Was sagt unsere DNA wirklich aus? Der Humangenetiker

DNA-Tests im Internet entschlüsseln das Erbgut und sagen Gesundheitsrisiken voraus. Experten warnen davor.

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Der Humangenetiker

„EIN BLICK IN DIE FAMILIENGESCHICHTE IST AUSSAGEFÄHIGER ALS EIN DNA-TEST IM INTERNET“

Es ist sein Job, Menschen die Resultate von Gentests zu erklären oder ihnen davon von vornherein abzuraten. Prof. Wolfram Henn ist Leiter einer genetischen Beratungsstelle. Dorthin wird man bei dem Verdacht auf eine Erbkrankheit vom Arzt überwiesen. Oder wenn eine künstlichen Befruchtung geplant wird. Die Beratung durch einen Humangenetiker ist in Deutschland Kassenleistung. Die Empörung über die Internet-Tests ist bei ihm groß. „Letztes Jahr wurde ich Günther Jauch eingeladen, um mich testen zu lassen. Ich habe es abgelehnt, aber Günter Jauch hat mitgemacht. Dabei kam heraus, er müsste klein und dick sein. Aber was wirklich dramatisch ist: Bei einer Patientin mit nachgewiesenem erblich bedingten Darmkrebs wurde diese Neigung überhaupt nicht entdeckt. Die Tests fragen nicht die hohen Risiken für echte Erbkrankheiten ab. Das ist viel zu teuer und aufwändig. Ein gezielter Gentest auf erblichen Brustkrebs etwa kostet rund 2000 Euro, auf Muskelschwund bis zu 10 000 Euro.“

Zu Prof. Henn kommen nicht Menschen mit abstrakten Sorgen, sondern mit konkreten Befürchtungen. Und hier gilt: „Was hat das Ergebnis für eine Konsequenz? Gibt es etwa die Möglichkeit einer Vorbeugung.“ Ein Beispiel: die unheilbare Huntington-Krankheit bricht erst ab dem 30. Lebensjahr aus – bis dahin ist man völlig gesund. „Nur ein Drittel der Betroffenen wollen vorher wissen, ob sie erkranken. Auch das Nein zum Gentest kann das Ergebnis einer Beratung sein. DNA-Tests über das Internet sind Unsinn. Aber so ist der Mensch nun mal: Man kann auch die Vorhersagen einer Wahrsagerin hundertmal für Blödsinn halten irgendetwas bleibt doch hängen und belastet.“

Autor: Yvonne Hagen