Was sagt unsere DNA wirklich aus? Der Molekularbiologe

DNA-Tests im Internet entschlüsseln das Erbgut und sagen Gesundheitsrisiken voraus. Experten warnen davor.

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Der Molekularbiologe

„KRANKHEITEN HABEN GENETISCHE ANTEILE, ABER WIR BEGINNEN JETZT ERST, SIE ZU VERSTEHEN“

Der Kieler Wissenschaftler Prof. Philip Rosenstiel ist kein Gegner von genetischen Analysen – ganz im Gegenteil. Der Mediziner gehört einem molekularbiologischen Institut an, das selbst an der Entschlüsselung von Krankheitshinweisen in der DNA arbeitet. Umso skeptischer sieht er aber die Gentests aus dem Internet.

„Dort werden Aussagen getroffen wie: ,Ihr Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, ist die Hälfte des Risikos der Normalbevölkerung.‘ Dann wiegen sich die Menschen in einer relativen Sicherheit und gehen womöglich nicht mehr zu Vorsorgeuntersuchungen.“ Dabei sind die dort untersuchten Auffälligkeiten in der DNA nicht mehr als der Schnappschuss eines kleinen Webfehlerchens im Erbgut, sogenannten Einzelbasenpolymorphismen (SNP). Häufig sind viele dieser SNPs an der Entstehung von einem Krankheitsrisiko beteiligt. „Man weiß, dieser Abschnitt ist assoziert mit einer bestimmten Erkrankung. Aber wir können oft nur auf den Genort zeigen. Wir wissen nicht, welche Wechselbeziehungen der Eiweißprozesse dort stattfinden. Und wir verstehen noch zu wenig, wie sich die SNPs nachher in Krankheit umsetzen. Da fehlen rund 20 Zwischenschritte.“ Anders als bei den monogenen Erbkrankheiten wie etwa der Bluterkrankheit. Doch die Entdeckung der genetischen Anteile von Leiden wie Asthma, Morbus Crohn oder Rheuma wird kommen, da ist sich Prof. Rosenstiel sicher. „Das wird ein großes Umdenken auslösen – aber das wird nicht in den nächsten Monaten oder Jahren geschehen.“

Autor: Yvonne Hagen