Ehrlichkeit Lügen für den Partner

Ganz ehrlich: Wir alle lügen. Und zwar oft. Das macht es uns so schwer, damit auf zu hören. Doch wer die Gründe versteht, kann es schaffen – raus aus der Lügen-Falle.

Mut zur Wahrheit

So entsteht die Lüge

Der Arzt runzelt die Stirn und sagt: „Das sieht nicht gut aus.“ Monika erfährt, dass sie verdächtige Kalkablagerungen in der Brust hat. Als sie abends mit ihrem Mann darüber reden will, kommt er ihr zuvor: Resigniert erzählt er, dass in seiner Firma die nächste Kündigungswelle ansteht – für Monikas Diagnose bleibt kein Platz. Erst am nächsten Morgen ist ihr Arztbesuch Thema. „Alles gut“, lügt Monika.

Sinn der Lüge

Henrietta Schermall: „Zunächst sieht es so aus, als wolle sie ihren Mann schonen. Doch auf den zweiten Blick ist zu erkennen, dass die Lüge auch für Monika einen Nutzen hat. Sie will verhindern, dass ihr Mann sich zu viele Sorgen macht, dadurch die angespannte Lage am Arbeitsplatz nicht mehr aushält und rausfliegt. Das ist nachvollziehbar. Das Paar braucht sein Gehalt.“ Das Risiko: „Je länger Monika ihre Diagnose für sich behält, umso stärker entsteht später bei ihrem Mann das Gefühl, dass sie seine Fürsorge und Liebe nicht (mehr) ernst nimmt.“

Raus aus der Lüge

Schermall: „Monika sollte überlegen, ob ihr Partner wirklich so labil ist. Wenn ja, weiht sie statt seiner vielleicht ihre beste Freundin ein. Wenn nicht, sucht sie in einer ruhigen Minute das Gespräch. Er erkennt sicher, wie viel Liebe in der Lüge steckte. Möglich, dass eine kranke Ehefrau ihn vor der Kündigung schützt.“

So entsteht die Lüge

Seit Wochen treffen sich Carola und ihr zehn Jahre jüngerer Kollege Jan einmal die Woche nach Feierabend in einem Hotel. Zu Hause nennt sie es „Yoga-Kurs“ – und schwebt im siebten Himmel. Carolas Mann ahnt nichts von der Affäre und glaubt an ihre Treue.

Sinn der Lüge

Schermall: „Carola liebt ihren Mann, fühlt sich bei ihm geborgen. Trotzdem quält sie vielleicht der Gedanke: ,Das kann noch nicht alles gewesen sein.‘ Sie hat das Gefühl, dass ihre sexuelle Attraktivität nachlässt, und stürzt sich in ein Abenteuer. Ihr geht es nicht um Liebe, sondern um das prickelnde Gefühl, das Jan ihr vermittelt.“ Das Risiko: „Begehrt zu werden ist reizvoll. Aber Carola läuft natürlich Gefahr, ihren Ehemann für immer zu verlieren.“

Raus aus der Lüge

Schermall: „Eine Affäre hat immer eine Vorgeschichte. Wenn Carola ihre Ehe retten will, muss sie ihrem Mann offen sagen, dass sie sich mehr Spannung im Leben wünscht, häufiger ausgehen will und sich nach wie vor über Komplimente freut und sich begehrt fühlen möchte. Sie sollte die Beziehung zu Jan beenden und ihrem Mann auch davon erzählen.
Er muss sich dann fragen, ob er ihr wirklich verzeihen kann. Vielleicht hatte er ja auch schon eine Affäre, zumindest in Gedanken? Wenn beide zusammenbleiben wollen, ist für Carola und ihren Partner sicher eine Paartherapie empfehlenswert, bei der sie wieder zueinanderfinden können. So würde Carolas Lüge am Ende sogar zu einer Chance für die Ehe werden.“

 

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