Bevölkerung Aus Erfahrungen der Anderen lernen

Wer seit 60 Jahren strickt, kennt jede Masche. Diesen Erfahrungsschatz wollen die Designer Debora Biffi und Benjamin Moser mit ihrer „Senior Design Factory“ heben und bewahren.

Generationen

An das erste Treffen mit den strickenden Damen aus einem Züricher Seniorenheim erinnern sich Debora Biffi und Benjamin Moser noch gut: „Als wir das Projekt vorstellten, schwiegen sie nur“, erzählt Moser. Klang ja auch verrückt: Die zwei Jungdesigner wollten für ihre Diplomarbeit gemeinsam mit alten Menschen Alltagsobjekte gestalten. Ihnen schwebte keine Beschäftigungstherapie vor, sondern eine Geschäftsidee. Trotzdem fiel der Empfang erst mal „harzig“ aus, wie Moser sagt. Das war 2008. Inzwischen ist aus der Abschlussarbeit eine kleine Firma gewachsen: die „Senior Design Factory“ in Zürich (www.senior-design.ch).

Gemeinsam zum Erfolg

Mehr als 200 alte Menschen haben bislang mitgemacht. Entstanden sind Topflappen, Filzvasen, T-Shirts mit von den Senioren designten Prints, Pullover mit raffinierten Zopfmustern oder Kochbücher mit Omas Rezepten und junger, moderner Grafik. „Bei jedem Objekt läuft es anders“, erzählt Biffi. In den Workshops ist maximal die Hälfte der Teilnehmer unter 30. „Wichtig ist immer, die Senioren in den Prozess einzubinden. Sie haben ein gewaltiges Know-how.“ Wer seit 60 Jahren strickt, kennt einfach jede Masche. Verkauft werden die Objekte seit 2011 in zwei Geschäften. Zu einem gehört ein Café, in dem zwölf Senioren servieren. Jeder Mitarbeiter kann sich seinen Anteil am Geschäftsergebnis auszahlen lassen. Aber bis jetzt landeten alle „Gehälter“ wieder als Spende bei „Senior Design“.

Niemand hatte mit so einem Erfolg gerechnet. „Daran geglaubt haben wir umso mehr“, erzählt Moser. „Die Arbeit macht einfach glücklich. Die ,Alten’ übernehmen eine regelmäßige Aufgabe in ihrem Alltag. Sie werden gebraucht und haben den Bezug zu einem jungen Umfeld. Auf die Jungen wirkt die Arbeit entschleunigend. Und ihnen werden Werte wie Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Freundschaft vermittelt.“

Autor: Stephan Hillig

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