17. April 2010
So umweltfreundlich sind Kosmetikhersteller

So umweltfreundlich sind Kosmetikhersteller

Viele Kosmetikunternehmen bemühen sich immer mehr um umweltfreundliche Produktionen. Der Earth Day, der in 175 Ländern zum Schutz der Umwelt begangen wird, feierte in diesem Jahr sein 40. Jubiläum. Anlass genug, um bei verschiedenen Unternehmen nachzufragen, wie es um deren Engagement zu diesem Thema steht.

© Marco Marchi - iStockphoto

PRIMA FÜRS KONSUMKLIMA
Tatsache ist, dass das Engagement für die Erde zu einem echten Hit geworden ist – und das nicht erst durch Lieder wie den „Earth Song“ von Michael Jackson. Auch immer mehr Beautyfirmen, von denen man es vielleicht gar nicht erwartet hätte, werben verstärkt mit einem umweltfreundlichen Image und treffen damit den Nerv der Konsumenten – frei nach dem Motto „Grün, grün, grün ist alles, was ich kaufe“. Der aktuelle Duft „pureDKNY“ von Donna Karan steckt z.B. in einem Umkarton aus Recyclingpappe, der mit lösungsmittelarmer Tinte bedruckt und von einer kompostierbaren Holzfaser-Zellophanfolie umhüllt wurde. Tigi Haircare* verspricht mit seiner neuen Haarpflege „Love, Peace & The Planet“: „Niemand muss auf gutes Aussehen oder Styling verzichten, um zur Rettung unseres Planeten einen kleinen Beitrag zu leisten.“ Die Zutaten sind zu 70 bis 85 Prozent pflanzlich, Tuben und Behälter werden überwiegend aus Recycling-Material hergestellt. Auch Procter & Gamble, Hersteller von Marken wie Olaz, Pantene Pro-V, Wella, Max Factor, Gillette oder Escada- Parfüms, kämpft für eine saubere Umwelt, indem er z.B. weniger Kunststoff einsetzt – und erntet dafür jetzt auch erste Lorbeeren: Ende 2009 wurde P&G mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis, der unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel vergeben wurde, in der Kategorie Forschung und Entwicklung ausgezeichnet. Für die meisten ein echter Überraschungserfolg.

Große Hersteller können mehr bewirken

GROSSE HERSTELLER KÖNNEN OFT MEHR BEWIRKEN
Spätestens an diesem Punkt drängt sich bei einigen allerdings die Frage auf: Ist das grüne Mäntelchen vielleicht bei manchen Firmen bloß Marketing? Immerhin stellt Procter & Gamble nicht nur Kosmetik, sondern auch Waschmittel her! „Großkonzerne wie P&G werden immer Angriffspunkte bieten. Aber gerade sie verfügen über die größten Hebel, wenn es um globale Nachhaltigkeitsbemühungen geht. P&G hat früh umgedacht und bewegt sich ambitioniert in die richtige Richtung“, so Stefan Schulze- Hausmann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. Fest steht, dass selbst scheinbar kleine Maßnahmen bei einer weltweit agierenden Firma wie P&G oft erhebliche Wirkung zeigen. Allein durch die Kunststoffreduzierung am Pumpspender der Gesichtspflege „Total Effects“ von Olaz konnten z.B. letztes Jahr beeindruckende 400 Tonnen Plastik eingespart werden. Ein weiterer Faktor, der für die ernsten Absichten von Procter & Gamble spricht, ist sein Einsatz zu Zeiten, als ein sauberer Planet noch längst nicht als schick galt. Schon seit 1972 stiftet der Konzern nämlich selbst einen eigenen Nachhaltigkeitspreis, der mit 3000 Euro dotiert ist und an junge Umweltforscher geht. Auch Thomas Dannenmann, Präsident des Earth Day Deutschland, findet das Engagement der Beautyhersteller P&G und L’Oréal sehr überzeugend: „Beide setzen konsequent unser Motto ,Das Business hat eine Verantwortung‘ um. Wir suchen bewusst nach Kooperationen mit solchen Firmen, damit die Botschaft von einem grünen Lebensstil bei möglichst vielen Menschen ankommt.“

BEIM WORT GENOMMEN: DAS HAT SICH GETAN
Okay, aber was hat L’Oréal denn nun seit seiner Erklärung zum letzten Earth Day bewirkt? Genaue Prozentzahlen für den Gesamtkonzern gibt es im Moment noch nicht, wohl aber zu einzelnen Standorten wie dem Werk in Karlsruhe. „Dort decken wir schon jetzt die Hälfte unseres Bedarfs mit Strom aus Wasserkraft, können so 2010 rund 2000 Tonnen Kohlendioxid einsparen“, sagt Viola Fritsche, Pressereferentin bei L’Oréal. „2011 stellen wir ganz auf Wasserenergie um.“ Was viele nicht wissen, was aber mit Sicherheit auch zu einer guten Ökobilanz beiträgt, ist die Tatsache, dass zum Konzern auch eine ganze Reihe Marken gehören, die schon länger für ihr grünes Engagement bekannt sind – etwa Sanoflore-Naturkosmetik** oder The Body Shop*, der Vorreiter in Sachen Recycling-Verpackungen war. Die L’Oréal- Tochter Kiehl’s* hat das klimaschonende Pump-Haarglanzspray „Climate-Proof Shine Enhancing Non-Aerosol Spray“ und das Duschgel „Aloe Vera Biodegradable Liquid Body Cleanser“ im Programm, das komplett abbaubar ist und dessen Verkaufserlös zu 100 Prozent an die Umweltstiftung JPF Eco Systems geht. Auch eher konventionelle Untermarken wie Garnier werden zunehmend grüner: So stecken „Fructis“-Shampoos jetzt in einer leichteren Flasche, um Plastik einzusparen, und verzichten zum Teil auf Silikon. Die neue „Bio Aktiv“-Pflegeserie trägt das Ecocert-Siegel. Die Tendenz ist also klar: Zurück zur Natur, lautet die Formel für eine saubere Umwelt. Denn je natürlicher unsere Kosmetik ist, desto besser ist sie auch für Wasser, Luft, Erdboden und Klima.

Plan A ist unser Planet

BEI BIO-BEAUTY GILT: PLAN A IST UNSER PLANET
Eine wahre Wohltat für unsere Umwelt ist Naturkosmetik, denn darin sind chemische Zutaten wie Silikon, Paraffin oder Treibgase tabu. Stattdessen werden Pflanzenwirkstoffe aus Bioanbau verwendet, die ohne Pestizide und chemischen Dünger wachsen. Beides ist Gift fürs Klima, weil bei der Herstellung CO2 anfällt und im Boden Lachgas freigesetzt wird. Für Schaum in Shampoos oder Duschgelen sorgen Zuckertenside, die unsere Gewässer nicht belasten. Hinzu kommen jede Menge individueller Umwelttricks der Firmen, mit denen der Respekt vor unserer Erde vorbildlich gelebt wird. Weleda z.B. stellt seinen Mitarbeitern Firmenfahrräder zur Verfügung, mit denen sie Botengänge erledigen können. Der Heilpflanzengarten verfügt über eine Schilfkläranlage und wird mit gesammeltem Regenwasser bewässert. Auch Dr. Hauschka setzt Regenwasser ein, unter anderem als Kühlwasser bei der Produktion oder zum Spülen der Toiletten. Um Hohlräume in Paketen zu füllen, verwendet Dr. Hauschka Luftballons aus Naturkautschuk statt Luftpolsterfolie. Urtekram* beheizt seine Öfen mit Stroh, das im Gegensatz zu Öl oder Kohle kaum Kohlendioxid abgibt, und der Chef geht fünf Kilometer zu Fuß zur Arbeit. Logona* bemüht sich, möglichst wenig zu erhitzen, weshalb alle Shampoos kalt angerührt werden. Lavera* setzt in puncto Verpackung auf einen „Heimvorteil“, denn alle Materialien stammen direkt aus der Region. Auch Alverde* setzt nur Zutaten aus Deutschland ein.

EHRE, WEM EHRE GEBÜHRT?
Fragt sich bloß: Warum wurde eigentlich kein Naturkosmetikhersteller mit dem Nachhaltigkeitspreis bedacht? Außer Alverde*, der in den Top 3 der nachhaltigsten Marken gelandet ist, haben sich nur wenige beworben. Vielleicht liegt es daran, dass Umweltschutz schon seit Jahren so selbstverständlich zum Gedanken von Bio-Beauty gehört, dass niemand auf die Idee gekommen ist. Weleda hat es 2008 versucht, ging aber leer aus. Möglicherweise, weil es nur ein Mittelstandsunternehmen ist? Thomas Dannenmann vom Earth Day: „Bei uns zählt nicht die Größe, sondern das Engagement. Wir würden selbst Minifirmen dafür eine Plattform geben!“

Lade weitere Inhalte ...