14. Oktober 2010
Therapie gegen Haarausfall

Therapie gegen Haarausfall

Termindruck, PC-Arbeit ohne Ende: Das kann zu Haarausfall führen. Eine neue Therapie lässt die Haare aber schnell wieder sprießen.

Haarausfall
© Blaj Gabriel - iStockphoto
Haarausfall

Die Geheimratsecken schleichen sich in die Frisur. Auch die lichten Stellen an Scheitel und Wirbel. Was auf den ersten Blick ein typisches Männerproblem scheint, haben auch schon fünf Millionen deutsche Frauen: Spannungshaarausfall (Alopecia Contentionalis) – ausgelöst durch Stress und Muskelverspannungen. Bislang war er nicht so leicht zu besiegen, doch eine neue Therapie kann sich mit ihren Erfolgen sehen lassen. Dr. Hans Bucher, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie in Nürnberg, erklärt die Methode.

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VITAL: Was ist Spannungshaarausfall überhaupt genau?
DR. HANS BUCHER: Diese Spezialform tritt als Folge von Stress und Anspannung der Kopfhaut im oberen Schädelbereich auf. Die Kopfhaut spannt sich stärker über den knöchernen Schädel, die feinen Blutgefäße unter ihr werden zusammengepresst. Dadurch erhalten die Haarwurzeln im oberen Schädelbereich, die von diesen Blutgefäßen versorgt werden, weniger Blut und Sauerstoff. Sinkt die Sauerstoffversorgung unter eine bestimmte Schwelle, lagert sich bei einer erblichen Empfindlichkeit das Hormon Dihydrotestosteron, kurz DHT, an bestimmte Zellrezeptoren an. Die Haarwurzeln verhornen und schrumpfen. Die Wachstumsphasen der Haare in diesem Schädelbereich verkürzen sich. Nach einigen Zyklen können die Wurzeln keine gesunden Haare mehr produzieren, sie fallen aus. Und zwar genau in den betroffenen Regionen.

Passiert das nur bei Gestressten?
Stress ist der Hauptauslöser. Aber auch starke psychische Anspannung oder Konzentration, z.B. bei häufiger Bildschirmarbeit, spielt eine Rolle. Immer dann wird die obere Kopfhautmuskulatur stark angespannt. Häufig leiden die Betroffenen auch unter Nackenverspannungen, Spannungskopfschmerzen oder nächtlichem Zähne knirschen. Ein Teil von ihnen ist fehlsichtig und neigt deshalb zu Kopfhautverspannungen.

Beeinflussen auch hormonelle Umbrüche, z.B. die Wechseljahre, diese Vorgänge?
Ja, die Wechseljahre haben einen gravierenden Einfluss auf den Spannungshaarausfall. Mit dem Östrogenspiegel sinkt die Konzentration bestimmter Eiweißstoffe, die das Hormon DHT binden. Deshalb klagen sogar Frauen, die zuvor keine Probleme damit hatten, in den Wechseljahren plötzlich so oft über Haarausfall.

Helfen Nährstoffpräparate?

Helfen Nährstoffpräparate oder durchblutungsfördernde Mittel?
Nein, weder noch. Durchblutungsfördernde Mittel werden meist als Tonikum aufgetragen und sollen die Kapillargefäße der Kopfhaut weiten. Bekommt diese aber bereits von den darunter verlaufenden Arterien und Arteriolen zu wenig Blut, kann so ein Haartonikum leider auch keine befriedigende Wirkung zeigen.

Was können Betroffene tun?
Zu einem Experten gehen. Misst der Facharzt bei der Elektromyographie mittels Elektroden eine Verspannung der Kopf haut, wird er das lokal wirkende Muskelrelaxans Botulinumtoxin A spritzen. Das geschieht mit einer hauch dünnen Kanüle direkt in den verspannten Muskelbereich unter der Kopfhaut. Das Muskelrelaxans sammelt sich gezielt in den Synapsen zwischen Nerv und Muskel an und blockiert die permanenten Reizsignale. Die verspannten Muskeln entspannen sich bereits innerhalb weniger Tage, Durchblutung und Sauerstoffversorgung der Haarwurzeln normalisieren sich.

ADRESSEN & TIPPS

Mehr Infos: Dr. Hans Bucher, Am Stadtpark 2, 90409 Nürnberg, Tel. 09 11/ 5 69 80 90, www.dr-bucher.com
Risiko-Check, Experten in der Nähe: www.ac-therapie.de,  Info-Tel. 0 71 51/9 86 68 90

Für immer?
Die Erstbehandlung wirkt bis zu sechs Monate. Für eine längere Wirkung empfehle ich im Abstand von je einem halben Jahr zwei bis drei weitere Injektionen.

Wie erfolgreich – und wie teuer – ist so eine Therapie?
Die Erfolgsrate liegt bei über 80 Prozent, der Haarausfall wird nach circa sechs Wochen gestoppt. Bei 60 Prozent der Patienten wachsen die Haare sogar dann nach, wenn sie schon vor ein bis zwei Jahren ausgefallen sind. Manchmal kann es zu vorübergehenden Kopfschmerzen kommen. Der Patient muss für eine Behandlung mit bis zu sechsmonatiger Wirkung circa 600 Euro aus eigener Tasche bezahlen.

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