Glücklich sein, kann so einfach sein Soziales Engagement bringt mehr Zufreidenheit

Nächstenliebe ist keine Einbahnstraße, findet Verena Carl: Wer sich für andere engagiert, erntet auch selbst mehr Lebensfreude. Warum Mitmenschlichkeit wieder wichtig ist – vier Frauen berichten, wie sie sich selbst und andere mit ihrem Einsatz bereichern 

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Und mehr noch: Wer sich für seine Mitmenschen engagiert, ist auch mit dem eigenen Leben eher im Reinen. „Befragt man Menschen nach ihrer allgemeinen Lebenszufriedenheit, zum Beispiel mit ihrem Wohnort oder ihrer Nachbarschaft, zeigt sich immer wieder: Diejenigen, die sich für andere einsetzen, sind mit ihrem gesamten Umfeld glücklicher als diejenigen, die es nicht tun“, bestätigt der Sozialpsychologe. Je unmittelbarer der Kontakt zu den Hilfsempfängern, desto größer die eigene Befriedigung. Wer hautnah mitbekommt, was die eigene Unterstützung bewirkt, empfindet dabei deutlich mehr Freude als derjenige, der nach einem Erdbeben per Onlinebanking eine Spende anweist. Mit einer verblüffenden Ausnahme: Hilfe in der eigenen Familie. Die demenzkranke Mutter pflegen kann weniger erfüllend sein, als eine Selbsthilfegruppe für Alzheimer-Angehörige zu gründen. „Engagement ist dann am befriedigendsten, wenn man sich freiwillig dafür entscheidet und den Umfang selbst bestimmt. Kommt ein Gefühl von Verpflichtung oder Schuld dazu, ist der eigene Gewinn geringer“, erklärt Hans-Werner Bierhoff.

Denn auch wenn wir unser mitfühlendes Herz wieder mehr entdecken, bleiben wir dennoch Geschöpfe unserer Zeit: individualistisch und leicht sprunghaft. „Wir wollen nicht in der Masse untergehen; anders sein als die anderen, aber trotzdem nicht allein“, bringt der Hamburger Trendforscher Peter Wippermann unseren Seelenzustand auf den Punkt. Mit Folgen für unsere Art des Engagements, weiß Wippermann. Wir helfen ähnlich, wie wir lieben: befristet, erfolgsorientiert, weniger verbindlich. Statt lebenslang bei der freiwilligen Feuerwehr, lieber vier Wochen im Urlaub bei einem Bibliotheksprojekt in Mittelamerika. „Die Tendenz geht weg von starren Großorganisationen zu konkretem, zeitlich befristetem Engagement mit konkretem Erfolg“, hat auch Altruismusforscher Bierhoff beobachtet. Und warum auch nicht? Als Glückssucher muss eben jeder seinen eigenen Weg gehen. Anderen zu helfen, kann dabei eine Etappe sein. Oder uns auf der ganzen Strecke begleiten. Sicher ist nur eines: Jeder kleine Schritt sorgt dafür, dass das große Heizkraftwerk namens Mitmenschlichkeit auf Touren kommt. Und das ist doch mal eine Nachricht, bei der es einem wirklich warm werden kann ums Herz.

Autor: Verena Carl

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