20. April 2014
So lässt du deinen Hautzustand testen

Interview: Lassen Sie Ihren Hautzustand testen

Martina Schwieger stellt in ihrer kosmetischen Praxis täglich fest, dass wir unsere Haut kaum kennen.

Hautpflege
© Thinkstock
Hautpflege

vital: Was meinen wir genau, wenn wir von ebenmäßiger Haut sprechen?
Martina Schwieger: Damit ist ein ausgeglichener, gleichmäßiger Hau_on gemeint, frei von Rötungen, Pigmentstörungen, Irritationen – gut versorgt mit Feuchtig-keit, ohne Verhornungen und Grauschleier.

Und wie erhalte bzw. bekomme ich ihn?
Indem Sie erst einmal Ihren persönlichen Hautzustand bestimmen lassen (im Kosmetik-Institut oder vom Dermatologen. Anm. d. Redaktion). Den sollten Sie ab und zu überprüfen lassen. Die Hautfeuchte bestimmt unter anderem, welche Stoffe die Haut überhaupt verarbeitet

Mein individueller und momentaner Hautzustand ist also essenziell?
Ja. Und fast niemand kennt ihn wirklich. Fast alle Frauen sagen, meine Haut ist empfindlich, aber meiner Erfahrung nach ist das fast nie der Fall. Außerdem gibt es das ewige Missverständnis, dass trockene Haut mehr Fett_ braucht. Trockene Haut ist fast immer feuchtigkeitsarm, nicht fett_arm. Zu viel Fett, also eine sehr reichhaltige Pflege, kann bei nicht mehr junger Haut problematisch sein. Sie hat ihre Elastizität verloren, das Bindegewebe ist schwächer, da ist fettreiche Pflege viel zu schwer – die Haut sieht nicht frisch und rosig aus, sondern ma_tt und müde.

Der Hautzustand verrät, mit welchen Wirkstoffen meine Haut überhaupt etwas anfangen kann?
Richtig. Und dann geht man gezielt mit individuellen Formeln vor. Es gibt nicht die eine Wunderrezeptur, die gegen alles und bei jedem wirkt. Etwas verändern werden Sie nur mit gezielten Wirkstoffen, die sich speziell eines Problems annehmen.

Interview: Milde Reinigung , keine fette Pflege

vital: Was sind die häufigsten Ursachen dafür, dass unsere Haut nicht mehr frisch und ebenmäßig ist?
Dr. Pettke-Rank: Mangelnder Lichtschutz, Rauchen und: Wir bleiben bei immer gleichen Cremes. Zum Beispiel erlebe ich oft_, dass Patienten, die früher an Akne gelitten haben, die gleichen Produkte weiterverwenden, obwohl das Problem gelöst ist. Dann zu fette Creme-Grundlagen, zu aggressive Reinigung mit Schäumen und Gelen, vor allem ab dem Klimakterium. Und Unkenntnis des Hautzustands.

Claudia Pettke-Rank
© Claudia Pettke-Rank
Dr. med. Claudia Pettke-Rank ist Hautärztin und Allergologin im Cutaris Zentrum in München

Welche Parameter sind für Sie entscheidend, um die Pflege zu bestimmen?
Welches biologische Alter hat die Haut, wie stark sind die Lichtschäden oder die durchs Rauchen, welche Probleme zeigt die Haut, wogegen will ich etwas tun. Der Markt ist riesig und bevor ich in Pflege investiere, sollte ich wissen, was für mich wirklich Sinn macht.

Was empfehlen Sie grundsätzlich, um reifere Haut ebenmäßig zu erhalten?
Lichtschutz ist das Wichtigste und eine milde Reinigung am Abend mit Milch oder Lotionen. Danach ein Tonic ohne Alkohol. Wenn Ihr Wasser sehr hart ist, lieber Thermalwasser benutzen. Morgens nur mit kaltem Thermalwasser besprühen, abtrocknen. Über Nacht regeneriert die Haut ihre Schutzschicht und Lipide, die sollten Sie am Morgen nicht gleich mit aggressiven Produkten wieder herauswaschen.

Unreinheiten jenseits der 30 und 40 nehmen stark zu. Wie ist das zu erklären?
90 % entstehen durch Überpflegen. Der überwiegende Anteil der Frauen ab 40 hat keine trockene, empfindliche Haut, sondern eine Mischhaut, für die zu reichhaltige Cremes nicht geeignet sind.

Lade weitere Inhalte ...