Zwischen ihnen ist nichts kaputtgegangen

Im Sandkasten lernten sich Ayla und Maggie kennen. Heute, 40 Jahre und zwei pralle Leben später, sind sie immer noch beste Freundinnen.

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„Ich glaube, wir beide waren immer gut darin, die andere so sein zu lassen, wie sie ist“, sagt Ayla. Als sie kurze Zeit später zum Studium zurück nach Deutschland kommt und sich die beiden wiedertreffen, stellen sie fest: Zwischen ihnen ist nichts kaputtgegangen. Sie merken, wie dick ihre Freundschaft wirklich ist, wie tief und fest ihre Wurzeln sitzen. „Wir haben nichts groß problematisiert oder aufgearbeitet, wir haben einfach zusammen weitergemacht“, erzählt Ayla. Maggies Freund ist passé, Aylas türkisches Leben weit weg. Ayla verliebt sich in einen Portugiesen, mit dem sie inzwischen einen kleinen Sohn hat, Maggie verliebt sich in einen Kolumbianer. Doch nach der Geburt der gemeinsamen Tochter, geht Maggies Beziehung kaputt. Gibt es nie Neid oder Eifersucht von Maggie, der alleinerziehenden Mutter, auf Aylas heile Familienwelt? „Nein“, versichert Maggie. „Im Gegenteil. Ayla ist mir immer ein großer Halt.” Auch das haben Ayla und Maggie früh miteinander gelernt: Jede führt ihr eigenes Leben, jede geht ihren eigenen Weg. Man fragt die andere um Rat, aber den Rest muss jede selbst erledigen. Auch wenn man sich ganz eng verbunden fühlt, jeder ist ja auch sein eigener Mensch.

Das Wesen einer Freundschaft ist, dass sie auf absoluter Freiwilligkeit beruht.Aber, gibt es auch Pflichten? „Ja, die gibt es“, beteuert Ayla. „Wenn man eng miteinander befreundet sein will, darf man nie aufhören, die andere zu fragen: ,Wie geht es dir?’“ Und damit meint Ayla nicht das schnelle oberflächliche Nachfragen zwischen Tür und Angel, sondern das richtig von Herzen kommende. „Wie geht es dir?“ Ob das die Frage ist, mit der man mal wieder bei seiner Uralt-Freundin anklopfen sollte? Derjenigen, die einst Kindheitsfreundin war – aber eine richtige Lebensfreundin werden könnte?

Autor: Eva Lehnen

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