17. März 2014
Badewonne

Badewonne

Die Badewanne ist viel mehr als nur ein Platz zum Reinigen. Sobald wir eintauchen, kann sie uns genau in die Stimmung versetzen, die uns gerade guttut. Eine Anleitung zum Glücklichsein.

Es gibt zwei Sorten von Frauen. Solche, die gern im Wasser liegen, um nichts weiter zu tun, als zu atmen. Und jene, die finden, dass baden lästigerweise länger dauert als duschen. Baden ist etwa wie allein mit dem Zug reisen. Man kann nicht wirklich etwas tun. Es ist die Lizenz zum Gangrunterschalten, zum Gedankennachhängen, zum Ungestörtsein. Aber im Gegensatz zum Großraumabteil riecht es im wohltemperierten Wasser genau so, wie man es gern hätte. Leicht nach Rose, erfrischend nach Zitrone, kindheitserinnernd an Fichtennadel. Mit Schaumkronen oder ohne.
Die Wanne ist eine Art Schutzwall. Intimzone. Zeit, nur für sich selbst. Schließlich verwandelte schon die Göttin Diana den Halbgott Aktaion in einen Hirschen, weil er sie beim Baden gestört hatte. Selbst schuld. Baden ist ein Ego- trip. Zumindest bei uns. Meine Wanne – ein beherrschbarer Ort, an dem Seele und Körper gleichermaßen gepflegt werden. Entweder nur die empfohlenen 20 Minuten lang, oder aber, bis die Haut ganz weichrunzlig wird.

Die Badewanne ist für mich ganz allein

In Japan sieht das etwas anders aus. Da wird, wenn die Wanne nicht ohnehin so groß ist, dass mehrere Platz haben, noch immer nach Rangliste gewannt. Zuerst die Herren, dann die Damen. Alle nacheinander im selben Wasser. Nicht aus Sparsamkeitsgründen, wie früher bei uns, wo beim Herrn das Wasser sauber und warm, beim Knecht dagegen kalte Brühe war. Es gehört einfach zum Ritual. Es ist Wohlfühlglück, gründlich gewaschen wird sich selbstverständlich schon vorher. Sogar der Besuch darf einsteigen – zum Zeichen der Gastfreundschaft. Bei dem Gedanken fühlt man sich so allein im warmen Wasser doppelt befreit. Denn auch wenn uns oft eingeredet wird, wie romantisch ein Bad zu zweit sei, am besten noch mit Rosenblättern, Kerzenmeer und einem Glas Prosecco – eine haushaltsübliche Wanne ist einfach nicht für mehrere Menschen gemacht – es sei denn, Sie sind gelenkig wie Yogis nach einem halben Jahrhundert Asana-Praxis. Und selbst dann sitzt immer noch einer auf dem Stöpsel.
Also: alle raus hier. Nicht aus Prüderie. Sondern weil es einfach so guttut. Vorweg vielleicht, japanergleich, ein duftendes Peeling. Und dann: Wasser marsch! 36 bis 38 Grad Celsius sollte es haben – Körpertemperatur eben, dann löst es Verspannungen. Und wenn es nicht unbedingt Berge von kleinen Seifenbläschen sein müssen, die das Badewasser länger warm halten: Verzichten Sie lieber aufs Schaumbad. Denn das schadet dem Talgfilm der Haut und trocknet aus. Wenn es für Sie aber der Inbegriff von Entspannung ist: ab in die Schaumkronen und hinterher das Eincremen nicht vergessen! Ohne schlechtes Gewissen übrigens, denn die Tenside, die für die kleinen Bläschen verantwortlich sind, sind heute ökologisch abbaubar.

Schützen Sie ihre Haut

Eine Streicheleinheit dagegen ist Badeöl. Wer gerade keines griffbereit hat, kann sich auch mit Olivenöl behelfen. Es verteilt sich wegen fehlender Emulgatoren nicht gleichmäßig, sondern setzt sich an der Wasseroberfläche in Fettaugen ab. Das beeinträchtigt eventuell das Wohlgefühl, keineswegs aber die pflegende Wirkung. Als ausgleichender Zusatz zum Schaumbad taugt es weniger: Öl lässt die wogenden Kronen in Null Komma nichts verschwinden. Eher für Bade-Puristen, aber durchaus angenehm bei Problemhaut, ist reines Totes-Meer-Salz – das wirkt zum einen entzündungshemmend, strafft zum anderen und spendet dank des hohen Kaliumgehalts jede Menge Feuchtigkeit. Wer es bunter und vor allem wohlig duftend mag, wählt Badesalz. Die typischen Schrumpelfingerkuppen gibt es dabei praktischerweise auch seltener. Das hat einen einfachen Grund: Die Konzentration von gelösten Salzteilchen in den Hautzellen ist je nach Dosierung etwa gleich hoch wie im Badewasser. Dadurch dringt das Wasser kaum in die Haut ein und kann sie somit auch nicht aufquellen.

Milchbäder dagegen wirken rückfettend (lassen sich mit eineinhalb Liter Vollmilch und einer Tasse Honig auch schnell selbst mischen). Und Badetees in Riesenbeuteln mit ihrer reinen Kräuterfüllung helfen je nach Inhaltsstoff gegen Erkältung (Thymian, Rosmarin) oder innere Unruhe (Lavendel). Oder lieber ein Aromabad in der Wunschduftnote? Wer sparsam mit ätherischen Ölen umgeht, reizt seine Haut mit der Wohlfühlnote nicht und kann die stimulierende oder entspannende Wirkung voll auskosten. Und dann los. Kreislaufschonend zuerst kühles Wasser einfüllen, einsteigen, zurücklehnen– und dann heißes Wasser einlaufen lassen. Augen zu. Den Duft atmen. Spüren, wie sich die Poren öffnen. Dazu Musik. Noch besser: ein Hörbuch. Lesen funktioniert in der Badewanne nur mäßig – Lieblingsbücher sollten nicht dem warmen Dampf und duftenden Nass ausgesetzt werden. Und andere sind eines Bades nicht wert. Man will schließlich versinken, im Wasser und in sich selbst.

Entspannung für den Körper

Warmes Wasser entspannt nicht nur den Geist, sondern auch den Körper. Es weitet die Blutgefäße. Nur für Menschen mit Krampfadern oder Herz-Kreislauf-Schwäche ist das nichts, alle anderen profitieren von der besseren Durchblutung. Besonders nach dem Sport. Denn darin heilen kleine Verletzungen der Muskelfasern schneller – dementsprechend fällt der Muskelkater, wenn überhaupt, deutlich schwächer aus. Und danach: langsam aussteigen, die Fußsohlen kurz kalt abspülen. In den Bademantel schmiegen und eine halbe Stunde hinlegen. Das erst macht die Auszeit perfekt. Gwyneth Paltrow hat’s da besonders leicht. Ihre italienische Luxuswanne steht im Schlafzimmer – und auf Platz fünf ihrer Liste der Dinge, ohne die sie nicht leben könnte. Das Faible teilt sie mit ihrem Ex Brad Pitt, designberufener Schauspieler, der mit Gestalter Frank Pollaro unter anderem eine Mega-Badewanne aus venezianischem Marmor in Apfelform entwarf, von der nur drei hergestellt wurden. Wer einmal im Leben in Pitts Wanne mit dem romantischen Namen „Toi et Moi“ („Du und ich“) liegen will, sollte mehrere 10000 Dollar flüssig haben. Dagegen erscheinen die Kosten für ein 38 Grad warmes Vollbad beinahe läppisch: Zwischen 96 Cent (via Gas aufgeheizt) und 1,63 Euro (mit Strom auf Temperatur gebracht) kostet es. Hautärzte raten sowieso davon ab, öfter als zweimal pro Woche in die Wanne zu steigen.
Baden ist und bleibt also Luxus, schon der Haut zuliebe. Und natürlich aus ökologischen Gründen. Wäre ja auch nicht einmal halb so wirkungsvoll, wenn es zum ganz normalen Tagesablauf gehörte wie bei Schauspielerin Elizabeth Hurley, die allabendlich bei Kerzenschein in Jo-Malone-Badeöl mit etwas Meersalz plantscht. Dann würde Baden banal, man röche die Rosenessenz bald nicht mehr, es wäre nur noch eine Angewohnheit. Angenehm, aber nichts Besonderes. Und genau das ist es, was Baden vom Duschen unterscheidet.

Interview: Ganzheitlich wertvoll

vital: Was kann ein Bad grundsätzlich leisten?
Sarah Bühler: Durch die Temperatur – sie liegt bei medizinischen Bädern bei höchstens 33 Grad Celsius – wirkt es kreislaufregulierend, beruhigend aufs zentrale Nervensystem und durchblutungsfördernd. Außerdem entspannen die Muskeln bei einem Vollbad durch den hydrostatischen Druck des Wassers. Die feuchte Wärme hat außerdem positive Einflüsse bei Krämpfen, Koliken und rheumatischen Erkrankungen. Alles andere ist abhängig von der Substanz, die ins Bad gegeben wird.
Sarah Bühler ist Körpertherapeutin im Lanserhof Hamburg und liebt – rein privat – Schaumbäder mit Rosen- und Zedernöl.
Baden wir zu Hause also meist zu heiß?
Aus medizinisch-therapeutischer Sicht schon. Aber zu Hause geht es ja in erster Linie um das Wohlgefühl. Ich liebe persönlich auch heiße Bäder. Allerdings sollte man bei Bluthochdruck darauf verzichten, bei Herzproblemen sowieso. Und bei niedrigem Blutdruck darauf gefasst sein, dass einem sehr schwindelig wird, wenn man aus der Wanne steigt. Im Lanserhof setzen Sie vor allem auf Entgiftung.
Welche Bäder wirken dafür besonders effektiv?
Das Basenbad ist zum Beispiel nach Krankheiten sehr wirkungsvoll. Es besteht aus Mineralsteinen, die zu feinem Pulver zerrieben sind, und wird mit Natron angereichert. Diese Verbindung erhöht den pH-Wert des Wassers. Dadurch werden über die Haut Säuren ausgeschieden. Der pH-Wert der Haut pendelt sich wieder auf gesunde 5,5 ein.
Was bewirken Algenbäder?
Ein Algenbad aus Laminaria digitata, dem Fingertang, trainiert die Haut, fördert die Jodaufnahme und regt den Fettstoffwechsel an, das hat einen straffenden Effekt aufs Gewebe, positiv zum Beispiel gegen Cellulite. Leider müffeln Algenbäder etwas unangenehm, das verhindern wir, indem wir Rosmarin und Minze zugeben. Duft ist schließlich auch ein Wellnessfaktor.
Was sollte mit in die Wanne, wenn man sich einfach schlapp fühlt?
Ätherische Öle aus Minze, Zitrone, Rosmarin, Thymian und Lavendel. Das steckt in unserem Energieölbad, es erfrischt wunderbar und hilft auch bei schweren Beinen und Schwellungen. Und natürlich Salz. Muss es eigentlich ausschließlich Meersalz sein? Nein. Wir verwenden Natursalz aus den Alpen. Ein entgiftendes Salzbad ist übrigens auch ideal, wenn man mal einen Kater auskuriert.
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