23. Februar 2010
Schutz für die Haut

Schutz für die Haut

Stress, freie Radikale, Sonne, Umweltgifte: Gegen fast jeden Feind unserer Haut gibt es heute Bodyguards aus dem Cremetopf. Ist so viel Abschirmung eigentlich noch gesund? Die wichtigsten Kritikpunkte auf dem Prüfstand.

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Eiskalt duschen oder lieber mit einer dampfenden Tasse Tee noch mal zurück ins Bett? An einem fahlen Wintermorgen keine schwere Entscheidung. Trotzdem wissen wir: Wenn wir uns immer nur dick einmummeln würden, könnte das auf Dauer unsere Abwehrkräfte schwächen. Um sie zu fördern, müssen wir sie auch ab und zu fordern!

Tipp:

Lieben, aber nicht verzärteln: Wer es mit der Fürsorge für seine Haut übertreibt, schwächt ihre natürliche Widerstandskraft

Bloß in puncto Haut will das den meisten von uns nicht einleuchten. Wer sein Gesicht liebt, der schützt es, lautet das Motto. Dabei ist es gar nicht immer nötig, seine Haut in Watte zu packen. Dr. Johannes Müller-Steinmann, Dermatologe aus Kiel: „Normalerweise ist unsere Haut gegen Umwelteinflüsse gut gerüstet, denn die Hornschüppchen wirken wie eine schützende Mauer. Ein feiner Talgfilm und der Säureschutzmantel sorgen zusätzlich dafür, dass äußere Reize weitgehend an ihr abprallen.“ Auch ein paar neue Studien bringen das, was wir zu wissen glauben, ins Wanken. Praktische Hilfe oder Panikmache? Wir sagen, was Ihre Haut schön weich und gesund hält – und was sie möglicherweise verweichlicht.

Cremes gegen Umweltgifte

Cremes gegen Umweltgifte: Aufräumer oder Reinfall?

Was dunkle Schatten in Hauswände frisst, kann für die Haut nicht gut sein, denken die meisten. Kosmetikhersteller haben deshalb Cremes entwickelt, die die Haut vor Abgasen schützen und sie entgiften sollen. Fakt ist jedoch, dass die Schadstoffbelastung unserer Luft trotz 49 Millionen deutscher Autos rückläufig ist. Lediglich Feinstaub, Stickoxid und Ozon liegen laut Umweltbundesamt öfter über den Grenzwerten. „Wer sein Gesicht abends reinigt, braucht aber trotzdem keine Hautprobleme zu befürchten“, sagt Dr. Johannes Müller-Steinmann, Gefahr sehe ich eher für die Lunge.“ Und was ist, wenn der Teint sensibel oder trocken ist? Dann ist es sinnvoll, die natürliche Barriere zu stärken, weil in diesem Fall die Hornschüppchen aufgesprungen sind und die Haut durchlässiger machen. Das kann aber im Prinzip jede Creme, denn schon Fett bildet einen Schutzfilm auf der Haut. Wirkstoffe gegen Umweltgifte sind eher ein Extra- Bonbon. Ginkgo z.B. fördert die Sauerstoffaufnahme und wappnet die Zellen durch seine Flavonoide gegen Angriffe von außen. Proteine aus Moringabaumkernen und Phytinsäure aus Reis können Quecksilber und Kadmium aufnehmen, sodass sie sich nicht mit dem Talg verbinden.

PRODUKTE: z.B. „Skin Therapy Day Shield SPF 30“ von Lancaster mit Ginkgo, 30 ml ca. 35 Euro; „Hydra Floral Anti-Pollution Crème Hydratante“ von Decléor mit Moringa-Protein, 40 ml ca. 47 Euro, www.decleor.com; „Skin Yoga Detoxifying Skin Treatment“ von Artdeco mit Phytinsäure aus Reis, 50 ml ca. 19 Euro.

Frei Radikale

Freie Radikale: Fang mich doch! Oder besser nicht?

Bei „Wer wird Millionär?“ wäre diese Antwort richtig gewesen: Freie Radikale sind aggressive Sauerstoffteilchen, die Zellen zerstören. Doch das stimmt nur zum Teil. Freie Radikale haben auch gute Seiten, helfen z.B. bei der Bildung von Hormonen und bekämpfen Entzündungen. Eine gewisse Portion ist sogar nötig, um unsere Widerstandskraft gegen ein Übermaß an freien Radikalen zu erhöhen, ähnlich wie bei einer Impfung.

Wissenschaftler der McGill- Universität in Montreal raten deshalb davon ab, freie Radikale künstlich zu bekämpfen, etwa durch Vitaminpillen. Ihre These: Der Körper ist selbst in der Lage, sich gegen oxidativen Stress zu verteidigen – wenn man ihn nur lässt. „Das ist an und für sich auch richtig“, sagt Dr. Andreas Erber, Biochemiker bei Optolind. „Bedingt durch Umweltveränderungen wie das Ozonloch werden wir heute aber mit viel höheren Dosen an freien Radikalen konfrontiert als früher. Dadurch ist unser Körper ähnlich überfordert wie eine Feuerwehr, wenn mehrere Brände gleichzeitig ausbrechen. Dann müssen weitere Löschzüge eingesetzt werden.“

Nachhilfe ist also nötig, doch dabei gilt: „Möhren statt Multivitamine“. Eine Studie der Berliner Charité ergab, dass Vegetarierinnen einen höheren Gehalt an Radikalfängern in der Haut hatten und jünger aussahen. Die Versorgung mit Antioxidantien klappt aber nicht nur über die Ernährung, sondern auch mit Pflege. Dr. Andreas Erber: „Interessanterweise schützt sich unsere Haut auch selbst von außen, indem sie z.B. Vitamin E über den Talg abgibt.“ Wer sich gegen freie Radikale wappnen und die eigene Abwehr dagegen nicht mindern will, sollte also viel Obst essen und eine Creme mit Vitamin E, Coenzym Q10 oder Polyphenolen aus Früchten nehmen.

PRODUKTE: z.B. „Optolind Empfindliche Haut Beruhigungs-Serum“ von Hermes mit Vitamin E, 30 ml ca. 20 Euro; „Anti-Falten NaturAktiv Tagescreme“ von Olaz mit Trauben, 50 ml ca. 9 Euro; „Aqualia Antiox 24 h Feuchtigkeitspflege Antioxidativ Pro-Youth“ von Vichy mit Zitrus-Polyphenolen, 50 ml ca. 20 Euro; „Anti-Ageing Aufbau- Creme“ von Sebamed mit Coenzym Q10, 50 ml ca. 11 Euro.

UV-Strahlen

UV-Strahlen: Schattenseiten des täglichen Sonnenschutzes

Sonne gilt als Altmacher Nummer eins. Etwa 80 Prozent unserer Falten gehen auf ihr Konto. Deshalb steckt in fast allen Tagescremes der Lichtschutz gleich mit drin. Praktisch, sollte man denken. Doch in letzter Zeit mehren sich kritische Stimmen. „Wer im Winter nur mal mittags kurz um den Block geht, ist mit einer Pflege ohne UV-Filter deutlich besser bedient“, sagt Dr. Nicolai Worm, Ernährungswissenschaftler aus München. „Von Oktober bis April ist der Einfallswinkel der Sonne so flach, dass wir mit einem übertriebenen Lichtschutz unsere Versorgung mit Vitamin D gefährden. Das wird nämlich zu 95 Prozent durch Sonnenkontakt gebildet.“ Tatsächlich liegt laut Berliner Robert Koch-Institut bei knapp 60 Prozent der Deutschen ein Mangel an Vitamin D vor, der auf lange Sicht zu Osteoporose, Infektanfälligkeit, Herzinfarkt und sogar zu Krebs führen kann. Hinzu kommt, dass durch eine ganzjährige Verwendung von UV-Filtern das Risiko steigt, eine Allergie dagegen zu entwickeln. Ein paar chemische Filter können sogar hormonartig wirken.

Und was ist mit Hautkrebs? „Es klingt zwar paradox, aber wenn man sich täglich ein paar Minuten ungeschützt der Sonne aussetzt, ist man dadurch oft sogar weniger anfällig für ein Melanom, denn das bräunende Pigment Melanin bewirkt, dass die UV-Strahlen nicht so tief eindringen können“, sagt Dr. Nicolai Worm. Ähnlich schützend wirkt die Lichtschwiele, eine leichte Verdickung der Hornschicht, die sich nach kurzen, regelmäßigen Aufenthalten in der Sonne bildet.

Trotzdem: Ein Aufruf zum Sonnenbaden sind diese Fakten auf keinen Fall. Im Sommer, auf der Skipiste oder bei längeren Spaziergängen sollten Sie auf jeden Fall eine Sonnenmilch oder Tagescreme mit UV-Schutz benutzen. Dr. Nicolai Worm: „Auch wer im Winter auf eine Pflege ohne Lichtschutz umsteigt, sollte seine Haut ganz langsam an die Sonne gewöhnen. Beginnen Sie mit wenigen Minuten, die Sie auf 10 bis 20 Minuten am Tag steigern. Danach unbedingt schützen.“

PRODUKTE ohne UV-Schutz: z.B. „Eubos Sensitive Hyaluron Repair & Fill“ von Dr. Hobein, 50 ml ca. 18 Euro; „Skin Repairer“ von Moanui, 200 ml ca. 22 Euro, www.moanui.de; „Eclat d‘Hiver Winterpflege“ von Dr. Ricaud, 40 ml ca. 20 Euro, www.ricaud.com; „frei AntiAge+ Hyaluron Vital Tagespflege“ von Walter Bouhon, 50 ml ca. 24 Euro.

Psychischer Stress

Psychischer Stress: Seelenbalsam aus dem Cremetopf

Wenn sich bei Hektik die Haut rötet, kann eine Praline gute Nervennahrung sein. Aber Anti-Stress-Cremes, die mit Endorphin-Vorstufen, Immortellen-Extrakt oder Schokowirkstoffen über die Haut Glückshormone erzeugen sollen? Da fühlt man sich doch durch den Kakao gezogen. „Dass äußerlich aufgetragene Zutaten Auswirkungen aufs Gehirn haben, halte ich für unwahrscheinlich“, bestätigt Dr. Birgit Kunze, Hautärztin aus Hamburg. Trotzdem kann Anti-Stress-Pflege happy machen – das aber eher über den Duft und die Streicheleinheiten, die wir uns beim Eincremen gönnen. Clever wirkt auch Pfingstrosen-Extrakt: Er legt sich schützend über die Enden der Hautnerven, sodass der Neurotransmitter„Substanz P“, der bei der Entstehung von roten Flecken eine Rolle spielt, nicht andocken kann.

PRODUKTE: z.B. „Natursôme Nature Effect Fluid“ von Annemarie Börlind mit Immortellen-Extrakt, 50 ml ca. 45 Euro; „Crème de Choc“ von Payot mit Kakao-Endorphinen, 50 ml ca. 40 Euro, www.payot.de; „Happylogy Night Glowing Overnight Treatment“ von Guerlain mit Pro-Endorphinen, 50 ml ca. 94 Euro; „Hydra Zen Neurocalm Gel-Crème“ von Lancôme mit Pfingstrosen-Extrakt, 50 ml ca. 52 Euro.

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