balance: psychologie Auf die innere Stimme hören

Bin ich, wie ich sein will? Die Suche nach Antworten ist eine großartige Reise, auf der Sie den Atlas Ihrer Seele wie eine mutige Entdeckerin erkunden. Brechen Sie auf!

Land mit Sonne und Bäumen
Die Idee, dass wir unsere Innenwelt betreten können wie ein mutiger Entdecker, nimmt uns die Angst. Der spielerische Prozess bringt Spaß und erzeugt obendrein jenen gedanklichen Abstand, den wir brauchen, um auch unangenehme Persönlichkeitsanteile annehmen und wertschätzen zu können. „Die Sprache der Symbolik erlaubt uns den Zugang zu Erlebnisschichten, die im Unterbewusstsein gespeichert sind und dem Alltagsbewusstsein oft verborgen bleiben“, erklärt Colette Baron-Reid. Der Clou: „Die Landkarte Ihrer Seele verwandelt sich automatisch mit, sobald Sie sich verwandeln. Ein neuer Blickwinkel, eine veränderte Wahrnehmung genügen.“ Je genauer wir also unsere Seelenlandschaften erkunden, desto besser verstehen wir jene Gedanken und Gefühle, für die sie stehen. Uns wird klar, welche Situationen oder Mitmenschen uns stets in die gleiche Landschaft „beamen“. „Je hartnäckiger wir versuchen, ihr zu entkommen, desto mas- siver finden wir uns in sie zurückgeworfen“, so Colette Baron-Reid. „Wir müssen lernen, mit der Landschaft unseren Frieden zu machen, die wir gerade bewohnen.“
 
Dazu gehört auch, sich klarzumachen, dass wir in unseren Seelenlandschaften nie allein sind. Was immer wir tun oder entscheiden (müssen), stets geben verschiedene innere Stimmen ungefragt ihren Senf dazu. Solange wir am Ende selbstbewusst als Sieger vom Platz gehen, ist daran nichts auszusetzen. Rauben uns aber bestimmte innere Stimmen den Schlaf, lösen sie Ängste oder Trauer aus oder hindern sie uns daran, berechtigte Bedürfnisse auszusprechen, ist es an der Zeit, etwas zu verändern. Auch wenn sie uns Dinge tun lassen, von denen wir wissen, dass sie uns schaden.
 
Dabei hilft es, innere Stimmen konkreten Mitbewohnern zuzuordnen, die unsere Seelenlandschaften durchstreifen. „Gelegentlich rufe ich mir selbst ,Kobold!‘ zu, um mich zu warnen, dass ich dabei bin, mich von der Stimme dieses boshaften Wesens verführen zu lassen“, so Colette Baron-Reid. Ängste, Verletzungen, verpasste Chancen, Scham, Neid, Wut – im Namen all dieser Erfahrungen, die sich umso öfter zu Wort melden, je stärker wir sie verbannen, treiben derartige Kreaturen ihr Unwesen. Auch hinter einem inneren Kritiker kann eine Art Kobold stecken. Deutlich weniger angstbesetzt, aber genauso nervig findet Colette Baron-Reid ihre innere Plaudertasche.
 

Eine spannende Reise

„Unermüdlich kommentiert sie jeden einzelnen Moment“, sagt die Expertin. Andere Stimmen werden dadurch übertönt. Wer es aber schafft, seine Plaudertasche sinnvoll zu beschäftigen, verwandelt sie in einen nützlichen Reisebegleiter. Das gilt auch für alle weiteren Mitbewohner, die uns auf unserer Reise begegnen. Jeden, den wir offen und selbstbewusst zu einer stillen Aussprache einladen, können wir danach wertschätzend annehmen. Mit wem Sie Ihre Seelenwelt teilen (müssen), verrät Ihnen Übung 2. Garantiert entdecken Sie andere Mitbewohner und Landschaften als Colette Baron-Reid. Gut so. „Keine zwei Seelen haben die gleichen Karten“, betont die Expertin. Sie hat sich z.B. vom Fantasy-Epos „Der Herr der Ringe“ anregen lassen. „Aber ich möchte dazu ermuntern, sich selbst noch weitere Landschaften und Bewohner auszudenken oder sich von Filmen oder Büchern, in denen intensive Landschaftsdarstellungen vorkommen, inspirieren zu lassen. Erkunden Sie sie, lernen Sie aus ihnen.“
 
Aber nicht ohne Ausrüstung! Führen Sie auf jeden Fall ein Reisetagebuch. Halten Sie fest, wie sich die Landkarte Ihrer Seele verändert. Manche innere Stimme hören wir schon so lange, dass wir uns regelrecht an sie gewöhnt haben. Andere reden so leise oder selten, dass wir erst behutsam nach ihnen suchen müssen. Blättern Sie deshalb alle drei bis vier Wochen in Ihrem Tagebuch zurück. Gilt noch, was Sie notiert haben? Wo stehen Sie inzwischen? Das motiviert. Ein Talisman und ein Medizinbeutel gehören ebenfalls ins Gepäck. „Bei der Arbeit mit Ihrer Karte werden Sie sich Aspekten Ihrer Persönlichkeit stellen müssen, die zu betrachten schmerzlich oder beängstigend sein kann“, warnt Colette Baron-Reid. Dann bewahrt Sie ein „SOS-Koffer“ davor, die Reise in die Innenwelt vorzeitig abzubrechen.
Das Schöne: Im Gegensatz zum Urlaub geht sie nie zu Ende. Wir können uns jederzeit fragen: Wo stehe ich gerade? Wer versucht, sich Gehör zu verschaffen? Welche Landschaft tröstet mich? Wie beeinflussen Mitmenschen mit ihren Innenwelten meine Seelenkarte? „Sie werden Verbündeten und Kontrahenten begegnen“, sagt Colette Baron-Reid. „Auch diese haben die Bestimmung, Ihnen zu helfen, eine immer bessere Kartographin zu werden.“ Mag der Weg auch manchmal steinig sein, am Ende behält der französische Schriftsteller Albert Camus recht, der mal geschrieben hat: „Das Reisen führt uns zu uns zurück.“
 
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