Gedanken und Gefühle Step by Step

Psychologen aus den USA haben jetzt einen völlig neuen Ansatz entwickelt.

Psychologie


STEP BY STEP 
SO MACHEN SIE IHRE GEDANKEN KLEINER – UND SICH SELBST STÄRKER 


"Du bist heute, was du gestern gedacht hast", vermutete schon Martin Luther. Doch wie groß das Kraftpotenzial jedes einzelnen Gedanken tatsächlich ist, ahnte er wohl kaum. Erst in den letzten Jahren entdeckten die Neurobiologen: Jeder Gedanke ist ein elektrischer Impuls, der Prozesse im Gehirn auslöst. Als unmittelbare Folge davon tauchen beim Menschen bestimmte Gefühle auf. Umwälzende Neuigkeiten, auch für die Psychologen. Tag für Tag sind Millionen von Menschen unglücklich. Sie leiden nicht nur in aufreibenden Partnerschaften, sondern auch in ihrer Beziehung zu Kollegen und Familienmitgliedern – oder zu sich selbst. Wenn man die neuen Erkenntnisse zugrunde legt, ist dafür die eigene Gedankenwelt stärker verantwortlich als bisher angenommen. Dabei können Menschen selbst Steuermann ihrer Emotionen werden. Die US-amerikanischen „Mind over Mood“-Spezialisten Dennis Greenberger und Christine A. Padesky haben eine einfache, aber effektive Technik entwickelt. Jeder kann sie in drei Schritten erlernen: 

SCHRITT 1: GEFÜHLE IDENTIFIZIEREN
Jeden Tag werden wir mit den unterschiedlichsten Gefühlen konfrontiert. Oft spüren wir diese Stimmungen und geben sie an andere weiter, können sie aber weder einordnen noch herleiten. Wer mit seinen Gefühlen intelligent umgehen möchte, sollte sich deshalb intensiv mit ihnen befassen. Dabei hilft folgende Übung: Denken Sie an Situationen, in denen Sie ein starkes Gefühl erlebten. Beschreiben Sie dieses möglichst mit einem Begriff, z. B.: Angst. Wenn Sie diese Übung öfter machen, fällt es Ihnen im Alltag leichter, Ihre Gefühle zu benennen und die auslösende Situation schnell zu erkennen. 

SCHRITT 2: AUFSPÜREN VON „AUTOMATISCHEN GEDANKEN“
Von Geburt an prägt uns jedes Wort, das wir hören, jede Situation, die wir erleben. Wie ein Computer akzeptiert unser Gehirn alles, was wir und andere einprogrammieren. Egal, ob die Informationen richtig und gesund oder eher schädlich sind. Im Laufe der Zeit entwickelt unser Unterbewusstsein ein spezielles Gedankenmuster – sogenannte „automatische Gedanken“. Oder, anders ausgedrückt: In unserem Kopf entsteht ein Navigationssystem, das bei ähnlichen Erlebnissen immer gleich funktioniert. Daraus werden Überzeugungen, die objektiv nicht immer richtig sind. Deshalb ist es wichtig, die „automatischen Gedanken“ zu identifizieren: Gehen Sie zu den Situationen der ersten Übung zurück. Überlegen Sie, was Ihnen durch den Kopf gegangen ist, unmittelbar bevor Sie sich so fühlten. Welche inneren Bilder, Erinnerungen oder Glaubenssätze tauchten bei Ihnen auf? Das sind Ihre „automatischen Gedanken“! Schreiben Sie diese stichwortartig auf. Wie zum Beispiel folgende Situation: „Meine Kollegen haben sich ohne mich zum Mittagessen verabredet.“ Gefühl: Traurigkeit. Automatischer Gedanke: „Ich bin einfach zu langweilig. Ich werde immer übersehen.“  

SCHRITT 3: HINAUS AUS DER GEDANKENSPIRALE
Jetzt ist Ihr detektivisches Gespür gefragt. Sie sollen Ihre automatischen Gedanken überprüfen: Gibt es Fakten oder Erlebnisse, die sie widerlegen? Dazu ist es notwendig, die Situation und eventuell das Verhalten anderer in verschiedene Richtungen zu interpretieren. Sehen Sie sich dafür die automatischen Gedanken aus Schritt 2 an und überlegen Sie: Gibt es eine andere Möglichkeit, über diese Situation zu denken? Zum Beispiel: „Glauben meine Kollegen vielleicht, dass ich an gemeinsamen Mittagspausen nicht interessiert bin? Schließlich habe ich bisher meist Einkäufe erledigt.“ Durch das konsequente kritische Hinterfragen werden Sie allmählich Kontrolle über Ihre Gedanken bekommen. Das ist übrigens viel effektiver, als sein Gehirn auf stures positives Denken zu trimmen. Davon raten Psychologen mittlerweile ab. Nur wenn wir möglichst viele – auch negative! – Aspekte mit einbeziehen, kommen wir zu Schlussfolgerungen, die wir wirklich verinnerlichen.  

 

Autor: Sibylle Hettich

Schlagworte: