7. März 2014
Mein perfektes Wochenende

Mein perfektes Wochenende

Das kleine Training für Ihr großes Wohlfühlglück. Ein Wochenende allein so richtig genießen bringt Sie neu in Balance. Sich einfach fallen lassen, entschleunigen – dann sammeln, Abstand gewinnen, um langsam wieder aufzutanken ...

Frau lacht am Strand
© Thinkstock
Frau lacht am Strand
Und es beginnt eigentlich schon Freitag früh mit der Ahnung, dass der nächste Montag noch endlos weit weg erscheint. Selbst dann, wenn Samstag oder Sonntag doch ein paar Termine auf dem Plan stehen. Das Erstaunliche am Wochenende: Es wirkt auch als Placebo. Weil es nach Freiheit klingt. Was für uns als selbstverständlich gilt, ist eigentlich eine recht moderne Angelegenheit. Bis etwa 1840 gab es gar kein „Wochenende“; nicht nur weil der Sonntag im christlichen Kalender der erste Tag der Woche ist. Sonntag war der freie Tag, das musste genügen, aber der war reserviert – für Gott und Gebet. Dass sich das Wochenende beinahe weltweit durchgesetzt hat, ist Anthony Ashley-Cooper, dem 7. Earl von Shaesbury, zu verdanken. Mit der Industrialisierung hatte sich das Leben der Arbeiter geändert. Denn seitdem unabhängig von Jahres- und Tageszeit in Fabriken gearbeitet wurde, war es aus mit dem natürlichen Dienstschluss – der Dunkelheit.

Freizeit sorgt für Entspannung

Die täglich durchschnittlich 16 Arbeitsstunden hatten Auswirkungen: auf Familienleben, Psyche und Gesellscha. Ashley-Cooper war nicht der Einzige, der erkannte: Das kann nicht gut sein. Aber er war derjenige, der sich durchsetzte. Samstagnachmiag war fortan Betriebspause. Das „Weekend“ war geboren und verbreitete sich. In Deutschland wurde es wörtlich mit „Wochenende“ übersetzt, in Frankreich steht bis heute „le week-end“ im Wörterbuch – wer das jemals einen Franzosen hat aussprechen hören, weiß, wie Verheißung klingt – ist es ja auch. Schon die Römer und Griechen hatten den Wert der Freizeit erkannt: Es war die Zeit, sich zu bilden, zu entspannen, sich weiterzuentwickeln. Recht haen sie. Die besten Ideen kommen nämlich nicht unter Druck, sondern mit Muße.
Und auch wenn zwei Driel von uns am Wochenende zumindest ab und an Dienst haben: Das Wochenendgefühl bleibt. Denn Freitag wird ja im Job schon alles „casual“ – also leger, lässig. Und man fühlt sich bereits fast so „frei“, wie der Tag heißt. Dazu kommt die Vorfreude auf Samstag. Da verlockt die Gewissheit, dass Sonntag noch vor uns liegt. Ein Tag wie eine große Wundertüte, an dem beinahe alles möglich scheint ...

Freitag: "Ich lasse jetzt los"

Es geht endlich los. Wir sind auf der Wochenend-Zielgeraden. Richard Ryan, Psychologieprofessor der Universität von Rochester (USA), bestätigte in einer Studie, dass die Menschen freitags am glücklichsten sind – unabhängig davon, ob sie ihren Job lieben, wie hoch das Gehalt ist, ob sie Single oder liiert sind. Das liegt daran, dass jeder Mensch drei universelle psychische Grundbedürfnisse hat: Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit.
All das lässt sich am Wochenende besser befriedigen. Und weil die Vorfreude nicht nur im Sprichwort die größte Freude ist, ist der Freitag gefühlt nicht nur der Auf- takt zum Wochenende, sondern gleichzeitig sein Höhepunkt – so, wie für Schüler der erste Ferientag das Sahnestück ist. Über Jahrhunderte galt Freitag als Unglückstag. Schließlich steht in der Bibel, dass Jesus da gekreuzigt wurde. Nicht nur am Karfreitag wurde kein Fleisch gegessen, sondern ganzjährig galt das „Freitagsopfer“ – da kam Fisch auf den Tisch. Ernährungswissen- schalich eine kluge Entscheidung. Überhaupt – der Name des Freitags geht auf den römischen Tagesnamen „Dies Veneris“ zurück: „Tag der Venus“, der Liebesgöin. Das klingt nicht nach Unheil à la Freitag, des 13., sondern nach Erfüllung. Das finden Sie zu pathetisch? Macht nichts. Freitag ist schließlich nicht bloß ein Wochentag. Er ist ein Gefühl – und zwar ein verdammt gutes!

Bewusst abschalten

Ruhe da oben! Räumen Sie Ihren Schreibtisch auf bzw. leer. So starten Sie sprichwörtlich aufgeräumt ins Wochenende. Was am Montag zu tun ist, notieren Sie kurz und stecken es in eine Schublade.

Fühlen

Fußmassagen lösen Blockaden im Körper und beruhigen: Verwenden Sie ein erwärmtes Öl (z.B. Sesam), massieren Sie Füße, Knöchel und Waden in kreisenden und ausstreichenden Bewegungen. Dann massieren Sie jeden Zeh einzeln – beginnend am großen. Zum Schluss Füße mit weichem Tuch abreiben oder Socken anziehen ... und ausruhen.

Bewegen

Sanft entschleunigen mit der Yogaübung „Seegras“: schulterbreit hinstellen, die Füße gut geerdet, die Knie locker. Hände auf Bauch oder Brustkorb legen, wo es sich gut anfühlt. Sich vorstellen, man sei ein Seegras, das von den Wellen sanft hin- und hergewiegt wird. Die Wellen gehen durch den ganzen Körper, die Hände und Arme lösen sich, sie schwingen. Dann wieder ruhiger werden – nachspüren.

Sehen

DVD „Freaky Friday – ein voll verrückter Freitag“ (Touchstone, 93 Min., USA 2003): Mütter und Töchter, ein ewiges Thema. Mit Jamie Lee Curtis und der da noch naiven Lindsay Lohan wird daraus eine fluffige Körpertauschkomödie.

Hören

Soul: Der gegurrte Stoßseufzer „Thank God It’s Friday“ des amerikanischen Soul-Barden R. Kelly von 1995 stimmt mit sanft-erotischen Rhythmen in ein traumhaftes Wochenende ein.

Samstag: "Ich ruhe in mir"

Abschalten. Jetzt. Entspannen. Sofort. Ein Samstag bietet dafür die günstigste Gelegenheit! Man muss ihn nur richtig wertschätzen lernen. Und nicht als Terminfriedhof umdeuten – für alles, was Erledigenswertes in der Woche so liegen geblieben ist. Denn wenn wir ehrlich zu uns sind: Es klappt am Samstag meist auch nicht besser und macht zudem die Regenerationsphase zunichte. Mitwuseln im Gedränge der Innenstädte oder im Rhythmus des eigenen schlechten Gewissens ist keine große Kunst – sich bewusst herausnehmen dagegen schon. Wir springen selbst ins samstägliche Laufrad. Also: ruhig atmen. Bewusst gegen Stress entscheiden und es locker nehmen wie das Sams. Das gibt nichts darauf, was andere sagen. Und vor allem: Es plant nicht, lebt spontan – immer im eigenen Tempo.
So wird der Samstag – im Norden der Republik als sonntäglicher Vorbote auch Sonnabend gerufen – ein Erfolg, der dafür sorgt, dass wir bis zum Montag unsere Balance wiedergewonnen haben. Zum Glück sind wir keine Dänen, die den Lørdag als „Waschtag“ wörtlich nehmen. Genießen wir doch einfach den Luxus des Laisser-faire – des Laufenlassens. Der Samstag ist keine Abstellkammer, die unbedingt aufgeräumt werden muss. Es ist der Tag der Woche, an dem wir alles sein lassen können – außer zu sein. Denn erst morgen ist Sonntag.

Riechen

Lavendel Linalylacetat sorgt nicht nur für den charakteristischen Duft, sondern beruhigt das Nervensystem. Öl aus Lavandula angustifolia (Echtem Lavendel) wählen
– aus Wildpflückung. Entspannungsöl auf Mandel-/Sesamöl- Basis (z.B. Weleda) ist top zum Einreiben von Schulter bis Fuß.

Fühlen

Bauchmassagen beruhigen – nicht nur bei Nervosität: vom Nabel aus mit der flachen Hand Kreise im Uhrzeigersinn auf dem Bauch ziehen. Lassen Sie die Kreise größer werden, bis sie den gesamten Bauchbereich umfassen. Verkleinern Sie dann die Bewegung und kommen Sie wieder zum Nabel zurück.

Bewegen

Progressive Muskelentspannung: Augen schließen, locker werden. Mit der Aufmerksamkeit zur rechten Hand gehen, diese zur Faust ballen, 5 Sek. anspannen. Danach bewusst entspannen und den Unterschied wahrnehmen. Sich so nacheinan- der durch alle Körperteile arbeiten – auch das Gesicht nicht vergessen.

Rezept: Rote-Beete-Suppe

FÜR 2 PORTIONEN
  • 250 g rote Zwiebeln
  • 1 EL Olivenöl
  • 250 g vorgegarte Rote Bete
  • 200 ml Rote-Bete-Saft
  • 150 ml Rotwein
  • 1TL brauner Zucker
  • 250 ml Gemüsebrühe
  • 1⁄4 Beet Gartenkresse
  • 1–2 TL Sherryessig
  • 2 TL Zitronensaft
  • 1 TL dunkles Kakaopulver
  • Salz
  • Cayennepfeffer
  • 150 g Joghurt
1. Klein geschniene Zwiebeln 8–10 Min. in Öl dünsten. Ca. 70 g Rote Bete würfeln. Rest mit Sa und Wein pürieren.
2. Zwiebeln mit Zucker kara- mellisieren, mit Wein-Mix ablöschen. Brühe dazu, aufkochen. Rote-Bete dazu, alles 5 Min. köcheln lassen. Kresse abschneiden, im Sieb waschen.
3. Suppe mit Essig, 1 TL Zitronensaft, Kakaopulver, Salz würzen. Joghurt mit Salz, Pfeffer, 1 TL Zitronensa verrühren; auf heiße Suppe löffeln. Mit Kresse bestreuen.
Pro Portion: ca. 250 kcal, 7 g Fett ca. 40 Minuten

Sonntag: "Ich belebe mich neu"

Ich habe herausgefunden, wofür die Woche gut ist: nämlich um sich von langweiligen Sonntagen zu erholen.“ Damit führte Mark Twain den Sinn dieses Tages, der den Namen tatsächlich von der Licht und Leben spendenden Sonne hat, ad absurdum – und hätte ihn doch kaum treffender beschreiben können. Denn zwanghafte Sonntagsrituale galten noch bis in die 1970er-Jahre: von Kleidung (Sonntagsstaat) und Messe über Frühschoppen (Männer) und Bratenzubereiten (Frauen) bis zum Spaziergang, Kaffeetrinken und Abendbrot. Heute können wir selbst entscheiden. Schieben wir Braten in den Ofen, dann weil wir Lust darauf haben. Und wenn wir, wie Durchschnisdeutsche, 257 Minuten vorm Fernseher oder 4,8 Stunden mit Hobbys verbringen, dann ist es unsere Wahl. Küren wir Sonntag also zu unserem Unabhängigkeitstag. Dann kann es ruhig Montag werden.

Bewegen

Locker starten: aufrecht hinstellen, Gelenke lang- sam kreisen. Mit den Handgelenken beginnen, dann Schultern, Hüfte, Wirbelsäule, Füße, Beine, jeweils rechts- und links- herum. Dabei den Bewegungsspielraum erproben.

Fühlen

Kopfmassagen fördern die Konzentration: mit den Fingerkuppen in kreisenden Bewegungen über den Kopf gleiten. Arbeiten Sie sich immer vom Haaransatz zum Hinterkopf und vom Nacken nach vorne vor. Zum Abschluss können Sie mit beiden Händen sanft über Kopfhaut und Haare streichen.

Riechen

Rosmarin bedeutet „Tau des Meeres“. Und mitreißend wie eine Welle weckt er wohlduftend die Lebensgeister. Als Tee bringt er den Kreislauf auf Trab, äußerlich angewendet fördert er die Durchblutung. Und das Beste: Rosmarin ist schier unverwüstlich und überlebt, obwohl er aus dem Mittelmeerraum stammt, selbst unser Krisen-Klima.

Bewusst aktivieren:

Macht wach wie ein Espresso, aktiviert die Lebenskraft: die Atemübung Kapalabhati. Im Schneidersitz einmal tief ein- und ausatmen. Dann halb einatmen und die Luft durch die Nase ausstoßen, Bauchnabel dabei schnell Richtung Wirbelsäule ziehen – als wollten Sie über die Nasenlöcher Kerzen auf einem Geburtstagskuchen ausblasen. Wieder natürlich einatmen. Das Ausstoßen der Luft ca. 20-mal wiederholen. Pause, 5- bis 10-mal normal ruhig und tief weiteratmen.

Hören

Schlager: Das 40 Jahre alte „Immer wieder sonntags“ von Cindy & Bert ist nicht mehr peinlich, sondern ein energetischer Evergreen zum sonntäglichen Mitträllern.

Sehen

DVD „Ein Sonntag auf dem Lande“ (Anamorph, 90 Min., Frankreich 1984): märchenhaftes Meisterwerk für Ihren frankophilen Heimkino-Genuss.

Sonntag: Smoothie "Sanfter Engel"

FÜR 2 PORTIONEN
  • 1 ELChia-Samen(Biomarkt)
  • 50 ml Wasser
  • je1 Orange
  • weiche Birne
  • 1⁄2 Honigmelone
  • 1⁄4 Zitrone
  • 1 Stange Staudensellerie
  • 1 Handvoll Spinat
  • 300 ml Wasser
Deko: 1 Scheibe Honigmelone, Spinatblätter, Holzspieß
1. Chia-Samen über Nacht in 50 ml Wasser einweichen.
2. Orange filetieren, Honigmelone würfeln, Birne vierteln, Zitronenviertel schälen. Mit Chia-Samen samt Einweichwasser in Mixer füllen.
3. Staudensellerie würfeln, mit Spinatbläern, Wasser in Mixer geben. Niedrigstufig starten, dann auf höchster Stufe cremig pürieren.
Pro Portion: ca. 255 kcal, 1g Fett, ca. 10 Minuten

5 Tipps zum Entspannen

"Die größten Ereignisse sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden", wusste schon Friedrich Wilhelm Nietzsche. In diesem Sinne...

1. Halten Sie die Zeit an: „Tee ist Ruhe und nicht Eile“, sagt ein Sprichwort. Allein schon die Zubereitung ist beruhigend und gleicht einer Art Meditation. Melisse wirkt besonders entspannend, es gibt aber auch fertige Relax-Mischungen.
2. Und jetzt alle! Freunde treffen macht glücklich, das ist wissenschaftlich erwiesen. Ob Sie nun gemeinsam kuscheln, kichern oder Kaffee trinken: Was zählt, ist die Geborgenheit, die Sie währenddessen spüren.
3. Gute Reise! Stellen Sie sich einen Ort vor, den Sie mögen – egal ob Sandstrand, Blumenwiese oder Wald. Gehen Sie ins Detail, fühlen Sie mit allen Sinnen. Welche Farbe hat der Himmel, wie riechen die Bäume? Welche Geräusche hören Sie? Was spüren Sie auf der Haut? Fantasiereisen bringen einen ganz schnell ganz weit weg vom Alltag.
4. Huch, schon 23 Uhr? Freuen Sie sich, dass der Wecker morgen früh nicht klingelt. Übrigens. Frauen erholen sich allein schlafend besser, Männer schlummern in Gesellschaft tiefer.
5. Einfacher Trick: Etwas die Mundwinkel heben ist ganz leicht. Und wer gute Laune simuliert, der bekommt auch welche.

5 Tipps für neuen Schwung

Ganz nach dem Yin-und-Yang-Prinzip brauchen Ruhe und Entspannung einen sanften Gegensatz.
1. Guter Plan: Wohin geht die nächste Reise? Wen möchten Sie wieder treffen? Welchen Sport treiben? Breiten Sie Landkarten aus, blättern Sie in Katalogen. Und notieren Sie all Ihre Ideen.
2. Lebenskunst: Spontan eine Ausstellung besuchen, ins Theater gehen oder in eine Kino-Matinee: Kultur hilft, die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.
3. Machen Sie Schluss: Etwas zu beenden und abzuschließen wirkt ungemein befriedigend. Eine Kleinigkeit reparieren oder eine Schublade entrümpeln – das kann so vitalisierend sein.
4. Punkt, Komma, Strich: Figürchen, Kringel, Herzchen, die Sie beim Telefonat zu Papier bringen, sind nutzlos? Von wegen: Kritzeleien machen wach, so eine Studie der Uni Plymouth.
5. Kreativer Kopf: Geben Sie Ihrer Fantasie Form. Egal ob gehäkelte Mütze, neues Rezept oder ein neue Deko für die Fensterbank
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