Persönlichkeit Einzigartige Jugend

Keine Lebensphase prägt uns so stark wie die Jugend. Der „International Youth Day“ am 12. August, von der UNO initiiert, erinnert uns daran. Doch es lohnt sich, ruhig öfter per Fotoalbum auf Zeitreise zu gehen. VITAL-Autorin Ute Oda Frantzen tat es - und stieß auf eine echte Kraftquelle.

Frau,, dunkle Haare

Wieso stöckeln jetzt wieder so viele Mädchen freiwillig in die Weibchen-Falle, aus der sich erst die Frauengenerationen vor ihnen Schritt für Schritt befreit haben, überlege ich und merke schnell, dass die Frage zu kurz greift. Jeder von uns ist auch ein Kind seiner Zeit. Jede Jugend ist immer so rebellisch wie die gesellschaftliche Enge – Elternhaus, Geburtsort, Heimatland –, in der sie aufwächst.
Gegenwärtig scheint sie nicht allzu arg zu sein. 84 Prozent der 12- bis 25-Jährigen sehen, laut aktueller Shell Jugendstudie, die Globalisierung als Freiheit, weltweit reisen, arbeiten und studieren zu können. Und ihre Eltern sind diejenigen, die vor 30, 40, 50 Jahren für solche Freiheiten gekämpft haben. Da verwundert es nicht, dass 90 Prozent der Jugendlichen ein gutes Verhältnis zu Mama und Papa haben. Deren Erziehungsstil wollen 73 Prozent übernehmen. Auflehnung sieht anders aus.

Die Autoren der Studie beschreiben eine „pragmatische Generation“, für die einerseits wichtig ist, fleißig und ehrgeizig zu sein (60 Prozent) und die andererseits das Leben genauso intensiv genießen will (57 Prozent). Politik spielt da eine Nebenrolle. Nur 37 von 100 Jugendlichen sind daran überhaupt interessiert.
Knapp ein Drittel glaubt, gegen „die Mächtigen“ gar nichts ausrichten zu können. Aber mal ehrlich: Geht es uns Rebellen der 60er-, 70er- und 80er-Jahre angesichts der heutigen Eurokrise und des Klimawandels nicht genauso? Unsere Gegner damals waren sehr viel (an-)greifbarer.

Die Regeln meiner Kindheit

In meiner Kindheit war es noch völlig undenkbar, sich scheiden zu lassen. Das Ende einer Ehe bedeutete meist auch das gesellschaftliche Aus. Eine Frau mit einem Ex- Ehemann wurde nicht mehr eingeladen. Doch die Emanzipation ließ sich nicht stoppen: 1974 wurde der Paragraf 218 reformiert.
Seit 1976 sind Mann und Frau in einer Ehe finanziell gleichgestellt. 1977 erschien die erste Ausgabe der „Emma“. Ich spürte ziemlich früh, dass ich nicht in einer männerdominierten, verklemmten Welt leben wollte – und verliebte mich in einen Jungen aus konservativem Haus. Seine Eltern lehnten mich ab. Dass ich sie auch nicht mochte, ließ ich mir nicht anmerken. Dafür reizte ich sie, etwa mit einem schwarzen Korsagenkleid, das ich zu ihrer Silberhochzeit trug.