6. Juli 2021
30 Tage täglich meditieren - ein Selbstversuch

Selbstversuch: Was bringen 30 Tage Meditation?

Weniger Stress, mehr Entspannung – das erhoffen sich viele Menschen von einer Meditation. Redakteur Jonas Heinrich hat sich dem Selbstversuch unterzogen und einen Monat lang täglich meditiert. Das kam dabei heraus.

30 Tage Meditation: Was soll das bringen?

Als gesundheitsbewusste Person ist auch der Achtsamkeits-Trend nicht an mir vorbeigegangen. Zudem hat das vergangene Jahr mitsamt einschränkenden Corona-Maßnahmen und Social Distancing dafür gesorgt, dass viele Menschen sich wieder vermehrt mit sich selbst und ihrer körperlichen sowie seelischen Gesundheit auseinandergesetzt haben. In Ratgebern, Vorträgen und Zeitungsartikeln wurde man auf die zahlreichen positiven Effekte von Meditation aufmerksam gemacht. Man soll dadurch klarer denken sowie besser schlafen können und sich generell wohler fühlen. Aus Neugierde und Skepsis schaute ich mir wissenschaftliche Daten zu dem Thema an und tatsächlich: Einige Studien zeigen, dass meditative Techniken unser psychisches Wohlbefinden verbessern und Stress reduzieren können, andere sogar, dass Meditationsübungen die Gehirnstruktur verändern können.

Wissenschaftliche Ergebnisse schön und gut, aber wie sieht es in der Praxis aus? Um das herauszufinden, nahm ich mir vor, einen Monat lang täglich zu meditieren. Persönlich erhoffte ich mir von dem Selbstversuch, schneller nach der Arbeit abschalten zu können, den alltäglichen Stress zu reduzieren und wieder leichter einschlafen zu können. Ob ich die 30 Tage durchgehalten und von der Meditation profitiert habe, erfahren Sie im Folgenden.

Challenge: Schaffe ich es, täglich zu meditieren?

Vorhaben sind schön und gut – doch wenn die Umsetzung nicht klappt, bringen auch die besten Absichten nichts. Das kennen die meisten Menschen wohl von Neujahrsvorsätzen. Der beste Schutz vor dem Scheitern ist ein guter Plan mit konkreten Handlungsanweisungen und festen Terminen. Daher lege ich anfangs genau fest, wann ich meditieren möchte und trage dies als Termin in den Kalender ein. An Tagen, an denen ich keinen Sport nach der Arbeit treibe, führe ich direkt zum Feierabend eine Einheit durch. An den anderen Tagen jeweils direkt vor dem Schlafengehen. Außerdem greife ich aus praktischen Gründen nicht zu einem Meditationskurs, sondern zu einer auditiven Meditation, die ich flexibel jederzeit und überall abspielen kann.

Woche 1: Große Motivation, große Erfolge

Höchst motiviert steige ich in die 30-Tage-Challenge ein und suche mir am ersten Tag vor dem Zubettgehen eine passende Meditationseinheit im Audio-Streamingdienst auf dem Smartphone heraus. Mit dem Suchbegriff „Mediation“ werde ich sofort fündig: Eine 10-minütige „Meditation für Anfänger“ – genau das Richtige für jemanden ohne Vorerfahrung. Dank der tiefen, entspannenden Stimme und langsamen Sprechart des Anleiters kann ich mich sofort auf die Meditation einlassen.

Auf der Couch sitzend soll ich mich nacheinander auf meine einzelnen Körperregionen konzentrieren, sie wahrnehmen und möglichst locker lassen. Aufkommende Gedanken über den vergangenen Tag oder sonstige Ereignisse soll ich ohne jegliche Wertung kurz wahrnehmen und in einem gedanklichen Ballon davonfliegen lassen. Das fällt mir anfangs schwer, aber ich gewöhne mich schnell daran. Es hat durchaus etwas Befreiendes, Ereignisse, die normalerweise Sorgen oder andere negativen Emotionen hervorrufen würden, einfach ziehen zu lassen. Ehe ich mich versehe, ist die erste Einheit auch schon vorbei – das ging deutlich schneller als gedacht!

In der ersten Woche ziehe ich es tatsächlich durch und schaffe es, am Wochenende vor dem Einschlafen und an den Werktagen direkt nach der Arbeit zu meditieren. Die zehn Minuten vergehen wie im Flug und gerade an Werktagen fühlt sich mein Kopf im Feierabend deutlich geordneter und sorgenfreier an. So kann es gerne weitergehen!

Wochen 2 und 3: Schwierigkeiten und Zweifel am Selbstversuch

Leider geht der Selbstversuch nicht so reibungslos weiter, wie er begann. Wie so häufig kommt der Alltag dazwischen und arbeitsbezogene, persönliche oder sportliche Termine durchkreuzen an einigen Tagen meine Meditations-Pläne. Ich schaffe es nur noch an vier von sieben Tagen zu meditieren. Wenn der Vereinssport schon eine Viertelstunde nach Arbeitsschluss beginnt, bleibt die Entspannungseinheit leider links liegen. Und vor dem Zubettgehen fehlt mir teilweise schlichtweg der Wille, mir die zehn Minuten zu nehmen. Dennoch merke ich, dass mir jede Meditationssitzung guttut und versuche daher, dranzubleiben. 

Woche 4: Ein Kompromiss

Ich merke mehr und mehr, dass eine tägliche Meditation nicht in meinen Alltag passt. Glücklicherweise spüre ich auch, dass das nicht nötig ist. Denn mir wird bewusst, dass ich Entspannung, Stressreduktion und einen klaren Kopf vor allem beim Sport finde. Der Drang, nach einem typischen 8-Stunden-Arbeitstag sofort die Laufschuhe anzuziehen und mich körperlich zu verausgaben, steht im direkten Konflikt mit der 10-minütigen Meditation. Egal, ob ich zu antreibender Musik joggen gehe und dabei geistig abschalte oder mich beim Mannschaftssport Ultimate Frisbee auspowere – nach einer intensiven Trainingseinheit bin ich glücklich, zufrieden und mein Kopf völlig leer und tiefenentspannt.

Meine persönliche Lösung ist daher folgende: An den Tagen, an denen ich keinen Sport treibe, führe ich weiterhin die 10-minütige Meditation durch, wahlweise direkt nach der Arbeit oder kurz vor dem Schlafengehen. An allen anderen Tagen hilft mir die körperliche Verausgabung dabei, seelisch zu entspannen, den Kopf gänzlich abzuschalten und schneller einzuschlafen.

Fazit: Meditation ja, aber nicht täglich

Wenn Sie nach einem gesunden Ausgleich zu Ihrem stressigen Arbeitsalltag suchen, könnten regelmäßige Meditations-Einheiten genau das Richtige für Sie sein. Die geistige und körperliche Entspannung hilft innerhalb kürzester Zeit und mit minimalem Aufwand dabei, Stress loszuwerden und den Kopf freizubekommen. Probieren Sie daher gerne eine Meditation für Einsteiger aus – im Internet sind zahlreiche kostenlos verfügbar. Allerdings kann jeder Mensch auch mit anderen geeigneten Mitteln dieselben Effekte erzielen. Wichtig ist nur, dass es zu Ihnen und Ihren individuellen Bedürfnissen passt. Musizieren, trainieren, lesen, Musik hören, spazieren oder einfach mit Freunden Zeit verbringen – finden Sie heraus, was Sie wirklich entspannt, Ihrem Körper und Geist dauerhaft guttut und nutzen Sie es für sich. 

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