Gedanken und Gefühle Zauberformel: intelligente Emotionen

Psychologen aus den USA haben jetzt einen völlig neuen Ansatz entwickelt.

Psychologie

Bei der Beantwortung sahen sich Psychologen wie Benno Lewe aus Bottrop (siehe Interview) gezwungen, ihre Empfehlungen von damals zu relativieren. Es war offensichtlich, dass sich das spontane, unkontrollierte Herauslassen von Emotionen nicht positiv auf Beziehungen auswirkte, sondern zu einer gefährlichen Spirale von Verletzungen und neuen Angriffen führte. Deshalb heißt die Zauberformel seit Kurzem: intelligenter Umgang mit Gefühlen. Aber was bedeutet das? In einer guten Beziehung sollen beide Partner mit ihren negativen Gefühlen bewusst und kontrolliert umgehen. Schaffen können sie das, indem sie lernen ihre Gedanken zu verändern. Wie wichtig diese Erkenntnis ist, zeigt eine Studie des Instituts für Psychologie der Universität Göttingen. Befragt nach den größten Problemen in Partnerschaften, antworteten 47 Prozent der Teilnehmer: „die Art und Weise, negative Gefühle zu zeigen oder auszudrücken“. Auch bei Eva und Andreas war das der Anlass für viele Konflikte.

„Es ging eigentlich immer um Lappalien“, erinnert sich Andreas. „Aber Eva reagierte sofort mit geballter Emotion. Ich empfand diese Heftigkeit als Angriff auf meine Person und schlug meinerseits verbal  um mich, obwohl ich ihr inhaltlich vielleicht sogar Recht gab.“ Bei einem Paarseminar lernten die beiden den intelligenten Umgang mit Gefühlen kennen. Sie erfuhren, dass Gedanken und Emotionen in einer komplexen Beziehung zueinander stehen. Das bedeutet, dass niemand seinen Gefühlen hilflos ausgeliefert ist. Jeder kann sie durch seine Art zu denken selbst beeinflussen (siehe Seite 42) – und damit Herr seiner Empfindungen werden. Auch Eva lernte, ihre Gedanken und Emotionen bewusster wahrzunehmen. Sie merkte, dass ihre Heftigkeit ihrer alten Angst entsprang, nicht wichtig genommen zu werden. „Mir wurde klar, dass ich diese Befürchtung auch in die Beziehung mit Andreas trug. Dadurch habe ich vieles missgedeutet und fehlinterpretiert. Ich war überhaupt nicht mehr objektiv und ging beim kleinsten Anlass in die Luft“, resümiert Eva.  

SEIT ICH DAS WECHSELSPIEL VON GEDANKEN UND GEFÜHLEN KENNE, GELINGT ES MIR IMMER BESSER, MEINE AUFBRAUSENDEN, NEGATIVEN EMOTIONEN ZU BÄNDIGEN. Wenn ich mich unwohl fühle, versuche ich zunächst, meine Gedanken und Gefühle zu ordnen. Erst im zweiten Schritt gehe ich auf Andreas zu.“ Es geht nicht darum, sein Inneres zu unterdrücken. Sondern seine Bedürfnisse und Gefühle so rüberzubringen, dass sie beim anderen auch wirklich richtig ankommen! 

Autor: Sibylle Hettich

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