Beziehungen Das Liebesleben auffrischen

Fast jede Beziehung steckt mal fest. Wenn wir gemeinsam kindliche Verhaltensmuster entlarven, können wir sie ändern und die Beziehungkriese bewältigen. Wir haben Tipps für Sie, wie Sie die Liebe wieder auffrischen können.

Die Liebe auffrischen

Passen wir noch zusammen? Lieben wir uns noch? Wohin führt mein Weg?

Am Ende eines Jahres ziehen wir Bilanz und stellen oft unser Leben kritisch infrage – und damit auch den Partner und unsere Beziehung. Immerhin ein Drittel aller Trennungen in Deutschland passiert Umfragen zufolge unmittelbar nach den Feiertagen im Dezember. Das „Fest der Liebe“, die Besinnlichkeit, so erklären Psychologen dieses Phänomen, wirke wie ein Brennglas, unter dem schwelende Beziehungsprobleme plötzlich unlösbar erscheinen.

Der Linzer Psychologe Dr. Klaus Sejkora erklärt das so: „Auf die Entscheidung ‚Bleiben wir zusammen oder trennen wir uns?‘ steuern Paare lange zu.“ Doch vor der Trennung, so der Experte weiter, könnten Paare ihren weiteren Weg noch selbst gestalten – und verändern. Stattdessen so weiterzumachen wie bisher, sei zwar bequem und daher verständlich, aber riskant. „Dann wird die Entscheidung Sie früher oder später überrumpeln, und sie wird vermutlich eher in Richtung Trennung  gehen“, schreibt Klaus Sejkora in seinem neuen Buch „Trennung oder Neubeginn“ (Fischer & Gann, 341 Seiten, 18,99 Euro).

Er hat deshalb eine Art Beziehungs-Check entwickelt, mit dem ein Paar feststellen kann, wo es gerade steht. „Paare, die darin fünf und mehr Fragen mit Ja beantworten, sollten unbedingt um ihre Liebe kämpfen“, ermutigt Klaus Sejkora. „Aber auch Paare, bei denen gerade alles passt, können ihre Beziehung mit den Übungen stärken, sodass ihre Liebe krisenfest bleibt.“ Das ist wichtig, denn die seelischen Kräfte, die eine Partnerschaft in Schieflage geraten lassen, sind in uns allen frühzeitig angelegt worden.

Bindungs- und Paarforscher sind mittlerweile sicher: In wen wir uns verlieben, welche tiefen Bedürfnisse ein Partner bei uns stillen soll, in welcher Rolle wir uns selbst in einer Partnerschaft sehen – all das hängt eng damit zusammen, wie wir unsere allerersten „Liebesbeziehungen“ erlebt haben; vor allem die zu unseren Eltern. Sie lassen uns spüren, wortreich oder wortlos, ob wir liebenswert sind. Sie zeigen uns, ob wir jemandem, der behauptet, uns zu lieben, wirklich trauen können. Für sie eignen wir uns ein Verhalten an, das größtmögliche Zuwendung verspricht.

Lebensplan - verlieben und trennen

Daraus formt sich mit der Zeit eine Art allgemeiner Lebensplan“, sagt Klaus Sejkora, „ein Skript aus Gedanken, Gefühlen und Überlebensregeln wie ‚Ich muss stark sein, durchhalten‘ bei Männern oder ‚Ich muss perfekt sein‘ bei Frauen.“ Klingt problematisch. Doch zunächst haben wir es genau diesem Lebensplan zu verdanken, dass wir plötzlich fühlen: Du bist der Richtige! „Verlieben wir uns, spüren wir intuitiv, dass der Lebensplan des anderen zu unserem passt“, sagt Klaus Sejkora. Ein berauschendes Gefühl. Nichts kann uns trennen!

Bis das Leben die Liebe auf die Probe stellt: gemeinsames Zuhause, erstes Kind, Stress im Beruf, Jobverlust, Krankheit, Streit mit Verwandten. „Stress entsteht in der Regel nicht in der Beziehung selbst. Meist lösen Faktoren außerhalb der Partnerschaft eine Krise aus“, erläutert Klaus Sejkora. Erst jetzt können die Lebenspläne, jene Skripte, die beide Partner mit in die Beziehung gebracht haben, zum Problem werden, denn: Je bedrohlicher das Paar die neue Lebenssituation empfindet, desto stereotyper halten sich beide Seiten an die inneren Regeln, die sie bereits als Kinder verinnerlicht haben.

Abwärtsspirale 

Abweichende Gedanken und Gefühle, alternative Lösungen werden dann nicht mehr wahrgenommen. „Es muss so sein. Ich muss so fühlen. Ich muss so denken. Und mein Partner ist schuld daran“, zählt Klaus Sejkora auf. „Das sind alles klare Indizien dafür, dass der schädliche Teil des Lebensplans oder Skripts die Regie übernommen hat.“ Immer wieder kommt es zum gleichen Streit. Immer öfter erinnert sie seine Wut an ihren jähzornigen Vater. Immer stärker zieht er sich zurück, weil sie „klammert“ wie seine Mutter. Umso starrer halten sich beide an ihr Skript. Was einst Schmetterlinge im Bauch flattern ließ, setzt nun eine lähmende, zersetzende Abwärtsspirale in Gang.

Doch die lässt sich stoppen: „Indem ich die Alternativlosigkeit, die mir mein Skript vorspielt, hinterfrage“, ermutigt Klaus Sejkora. „Es existiert fast nie nur eine Möglichkeit. Daher sollte ich mich fragen: Was brauche ich, um weitere Optionen zu finden? Und was brauche ich, um diese zu nutzen?“ Lösen die inneren Regeln beider Partner regelmäßig Streit aus, hilft es, sie durch äußere Regeln zu ersetzen. Dabei gucken die Partner auch in ihre Vergangenheit, um zu klären, wie ihre Lebenspläne entstanden sind, wer daran mitgeschrieben hat. „Die Partner in der Krise müssen ihre jeweilige Vergangenheit bewältigen, um in der Gegenwart anzukommen und so die Zukunft gestalten zu können“, sagt Klaus Sejkora. „Neun von zehn Paaren, denen das gelingt, bleiben zusammen, unabhängig vom Alter.“ Wenn das keine Motivation ist. 

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Quelle: Vital Ausgabe 01/2016