Körperübung Übungen für mehr Sicherheit

Ohne Kreativität und den Mut, Dinge infrage zu stellen, säße der Mensch heute noch auf Bäumen. Wir profitieren von Ideen – und deshalb lieben wir sie. Warum wir uns dennoch manchmal davor fürchten und wie wir die Angst vor Veränderungen besiegen.

Frau lacht

Breitbeinig gehen

So fangen alle Kinder an zu gehen: breitbeinig. Machen Sie es nach. Stellen Sie sich hin, die Füße mehr als hüftbreit auseinander, dann wanken Sie los, verlagern dabei das Gewicht von einer Seite auf die andere. Versuchen
Sie, mit jedem Schritt noch etwas breitbeiniger zu gehen.
Effekt: Indem unser Körper das Gleichgewicht halten muss, meldet das Kleinhirn ans Großhirn: „Alles im Lot“, und das Großhirn bestätigt: „Sehr gut, weitermachen“ – eine Art Dialog ist initiiert, der das Gehirn so beschäftigt, dass negative Gefühle wie Ängste keinen Raum mehr einnehmen können. Außerdem bewegen wir uns durch das breitbeinige Gehen schaukelnd, was die Neuronen beruhigt. Denn die im Unterbewusstsein gespeicherten Erinnerungen an die pränatale und frühkindliche Phase, in der Schaukelbewegungen – erst im Mutterleib, später durch die elterliche Umarmung – unser Dasein bestimmten, werden wach und mit ihnen die guten Gefühle des ungebrochenen, weil unbewussten Urvertrauens.

Auf einem Bein stehen

Stellen Sie sich auf ein Bein und heben und strecken Sie das andere – so hoch, so schnell und so lange, wie Sie das Gleichgewicht halten können. Nach einer Minute wiederholen Sie die Übung auf dem anderen Bein. Dann schnippen
Sie mit den Fingern, wobei der Daumen der Reihe nach mit jedem der vier Finger schnippt. Erst mit der linken, dann mit der rechten Hand.


Effekt: Die Koordination von Links-rechts-Bewegungen und von Händen und Fingern erfordert viel motorisches Geschick und Konzentration, deshalb hat das Großhirn einen riesigen Bereich für diese Aufgabe reserviert. Ist der aktiv, haben Angstgefühle, die das Kleinhirn an die Großhirnrinde senden will, keine Chance. Sie werden im Großhirn nicht wahrgenommen und so neutralisiert. Außerdem hat das Fingerschnippen mit der linken und der rechten Hand eine zweite Funktion: bilaterale Stimulanz. Diese Methode aus der Traumatherapie regt die Amygdala an, den Mandelkern, der die Hirnhälften verbindet und in dem sich auch mal negative Gefühle „festsetzen“. Durch das Stimulieren werden sie weitergeleitet und verarbeitet.

Mit den Füßen stampfen

Stampfen Sie abwechselnd mit Ihren Füßen auf der Stelle, tun Sie so, als wollten Sie die Erde festtrampeln. Sie können auch eine Treppe hinauf- und wieder hinunterstampfen. Am besten fühlt sich diese Übung an, wenn Sie barfuß im Gras oder Sand stampfen. Sie funktioniert aber auf Holz oder Teppich ebenso schnell und zuverlässig.
Effekt: Das Stampfen stimuliert die Nervenenden an den Fußsohlen. Dieser Reiz wird über die Nervenbahnen ins Gehirn geleitet und aktiviert dort die Bereiche, die für Aufmerksamkeit, Wachheit und Kraft zu ständig sind. Außerdem überträgt sich der gleichmäßige Rhythmus auf Organe, die einen regelmäßigen Rhythmus brauchen, z. B. das Herz. Es beginnt, kräftiger zu schlagen, was dem Gefühlszentrum im Gehirn signalisiert: Ich bin stark, un erschrocken, frisch.

SOS Mudra

Falls Ihnen Stress und Anspannung gerade über den Kopf wachsen und Sie sich alles andere als kreativ und aufgeschlossen für Neues fühlen, hilft diese Übung: Suchen Sie sich einen ruhigen Platz, legen Sie die Hände locker auf die Knie und Daumen und Zeigefinger aneinander. Der Kreis, den Sie dabei schließen, verhilft Ihnen zu neuer Konzentration und baut innere Unruhe ab.

Alte Muster loslassen

Als Kinder haben wir Vorleser damit genervt, jede Geschichte genau wie beim letzten Mal wiederzugeben. Nur dann war alles gut – dachten wir. Als Erwachsene erliegen wir derselben Illusion. Wir glauben, durch Kontrolle Gefahren ausschließen zu können. Bringt aber nichts! Im Gegenteil, je mehr Kontrolldruck wir ausüben, desto häufiger müssen wir
feststellen, dass unsere Erwartungen nicht erfüllt werden: Der Liebste flirtet trotzdem, die Tochter kommt trotzdem zu spät nach Hause. Denn wir können nur unser eigenes Verhalten beeinflussen. Das zu akzeptieren fühlt sich seltsam an. Versuchen Sie es dennoch. Sie werden spüren, dass es sich gut anfühlt, die Kontrolle aufzugeben, innere Gelassenheit zu gewinnen.

Kreativen Denkstil entwickeln

Wir sind es gewohnt, immer an das Schlimmste zu denken. Besser ist es, die positiven Seiten einer Veränderung zu betrachten – und zwar möglichst fantasievoll. Schreiben Sie auf, was als Bestes aus der beängstigenden Situation entstehen kann. Erlauben Sie sich große Entwürfe, fabulieren Sie immer weiter, bis Sie meinen, zu Ende gedacht zu haben. Das neutralisiert Ihre Angst oder wenigstens einen Teil davon. Mögen Ihre Einfälle Ihnen auch nicht praktikabel erscheinen, fördert kreatives Denken doch die Produktion von Glückshormonen – und die sind das Beste gegen ängstliche Unsicherheit.