mehr Zu wendung ihrer Mütter auf sich als schwierige Babys. Nach umfangreichen Untersuchungen schlussfolgerte Emmy Werner: Ein Großteil unserer seelischen Widerstandskraft steckt in den Genen, seelische Widerstandskräfte können sich sogar unter ungünstigen Lebensbedingungen entwickeln.

Nicht nur Psychologen, auch Hirnforscher interessieren sich mittlerweile für die Ursachen seelischer Stabilität: Aufmerksamkeit erregte der britische Molekulargenetiker Avshalom Caspi, als er herausfand, dass ein sogenanntes Glücksgen die psychische Stabilität steuert: Er hatte 1000 Neuseeländer zu ihrer Lebenszufriedenheit befragt und dabei festgestellt, dass die Frohnaturen unter ihnen mit einer besonders robusten Variante des Glücksgens ausgestattet waren – sie blieben trotz Stress ausgeglichen. Bei denjenigen, die oft bekümmert oder depressiv waren, war der ent sprechende Chromosomenstrang dagegen weniger komplex ausgebildet.

Unsere individuelle Erbanlage gibt also eine gewisse Grundkonstitution vor. Sie stellt entscheidende Weichen für unser Temperament, aber, so das Fazit der Wissen schaftler, letztendlich doch nicht alle. Erst im Zusammenspiel mit den entsprechenden sozialen Einflüssen entscheidet sich, wie resilient wir tatsächlich werden. Denn auch das konnte Avshalom Caspi feststellen: Sogar Menschen mit einem „kleineren“ Glücksgen blieben psychisch stabil, wenn Familie oder Freunde sie in Krisenzeiten unterstützten und ihnen das Gefühl von Zugehörigkeit vermitteln konnten.

Autor: Birgit Weidt

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