Psychologie Neid zeigt uns unsere Wünsche

Von wegen grün vor Neid: Emotionsforscher unterscheiden heute zwischen schwarzem und weißem Neid. Beide tun zwar weh, aber nur einer bringt uns unseren Wünschen näher.

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Psychologieprofessor Rolf Haubl fand darüber hinaus noch einen weiteren Typ neidbereiter Menschen: „Wer in Kindheit und Jugend vor allem für Leistung und perfektes Funktionieren belohnt wurde, ist stark gefährdet.“ Wenn Frauen also auch als Erwachsene noch die Leistungsansprüche von Eltern und anderen Autoritätspersonen bedienen, wächst mit der Zeit ihr Neid auf Menschen, die ihre Träume verwirklichen und sich ein Leben aufbauen, das zu ihnen passt.
Diese starken Neidattacken sind eine Warnung, ein Ausdruck des Mangels an Selbstbestimmtheit. Dann heißt es: den Neid als Wegweiser für die eigenen Wünsche begreifen. Das fällt nicht unbedingt leicht, denn meist wissen Frauen, die sich lange nach den Vorstellungen anderer gerichtet haben, gar nicht genau, was sie wollen. Es hilft, genau zu gucken, worauf wir wirklich neidisch sind. Wer die Freundin beneidet, die sich im Job eine Auszeit nimmt, um in Indien einen Yoga-Lehrer-Kurs zu belegen, will nicht selbst Yoga unterrichten, sollte sich aber ebenfalls mehr Zeit für sich selbst gönnen. Ob es dann auch eine Fernreise sein muss – fraglich. Es kann schon reichen, sich einen Abend in der Woche familienfrei zu nehmen. Oder häufiger Dinge zu tun, die Spaß bringen.

Der Mensch ist nun mal eine Vergleichsmaschine
Andererseits: Rüberschielen zu anderen gehört zum Leben. „Der Mensch ist eine Vergleichsmaschine“, sagt der Kölner Kognitionspsychologe Thomas Mussweiler. Der Psychologieprofessor fand heraus, dass wir uns quasi ständig mit anderen messen. Vor allem, weil wir wissen wollen, wo wir im Leben stehen. Denn erst der Vergleich bringt Klarheit und Information. Wer beispielsweise in einem Intelligenztest einen Wert von 130 erreicht, zuckt bei der Ergebnisverkündung vielleicht nur die Schultern. Erfährt er dann aber, dass nur zwei Prozent der Menschen genauso schlau sind, wird er vor Stolz fast platzen. Es ist also sehr menschlich, andere einzuordnen und zu scannen. Wenn wir den Vergleich gewinnen, sind wir stolz. Verlieren wir, sind wir neidisch.

Das macht’s im Alltag kompliziert:
Besonders empfindlich treffen uns Vergleiche mit Menschen, die uns nahestehen. Das Glück von Catherine Mountbatten-Windsor ficht uns nicht an, sie darf blendend aussehen und mit ihrem Prinz William glücklich sein. Wenn aber unsere beste Freundin eine kleine Führungsposition ergattert, sind wir erst mal sauer oder frustriert. Denn bei Menschen, die uns nahestehen oder ähneln, denken wir automatisch, dass uns auch zusteht, was sie haben. Sei es ein liebevoller Mann, ein Penthouse mit Dachterrasse oder eine Top-Figur. Doch sobald wir das Muster durchschaut haben, dass unsere Allerliebsten uns oft kurzschlussartig heftig neidisch machen, können wir die galligen Gefühle schnell wieder vergessen.


Sie schaffen das nicht? Dann bringt Sie möglicherweise der Zeitgeist auf dumme Gedanken: Durch die immer größere Zahl an Wahlmöglichkeiten in unserem Leben scheint es mittlerweile so, als könnten wir jedes Ziel erreichen, immer einen noch tolleren Partner, einen noch besseren Job finden. Das baut Druck auf. Wer dem nicht standhält, fühlt sich als Versager. Die Wahrheit, dass wir nie in allen Bereichen ein makellos perfektes Leben führen werden und auch mal verzichten müssen, wirkt da schon beinahe wie eine Beleidigung. Ja, es stimmt, wir können nicht alles haben. Aber vieles.
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