Forschung Glücklichsein hängt von Genen ab

Natürlich lässt sich Glück nicht erzwingen, aber mit etwas Übung anlocken. Wer das schafft, trainiert die Ausschüttung von Botenstoffen, die im gesamten Körper wie ein Jungbrunnen wirken.

Glückliche Frau

Das Talent zum Glücklichsein hängt etwa zur Hälfte von den Genen ab . Weitere zehn Prozent werden von äußeren Umständen bestimmt, die wir nicht lenken können. Aber immerhin 40 Prozent haben wir selbst in der Hand! „Zu versuchen, glücklicher zu werden, galt lange als ebenso aussichtsreich wie zu versuchen, als Erwachsener noch größer zu werden“, erklärt Prof. Gert G. Wagner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Nachdem er jedoch kürzlich mit Kollegen aus Australien und den Niederlanden eine Befragung von mehr als 20 000 Deutschen ausgewertet hat, steht für ihn fest: „Wir sind keine reinen Sklaven unserer Gene und unserer frühkindlichen Prägung.“ Jeder kann also die Ausschüttung von Glücksbotenstoffen aktiv fördern und damit seinen „inneren Arzt“ gezielt stärken.

Dreiklang des Glücks

Unser Gehirn unterscheidet drei Arten von Zufriedenheit („happiness“). Jede wird von einem eigenen System verarbeitet. Das setzt jeweils bestimmte Botenstoffe frei, die nicht nur im Kopf, sondern im ganzen Körper wirken.
Das Glück der Aufregung: Eine Fahrt mit der Achterbahn, der Gewinn beim Preisausschreiben, die Kuss-Premiere, der erste Sex – alles, was mit Aufregung, Abenteuer und Lust zu tun hat, löst einen kurzen, aber heftigen „Glücks-Kick“ aus. Dabei wird der Botenstoff Dopamin freigesetzt, Endorphine erzeugen Euphorie.
Das Glück der Erleichterung: Es macht sich breit, wenn eine „Bedrohung“ oder der Stress nachlässt. Ein Projekt ist abgeschlossen, ein schwieriges Gespräch geführt oder ein heftiger Streit beigelegt – dann sinken der Kortisol- und der Adrenalinspiegel im Blut. Wir entspannen uns.
Das Glück der Zufriedenheit: Wenn wir alles haben, was wir brauchen, geliebt werden, sich das Gefühl einstellt, am „richtigen“ Ort angekommen zu sein, die Seele vor Anker geht, wird körpereigenes Morphium produziert. Das macht zufrieden. Der Botenstoff Serotonin beruhigt, das „Kuschelhormon“ Oxytocin vermittelt Verbundenheit mit anderen.
„Es spricht einiges dafür, dass der Mensch im Laufe seines Lebens die verschiedenen Formen des Glücks durchläuft, quasi reift“, erklärt Prof. Tobias Esch. „Das Glück der Aufregung gehört eher in die Jugend, das Glück der Zufriedenheit stellt sich meist erst im Alter ein. Gleichwohl sind in jeder Lebensphase auch ,Rückschritte‘ möglich. Hier gilt keine Hierarchie, das eine Glück ist nicht besser als das andere.“