Zuversichtlich durchs Leben 5 Strategien für mehr Mut

Bestimmte Störfaktoren verhindern, dass Sie eine Situation richtig einschätzen. Daraus ergeben sich Wege, um Ihr Verhalten zu verändern. Denken Sie in Ruhe über alle nach und gehen Sie´s langsam an. VITAL hat für Sie 5 Strategien für mehr Risiko-Intelligenz.

Frau wandern Berg

1. Strategie: Selbst zum kleinen Statistiker werden

Störfaktor: Wir trauen uns nicht, statistische Angaben zu hinterfragen, und scheuen uns umgekehrt, selbst solche Einschätzungen zu geben. Forscher wie Psychologe Dylan Evans fanden jedoch heraus, dass wir unsere Risiko-Intelligenz deutlich ausbauen können, wenn wir üben, uns wie ein Statistiker zahlenmäßig festzulegen.

Was uns hilft: Eine einfache Methode besteht darin, für sich selbst eine persönliche Risikoschwelle anzugeben.
Beispiel: Soll ich jemanden um ein Rendezvous bitten oder lieber nicht? Dylan rät: „Ich könnte sagen, ich frage die Person nur, wenn eine 60-Prozent-Chance besteht, dass sie einwilligt – je nachdem, wie dringend mein Bedürfnis nach einem Date ist.“

2. Strategie: Gedächtnisinhalte genauer prüfen

Störfaktor: Wenn wir Wahrscheinlichkeiten schätzen sollen, fallen uns meist schnell vergleichbare Situationen ein, die wir selbst erlebt oder über die wir z. B. etwas gelesen haben. Doch das, was uns am schnellsten einfällt, ist meist nicht der beste Rat.

Was uns hilft: Überprüfen Sie Ihre Erinnerungen. Fragen Sie sich: Warum fällt mir das gerade jetzt ein? Wurde in jüngster Zeit z. B. viel über Unglücke oder Arbeitslosigkeit berichtet? Sie werden feststellen, dass viele Befürchtungen (etwa Flugangst, Sorge, den Job zu verlieren) nicht wirklich auf Tatsachen beruhen, sondern deshalb so bedrohlich erscheinen, weil Sie oft davon gehört haben.

3. Strategie: Ungewissheiten aushalten lernen

Störfaktor: Unser Gehirn ist faul und neigt zum Schwarz-Weiß- Denken. Zwischentöne übergeht es, widersprüchliche Informatio- nen blendet es aus. Lieber einer schnelle (Fehl-)Entscheidung treffen als mit Ungewissheiten leben. Und: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – bremst aber den Entscheidungsprozess.

Was uns hilft: Es ist schon schwer genug – und ein großer Erfolg –, das eigene Denken, Fühlen und Handeln im Griff zu haben. Dann noch zu versuchen, Mitmenschen, das Wetter, die Verkehrslage oder Aktienkurse irgendwie zu beeinflussen, wäre eindeutig zu viel, endet in Überforderung – und ist sowieso unmöglich. Geben Sie diese „Kontroll-Illusion“ auf. Das bringt mehr Gelassenheit und öffnet neue Handlungsspielräume.

4. Strategie: Eingefahrene Denkmuster aufbrechen

Störfaktor: Wie wir mit den Risiken und Unwägbarkeiten des Alltags umgehen, hängt auch von Denkmustern und „inneren Leitmotiven“ ab, die wir zum Teil von unseren Eltern, Verwandten, Lehrern und anderen wichtigen Bezugspersonen übernommen haben: „Lern lieber etwas Handfestes.“ – „Doppelt hält besser.“ – „Übermut tut selten gut.“ – „Das Leben ist kein Wunschkonzert“, usw. Solche Sätze beeinflussen uns unbewusst, wenn wir vor einer Entscheidung stehen.

Was uns hilft: Stellen Sie sich vor, dass bei jeder wichtigen Entscheidung Ihr „inneres Team“ zusammenkommt; unterschiedliche Stimmen, die alle gehört werden wollen. Lassen Sie sie sprechen, aber fragen Sie sich auch immer: Wer redet da jetzt eigentlich? Sie selbst? Oder Ihre „innere Mutter“? Handeln Sie einen Kompromiss aus, mit dem alle im Team gut leben können. Formulieren Sie Denkmuster, die Sie hemmen, einfach um – zum Beispiel: „Übermut tut manchmal wirklich gut!“

5. Strategie: Nicht ständig vom schlimmsten Fall ausgehen

Störfaktor: Als wir noch in Höhlen lebten, war ein Gehirn, das stets mit dem Schlimmsten rechnete, durchaus ein (Überlebens-)Vorteil. Heute nicht mehr. Doch so ganz können wir nicht aus unser Steinzeit-Haut. Bestes Beispiel von Dylan Evans: sogenannte „Hubschrauber- Mütter“, die am liebsten jeden Schritt ihrer Kindern überwachen würden.

Was uns hilft: Die innere Überwachungskamera mal abschalten. Will der Sohn z. B. auf einen Baum klettern oder die Tochter ein Pferd reiten, nicht gleich verbieten (Unfallgefahr!), sondern ausprobieren lassen und in der Nähe bleiben. Das gilt auch im Erwachsenenalter. Lassen Sie doch Ihren Mann einen Tandem-Fallschirmsprung buchen. Vielleicht probieren Sie es auch selbst mal aus. Wer immer mal an seine Grenzen geht, nutzt seine Chancen und lernt gleichzeitig, Risiken besser einzuschätzen.

 

Autor: Friederike Schön