Mut Keine Angst vor Veränderungen

Ohne Kreativität und den Mut, Dinge infrage zu stellen, säße der Mensch heute noch auf Bäumen. Wir profitieren von Ideen – und deshalb lieben wir sie. Warum wir uns dennoch manchmal davor fürchten und wie wir die Angst vor Veränderungen besiegen.

Frau lacht

Heute ist diese Überlebenstaktik nur in bestimmten Fällen erforderlich. Dennoch reagiert der Mensch im dritten Jahrtausend auf unklare Situationen wie einst. Einziger Unterschied: Wir tarnen unsere Ängstlichkeit. Wir lästern, gucken genervt, beklagen uns. Schade, denn jeder Mensch besitzt die psychologischemotionale Ausstattung, um mit Veränderungen klarzukommen: die sogenannte Veränderungsintelligenz. Damit meint die Forschung keine feststehende charakterliche Eigenschaft, sondern einen gelungenen Mix aus Interesse, Neugier, Urteilskraft, Offenheit, praktischer Intelligenz, Weitblick, Zivilcourage, Selbstkontrolle, Optimismus. Nach Martin P. Seligman, Professor für Psychologie an der Universität von Pennsylvania, zählen sie zu den Signaturstärken, einer Art Blaupause der besten menschlichen Eigenschaften, mit der jeder Mensch auf die Welt kommt.

Alte Muster verlernen, die innere Stimmigkeit fördern

Aber woran liegt es, dass diese angeborenen Eigenschaften nicht immer zum Zuge kommen? Ganz einfach: Immer wenn wir Veränderungen nicht selbst planen, sondern sie uns von außen aufgezwungen werden, reagieren wir zunächst mit großen Widerständen. Wir müssen erst fünf Phasen der Veränderung durchlaufen, bevor wir uns wieder stabil und zuversichtlich fühlen. Management-Trainerin Diana Dreeßen-Wösten begleitet seit 15 Jahren Einzelpersonen und Teams durch Veränderungsprozesse. Sie sagt: „Nach der Widerstandsphase liefert uns das Unterbewusstsein Argumente, warum die angekündigte Veränderung nicht stattfinden kann. In der dritten Phase fühlen wir uns ohnmächtig, hilflos, deprimiert und rutschen automatisch in die vierte Phase, den Schmerz und die Angst.“ Erst nachdem wir diese Phase durchlebt, die Angst ausgehalten haben, erleben wir den Moment, den wir alle aus Erfahrung kennen: „Wir schütteln uns und sagen: Ach, was soll’s, ich schau mal, was ich aus der Sache mache.“ Einige, so Diana Dreeßen-Wösten, bleiben in der Widerstandsphase stecken, andere in der Ohnmacht. Dagegen hilft: „Sich bewusst machen, dass Veränderungen immer eine Verbesserung herbeiführen, wenn man sich nicht dagegenwehrt.“ Manchmal geschieht das jedoch auf Umwegen: Vielleicht motiviert einen eine neue Kollegin, mit der man nicht auskommt, dazu, in einen anderen Job zu wechseln – wo man dann prompt mehr Erfolg hat. Außerdem, so die Expertin, hilft es, das Kohärenzgefühl zu fördern, die innere Stimmigkeit, dieses großartige „Alles wird gut“. Achtsames Wahrnehmen und die Konzentration auf das Hier und Jetzt unterstützen das: sich an vergleichbare Situationen erinnern, die man gemeistert hat und die neue Chancen eröffneten. Und vor allem: oft in den Flow kommen, also etwas machen, das Freude, Begeisterung, Zufriedenheit, Selbstvergessenheit auslöst, z. B. Sport treiben, einem Hobby nachgehen, kochen, meditieren.

Gelassenheit lernen

Neben der Veränderungsintelligenz haben wir einen weiteren inneren Helfer, mit dem es sich gut durch den Fluss der Unsicherheiten navigieren lässt: die „Ambiguitätstoleranz“. Schwieriges Wort, aber Menschen mit hoher Ambiguitätstoleranz können die Verunsicherung, die mit Veränderungsprozessen einhergeht, nicht nur ertragen, sondern aktiv und konstruktiv damit umgehen. Sie halten Situationen mit ungewissem Ausgang problemlos aus, bewerten damit verbundene unklare Informationen und Widersprüche nicht von vornherein negativ und verfallen nicht in Schwarz-Weiß-Denken. Die Höhe der Ambiguitätstoleranz ist angeboren, aber wir als psychologische Wunder können sie entwickeln und mit einfachen Tricks trainieren. Die besten Methoden haben wir hier für Sie zusammengestellt.