11. Mai 2011
Schönmacher für die Haut

Schönmacher für die Haut

Sie helfen gegen trockene Haut, Falten und einen müden Teint: Glyko-Wirkstoffe aus Zucker sind die neuen Multitalente in der Kosmetik. "Naschen" Sie sich schön!

Frau auf dem Bett
© jalag-syndication.de
Frau auf dem Bett

Zugegeben: dass Zuckerwirkstoffe Haare und Haut schöner pflegen, weckt Zweifel. Zu viel Süßes macht dick und Zähne löchrig, das weiß doch jeder. Wie kann das gut für die Haut sein? „Doch“, sagt Guylaine Le Loarer, Forschungsleiterin bei der Naturkosmetikfirma Börlind. „Besonders Zucker in Form von Polysacchariden, also Zuckerverbindungen, die viel Feuchtigkeit spenden können, werden immer öfter in Cremes eingesetzt – ein echter Beautytrend.“

Frau sitzend auf dem Bett
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Frau sitzend auf dem Bett

Aus gutem Grund: Schließlich stecken in unserer Haut von Natur aus viele Zucker-Kombis. Sie sind zum Beispiel wichtig, um Feuchtigkeit zu binden, liefern Energie für Stoffwechselvorgänge und stabilisieren das Bindegewebe. Darüber hinaus ermöglichen sie es den Zellen, miteinander zu kommunizieren. Denn deren feine Oberflächen-Antennen sind mit Zuckerstoffen überzogen. Diese Rezeptoren funktionieren wie eine Uniform, an der sich Zellen erkennen und Botschaften austauschen. Die noch relativ neue Glyko-Medizin (vom griechischen „Glykos“ für „süß“) entwickelt bereits Medikamente, die gezielt an diesen Rezeptoren andocken.

Kommt vielleicht demnächst auch eine Zuckerpille für schöne Haut auf den Markt? Das klingt verlockend, aber diese Medaille hätte doch bestimmt eine Kehrseite. Schließlich hören wir seit Jahren, dass Zucker mit den Jahren unser Bindegewebe verhärten kann. Und auch dagegen bieten die Hersteller eine Menge Cremes auf. Heißt es also: gute Zucker, schlechte Zucker? Wir haben uns für Sie schlau gemacht. Damit Sie die Pflege finden, die Ihrer Haut das Leben versüßt und Sie lange schön hält.

Was macht der Zucker in den Zellen?

Bonbons im Glas
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Bonbons im Glas

Diabetiker können ein Lied davon singen: Ein ständig erhöhter Blutzuckerspiegel führt zu Zellschäden, weil sich überschüssiger Zucker an den Wänden anlagert. Ähnliches kann passieren, wenn mit zunehmendem Alter unser Stoffwechsel träger wird oder wir zu viel Zucker essen: Bei einem Glykose-Überschuss docken freie Zuckerteilchen an die elastischen Fasern der Haut an. Dies nennt man Glykation oder Verzuckerung. Sie macht die Fasern starr und unbeweglich, es entstehen leichter Falten. Beautyforscher entwickeln seit Jahren immer neue Wirkstoffe, um diesen Prozess aus zubremsen. Zum Beispiel „Carnosin“, das die Glykose einfangen und an sich binden soll (z. B. „Derm AoxSerum“ von La Roche-Posay, 30 ml ca. 32 Euro; „Olifting“ von Medipharma, 50 ml ca. 12 Euro). Oder den Wirkstoff „Bay Cadar“ aus einem indischen Baum, der die Produktion körpereigener Reparaturproteine fördern soll, die die Zuckermoleküle wieder von den elastischen Bindegewebsfasern trennen (z. B. „UC Line Repair Tagescreme“ von Chanel, 50 ml ca. 95 Euro). Besteht das Risiko, dass die Zuckerwirkstoffe in Cremes die Verhärtung des Bindegewebes fördern? Guylaine Le Loarer: „Nein, denn es handelt sich meistens um Mehrfachzucker, und die sind viel zu groß, um bis ins Bindegewebe vorzudringen.“ Werden Einfachzucker eingesetzt, hat man in der Regel vorher nachgewiesen, dass sie keine Glykation bewirken.

Zucker auf der Haut
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Zucker auf der Haut

Die Haut hat gut vorgesorgt: Natürliche Feuchtigkeitsmagnete, auch NMFs (Natural Moisturizing Factor) genannt, regulieren die Wasserbindung in ihrer äußeren Hornschicht. Zu diesen NMFs gehören neben Aminosäuren, Harnstoff und Mineral salzen auch Zuckerverbindungen. Moderne Cremewirkstoffe, die diesen „Hautzuckern“ sehr ähneln – z. B. Pentavitin aus Traubenzucker –, unterstützen die Aufgaben der NMFs: Sie verbinden sich mit der Hornschicht und intensivieren die natürliche Feuchtigkeitsspeicherung. Wissenschaftler haben aber noch mehr Power in Zuckerwirkstoffen entdeckt: Der Zuckeralkohol Gluco-Glycerol beispielsweise kann die Bildung winziger natürlicher Wasserkanäle (Aquaporine) in den Membranen der Hautzellen fördern. Das verbessert die Durchfeuchtung bis in tiefere Schichten, polstert die Haut schön auf und strafft. Was viele Laien nicht wissen: Auch der beliebte Faltenglätter Hyaluronsäure ist eine Zuckerverbindung! Ebenso Alginat: Der aus Braunalgen gewonnene Wirkstoff kann, ähnlich wie Hyaluronsäure, weit mehr als das 100-fache seines Eigengewichts an Wasser binden. Der Haferzucker versorgt die Haut ebenfalls mit Feuchtigkeit. Und der Einfachzucker Rhamnose regt sogar gezielt die Bildung elastischer Fasern im Bindegewebe an und erzielt so einen Liftingeffekt.

PRODUKTE: mit Pentavitin: z. B. „Faces My Age Kühlender Augen Roll-On” von Lavera, 7 ml ca. 13 Euro. Mit Gluco-Glycerol: z. B. „Nivea Reichhaltige Bodymilch mit Hydra IQ“ von Beiersdorf, 400 ml ca. 4 Euro; „Eucerin Aquaporin Feuchtigkeitspflege” von Beiersdorf, 40 ml ca. 16 Euro. Mit Hyaluronsäure: z. B. „Anti-Aging Repair Balsam“ von Pharmos Natur, 50 ml ca. 84 Euro. Mit Alginat: z. B. „Regenerations Serum“ von Dr. Hauschka, 30 ml ca. 40 Euro. Mit Haferzucker: z. B. „Lift Fermeté“ von Clarins, 200 ml ca. 49 Euro. Mit Rhamnose: z. B. „Liftactiv” von Vichy, 50 ml ca. 29 Euro.

Glyko-Wirkstoffe bringen die Haut in Urlaubslaune

Zuckerstangen
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Zuckerstangen

Hinter dem Kürzel DHA verbirgt sich ein Einfachzucker, der auch im menschlichen Körper vorkommt. „Dihydroxyaceton“, so sein voller Name, ist der wichtigste Stoff in Selbstbräunern, denn er reagiert mit Eiweißbestandteilen in der äußeren Hornschicht der Haut, die sich nach drei bis sechs Stunden braun verfärbt. Da sich die Haut ständig erneuert und abschilfert, verblasst die Bräune allerdings nach einigen Tagen wieder. In Selbstbräunern wird DHA heute meist mit dem ähnlich gebauten Wirkstoff Erythrulose kombiniert. Diesen sogenannten Ketonzucker gewinnt man biotechnologisch, z. B. aus Getreide. Sein Vorteil: Erythrulose bräunt zwar erst nach etwa 24 bis 48 Stunden, aber die Bräune wirkt gleichmäßiger und hält etwas länger.

PRODUKTE: z. B. „Sunshine Body Lotion” von Dove, 250 ml ca. 4 Euro; „Ambre Solaire Selbstbräunungsgel” mit Karamell von Garnier, 150 ml ca. 8 Euro; „Soleil Prodigieux Gesicht“ von Nuxe, 40 ml ca. 21 Euro.

Pflege-Peeling zum Selbermachen

Für unwiderstehlich zarte Lippen je 1 Teelöffel Haushaltszucker und Honig verrühren, bis eine Paste entsteht. Für einen seidenglatten Körper je 2 EL Rohrzucker und Olivenöl nehmen. Paste mit kleinen, kreisenden Bewegungen in die feuchte Haut einmassieren, bis sich der Zucker löst. Abspülen, fertig!

In Zuckerrüben und Zuckerrohr steckt eine natürliche Beauty-Säure, die zu den Fruchtsäuren (Alpha-Hydroxy-Säuren, kurz AHAs) gehört. Heute weiß man: Von allen AHAs hat Glykolsäure die kleinste Molekülgröße und kann deshalb bis in tiefere Bereiche der Oberhaut eindringen. Dabei wirkt sie wie ein chemisches Peeling, das die Kittsubstanzen zwischen den Hornzellen auflockert und graue Hornschüppchen von der Hautoberfläche löst. Effekt: ein feiner, frischer Teint. Hoch dosiert (bis zu 70 Prozent) wird Glykolsäure als chemisches Peeling nur von Hautärzten angeboten – gegen Sonnenschäden, Falten oder Akne. Wesentlich schwächer konzentriert steckt Glykolsäure in Anti-Age-Cremes (ca. 5 bis 10 Prozent) oder in Pflegeprodukten für unreine Haut, die meist zur kurmäßigen Anwendung empfohlen werden. Die Zuckersäure löst verstopfte Talgdrüsen, Mitesser, reduziert die Dicke der Hornschicht und erhöht den Feuchtigkeitsgehalt. Gleichzeitig regt Glykolsäure die natürliche Hauterneuerung an und macht die Haut dadurch straffer und glatter.

PRODUKTE: Mit Glykolsäure: z. B. „glyco mask” von niume Skin Technologie, 10 ml ca. 39 Euro; „Blemish + Age Defense” gegen Pickel und Fältchen von Skinceuticals, 30 ml ca. 70 Euro; „High Peel“ von Lierac, 40 ml ca. 34 Euro.

Zuckertenside schonen Haut & Umwelt

Haar waschen
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Haar waschen

Sie beseitigen Make-up und Schmutzpartikelchen restlos, werden auch von empfindlicher Haut gut vertragen und komplett biologisch abgebaut. Logisch, dass Kosmetikhersteller vermehrt Zuckertenside (z. B. aus Zuckerrüben oder Ahornsirup) in Reinigungsprodukten und Shampoos einsetzen. Die sanften Saubermacher können aber noch mehr: z. B. als Emulgatoren Wasser und Öl zu einer geschmeidigen Creme verbinden, was von allein nicht funktionieren würde. Außerdem geben sie der Creme eine besondere Struktur, die der äußeren Hornschicht ähnelt. Dadurch werden die Pflegestoffe darin besonders gut aufgenommen. Andere Zuckertenside festigen das Haar. In vielen Stylingprodukten ersetzen sie inzwischen die bislang Halt gebenden Kunststoffpolymere: Die Zucker dringen in das Haar ein, binden Feuchtigkeit und festigen es von innen.

PRODUKTE: z. B. „Derma Genesis erfrischendes Gel-Mousse” von L’Oréal Paris, 150 ml ca. 5 Euro; „Falten Expert 3D Tiefe Falten Pflege” von Diadermine, 50 ml ca. 9 Euro; „Apfelmilch Shampoo” von Lavera, 250 ml ca. 6 Euro; „Seide Regenerations Shampoo bei strapaziertem Haar“ von Börlind, 200 ml ca. 8 Euro; „Fructis Style Color Schutz Haarschaumfestiger” von Garnier, 150 ml ca. 3 Euro.

Sugar-Gel
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Sugar-Gel

Geschmolzener Zucker ist ein super Trick, um unerwünschte Härchen loszuwerden. Weil die klebrige Paste jedes einzelne umschließt, wird es mitsamt der Wurzel entfernt – in Wuchsrichtung. Das ziept weniger als das Epilieren mit Heißwachs (da wird gegen die Wuchsrichtung gerupft). Klar, dass „Sugaring“ DER neue Spa-Trend ist. Passend dazu werden Zuckerpeelings und – ganz neu – Zuckermassagen angeboten. Beim Massieren mit Zuckergel entsteht ein Vakuum-Effekt, der die Haut bis in tiefere Schichten aktiviert. Das regt Mikrozirkulation und Stoffwechsel an, macht die Haut rosig-frisch und herrlich glatt. Infos und Spa-Finder z. B. auf www.comfort-sugaring.de, Tel. 03 31/29 75 29.

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