26. Januar 2010
Richtilinien für Inhaltsstoffe von Kosmetik-Produkten

Neue Richtlinien für Inhaltsstoffe von Kosmetikprodukten

Alles muss raus! Das gilt nicht nur beim Schlussverkauf, sondern immer öfter auch für Kosmetik, die jetzt ohne Paraffin, Parabene oder Ammoniak auskommt. Wodurch werden sie ersetzt? Und: Sind die Neuen wirklich besser?

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Ohne! Das ist das Schlagwort der aktuellen Kosmetiksaison. Während man früher Cremes und Shampoos vor allem danach aussuchte, was an Wirkstoffen drin war, ist die Liste der Zutaten, die nicht im Produkt stecken, heute oft genauso lang. Doch was sind überhaupt Polyethylenglykole, Parabene oder Aluminiumsalze, auf die neuerdings so oft verzichtet wird? Ist diese Entwicklung eine sinnvolle Kurskorrektur oder nur eine Modewelle?

Fest steht, dass alle Stoffe, die ausgemustert werden, eins gemeinsam haben: Sie klingen ganz schön chemisch. Und genau darin liegt schon der erste Grund für ihr Verschwinden, denn in Naturkosmetik sind exakt dieselben Zutaten tabu. Rund 600 Millionen Euro gaben die Deutschen allein im Jahr 2008 für Bio-Beauty aus. In Parfümerien legte der Verkauf um satte 20 Prozent zu. Konventionelle Kosmetikhersteller, die da mithalten möchten, müssen sich ein Stück weit anpassen. „Dass synthetisch hergestellte Inhaltsstoffe immer öfter aus der Rezeptur genommen werden, passiert vor allem auf Druck der Verbraucher“, bestätigt Dr. Scarlet Sustmann, wissenschaftliche Beraterin bei der Apothekenmarke Eubos. „Dabei sind viele der umstrittenen Stoffe aus wissenschaftlicher Sicht sicher, auch wenn sie abgelehnt werden.“

Bei konventioneller Kosmetik gilt deshalb jetzt: Weniger ist mehr

Ein weiterer Faktor, der die große Austauschwelle angefacht hat, ist die Zunahme von Allergien – für die wiederum ein Teil der ausrangierten Zutaten verantwortlich gemacht wird. In Pflegeprodukten für sensible Haut macht der Trend also Sinn, auch wenn er in diesem Segment nicht ganz neu ist. Aber warum nimmt ein Hersteller wie L’Oréal Ammoniak aus seinen Haartönungen? Heißt das, dass die Zutaten generell schlecht sind? VITAL hat mit Produktentwicklern und Forschern über mögliche Problemstoffe und ihre Alternativen gesprochen.

Parabene

Parabene: Andere Konservierungsstoffe sorgen jetzt für lange Haltbarkeit

Konservierung? Da denkt man spontan an Konservendosen: lange haltbar, aber nicht gerade gesund. Kein Wunder, dass das Image von Konservierungsmitteln nicht das beste ist. Das gilt besonders für Parabene, die im Jahr 2004 für sehr viel Wirbel sorgten. Eine Studie der englischen Universität Reading hatte damals ergeben, dass Brustkrebstumore teilweise stark durch Parabenrückstände belastet waren. Diese würden vermutlich aus Deos und Körperpflege stammen. Dieser schlimme Verdacht hat sich so aber nicht bestätigt. Die Deutsche Krebsgesellschaft gab im April 2009 bekannt, dass parabenhaltige Kosmetik höchstwahrscheinlich nicht der Verursacher sein kann.

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Klimaerwärmung, belastetes Essen, Sommersmog: Da wächst in uns die Sehnsucht nach Reinheit und Natürlichkeit. Die meisten Frauen wünschen sich deshalb eine möglichst pure Kosmetik ohne Zutaten, die Probleme verursachen können

Abschließende Untersuchungen stehen aber jetzt noch aus. Bewiesen ist allerdings etwas anderes: Die japanische Uni Kyoto hat entdeckt, dass ein bestimmtes Paraben, das Methylparaben, in Kombination mit Sonnenlicht die Faltenbildung fördert. Ein weiterer Grund, der Beauty-Firmen dazu bewegt, Parabene aus ihren Produkten zu entfernen, ist die Tatsache, dass etwa 2 Prozent der Deutschen allergisch dagegen sind. „Da deren erste Anlaufstelle meist die Apotheke ist, haben wir Parabene aus all unseren Produkten herausgenommen und durch andere Konservierungsstoffe ersetzt – meist durch PHENOXYETHANOL“, erklärt Dr. Scarlet Sustmann von Eubos. Ein weiterer Konservierungsstoff, der relativ häufig statt Parabenen verwendet wird, ist die SORBINSÄURE, die auch in Vogelbeeren vorkommt. Aber sind die Alternativen auch wirklich verträglicher? Dr. Johannes Geier vom Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK) in Göttingen, bei dem die Daten von 40 Hautkliniken gesammelt und ausgewertet werden: „Aus allergologischer Sicht ist besonders der Einsatz von Phenoxyethanol zu begrüßen, da es kaum Menschen gibt, die auf diesen Stoff reagieren. Bei Sorbinsäure ist die Rate vergleichbar mit der bei den Parabenen.“ Hersteller wie Caudalie setzen auf Tricks statt Parabene. Ein Viertel der Produkte enthält KEIN WASSER, so dass Keimen auch ohne Konservierung der Nährboden entzogen wird. Außerdem werden nur TUBEN und LUFTDICHTE FLASCHEN verwendet, damit der Inhalt nicht mit Fingern und Sauerstoff in Kontakt kommt.

Polyethylenglykole

Polyethylenglykole: Diese Emulgatoren sind überraschend leicht austauschbar

In der Zutatenliste sind sie auf Anhieb zu erkennen, weil sie die Großbuchstaben „PEG“ im Namen tragen. Ansonsten sind Polyethylenglykole eher eine große Unbekannte. Dabei stecken sie als Emulgatoren in vielen Cremes und werden in fast allen Shampoos und Duschgels als Reinigungssubstanz eingesetzt. Größter Haken:

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Sie reagieren nicht nur im Produkt selbst mit Fett und Feuchtigkeit, sondern auch auf der Haut. Dadurch soll die Haut durchlässiger für Schadstoffe werden und beim Duschen oder Haarewaschen stärker austrocknen. „Belege dafür gibt es aber nicht“, sagt Dr. Anette Bürger, Leiterin der Produktentwicklung bei Florena. „Trotzdem haben wir unsere Produktrange komplett überarbeitet. Statt PEGs verwenden wir jetzt ZUCKEREMULGATOREN, die aus verschiedenen Pflanzenzuckern und Fettsäuren gebastelt werden.“ Andere Alternativen, die gern eingesetzt werden, sind LEZITHIN, das meist aus Soja hergestellt wird, und GLYZERINFETTSÄUREESTER. Darin wird Feuchtigkeit bindendes Glyzerin mit einer Fettsäure aus Kokosöl verbunden. Beide Stoffe sind so sanft, dass sie einzeln sogar als Pflegezutaten eingesetzt werden.

Ammoniak

Ammoniak: Ganz ohne Haarschädigung geht's auch mit Ethanolamin nicht

Beerenduft statt dicker Badezimmerluft: Nach diesem Motto funktioniert eine neue Generation von Colorationen, die die Haare ohne Ammoniak färbt, das für seinen stechenden Geruch bekannt ist. Trotzdem war dieser chemische Stoff lange Zeit unersetzlich, da er in der Lage ist, die Schuppenschicht des Haares zu öffnen. Und das ist nötig, damit die Farbvorstufen aus der Coloration und Wasserstoffperoxid, das die eigenen Pigmente zerstört, ins Innere geschleust werden können. Dort reagieren sie miteinander zu einer neuen, dauerhaften Farbe. Gut für extreme Farbwechsel und zur Grauabdeckung – aber schlecht fürs Haar, denn das Aufbrechen der Schuppenschicht greift es stark an. Der Austauschstoff, der jetzt immer öfter die Rolle des Ammoniaks übernimmt, heißt ETHANOLAMIN. Er hat nicht nur den Vorteil, geruchlos zu sein, so dass in die Färbung integrierte Duftstoffe sich besser entfalten können.

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Rund 60 Prozent der deutschen Frauen färben ihre Haare. Statt Ammoniak enthalten einige Färbungen jetzt Ethanolamin

Er ist auch sanfter zum Haar – allerdings nur einen Hauch. Im Prinzip arbeitet Ethanolamin nämlich genauso wie Ammoniak, indem es als Türöffner für die neuen Pigmente die Schuppenschicht des Haares aufquellen lässt. Um den Färbeprozess noch schonender zu machen, steckt meist auch weniger Wasserstoffperoxid in ammoniakfreien Produkten. Hört sich erst mal gut an, hat aber auch Folgen. Zum einen handelt es sich bei den neuen Haarfarben streng genommen nicht um dauerhafte Färbungen, sondern eher um Intensivtönungen, deren Farbbrillanz im Laufe der Zeit verblassen kann. Zum anderen sind keine so drastischen Farbsprünge möglich wie bei Produkten mit Ammoniak, denn da Ethanolamin die Haare weniger stark aufbricht, können die Pigmente auch nicht so tief ins Haar eingelagert werden. Hinzu kommt, dass durch den reduzierten Wasserstoffperoxidgehalt keine intensive Aufhellung des Haares möglich ist. Dafür müssen Sie auch weiterhin zu klassischen Colorationen oder Blondierungen greifen.

Aluminiumsalze

Aluminiumsalze: Mit Know-how den Geruchsstopper in Deos auswechseln

Vor fünf Jahren brachte ein heiß diskutiertes Thema die Hersteller von Deos ins Schwitzen: Aluminiumsalze, die Sie in der Zutatenliste an dem Begriff „Aluminium Chlorohydrate“ erkennen können, sollten die Entstehung von Alzheimer begünstigen. Da ist aber nichts dran. Fakt ist: Aluminiumsalze verengen die Schweißdrüsen, so dass die Achseln trockener bleiben. Bei empfindlicher Haut kommt es dadurch manchmal zu Rötungen und Pickeln. Außerdem können sie auf Baumwollwäsche gelbe Flecken hinterlassen. Das war’s aber auch schon. Das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin gibt jetzt Entwarnung: Die Aufnahme von Aluminiumsalzen durch die Haut ist so gering, dass Deos als Auslöser für Alzheimer ausscheiden. Also: in dubio pro Deo.

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Aluminiumsalze in Deos können die Haut reizen, sind aber ungefährlich

Wer trotzdem auf Nummer Sicher gehen will oder eine sehr sensible Haut hat, nimmt am besten ein Produkt, das mit einer Wirkstoffkombination Aluminiumsalze umgeht. TRIETHYL-CITRATE, ein Verwandter der Zitronensäure, senkt den pH-Wert der Achselhaut und verhindert dadurch eine Zersetzung des Schweißes an der Luft. ZINK-RIZINOLEAT umhüllt die Geruchsmoleküle – und ruck, zuck können wir sie nicht mehr wahrnehmen. TALK saugt Nässe wie ein Puder auf. Den Schweiß-fluss drosseln können diese Stoffe aber nicht.

Silikon

Silikon: Für den Glattmacher gibt es jede Menge Ersatz

Cremegrundlage, Faltenfüller, Schutzstoff und Glanzspender für die Haare: Die Aufgaben, die Silikon in der Kosmetik erfüllt, sind so vielfältig, dass dafür nicht nur ein oder zwei, sondern sehr viele Alternativen entwickelt werden mussten – je nach Einsatzgebiet. Trotzdem ist es gelungen, eine Reihe von Ersatzstoffen zu finden, die weitgehend natürlich und umweltfreundlich sind. Um auch ohne Silikon eine angenehm leichte, nicht fettende Pflegebasis anbieten zu können, setzen konventionelle Beauty-Hersteller meist ein industriell bearbeitetes Pflanzenwachs ein, das ISOPROPYL PALMITATE heißt. Da es an der Hautoberfläche bleibt, sollten Sie allerdings darauf achten, dass es nicht im oberen Drittel der Zutatenliste auftaucht. Sonst könnte es passieren, dass der Talgfluss unter dem Wachsfilm ins Stocken gerät und Sie dadurch Pickel bekommen. Ein anderer Ersatzstoff, der in letzter Zeit immer beliebter wird, ist NEOPENTYL GLYCOL DIHEPTANOATE – eine Verbindung aus Alkohol und Traubenkern-Fettsäuren, die stark an Silikon erinnert. Sie fühlt sich ähnlich geschmeidig an und bildet auch einen Film auf der Haut, der vor Feuchtigkeitsverlust schützt. Der Clou ist aber, dass dieser sozusagen „perforiert“ ist, ähnlich wie eine Plastiktüte für Möhren, die ja auch Feuchtigkeit abgeben. In dem Neopentyl-Glycol-Diheptanoate-Schutzmantel befinden sich überall winzige Löcher, durch die Schweiß verdunsten und Talg abfließen kann. Dadurch kann die Haut darunter nicht so leicht aufquellen und austrocknen wie unter Silikon. Um silikonfrei Falten zu kaschieren, setzen einige Hersteller MAISSTÄRKE ein, die sich gezielt in den Fältchen ablagert und dort wie ein Mini-Schwamm Feuchtigkeit bindet. Auch HYALURONSÄURE polstert kleine Falten mit extra viel Feuchtigkeit auf. In Shampoos und Spülungen kann Silikon manchmal die Haare beschweren, auch wenn das bei modernen Varianten immer seltener der Fall ist. Raffinierten Ersatz haben Hersteller wie Garnier z. B. in Polymeren aus ZELLULOSE gefunden. Das sind Moleküle aus Pflanzenfasern, die sich gezielt in Form von Schnüren an brüchige Stellen schmiegen, statt das Haar komplett zu umwickeln und fest zu versiegeln. Bei L’Oréal Professionnel übernimmt diesen Part KAKAOBUTTER, die besonders für feines, trockenes Haar super ist. Der Clou: Sie liefert Schutz, Glanz und Pflege in einem Aufwasch! Ein Plus für die Umwelt sind die neuen Silikon-Alternativen auf jeden Fall, denn im Gegensatz zu Silikon sind sie leichter biologisch abbaubar.

Paraffin

Paraffin: Eine grüne Alternative für die Pflege aus Erdöl

Was Festes, das lange hält: So wünschen wir uns unseren Lippenstift. Damit das auch klappt, wird meist Paraffin als Basis genommen, da es Fett liefert und gleichzeitig eine cremig-feste Konsistenz hat. Aber auch in Cremes wird dieses preisgünstige, aus Erdöl gewonnene Fett häufig eingesetzt – und sorgt leicht mal für Frust. Das liegt daran, dass Paraffin die Haut luftdicht abdeckt, so dass sie sich wie unter einer Plastiktüte erwärmt und schwitzt. Zu oft und in zu hoher Dosis angewandt, macht Paraffin die Haut trocken und schuppig, und wir haben das Gefühl, wir müssten schnell wieder nachcremen.

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Dadurch entsteht ein Teufelskreis, der besonders von Lippenpflegestiften bekannt ist. Zu viel Paraffin schädigt die Barriereschicht der Haut – das bestätigt jetzt auch eine Studie der Uni Stockholm. Optimale Austauschstoffe sind Pflanzenfette, die erst auf der warmen Haut flüssig werden, wie z. B. KOKOSÖL. Auch BIENENWACHS sorgt für Schutz und Stabilität. In Lippenstiften wird auch häufig auf ERDWACHS, fachsprachlich „Ozokerit“ genannt, umgestiegen. Dahinter verbirgt sich jedoch nichts anderes als eine gehärtete Form von Paraffin. Die Behauptung „ohne Paraffin“ ist zwar nicht wirklich gelogen – aber gemogelt. Gemischt mit viel Pflanzenöl ist Erdwachs aber okay.

Pflegeprodukte ohne "Problemstoffe"

Pflege ohne „Problemstoffe“

  • „Fructis Volumen Re-Struktur Aufbau-Spülung“ von Garnier, ohne Silikon, ohne Parabene, 200 ml ca. 2 Euro

  • „Casting Creme Gloss Colorationen“ von L’Oreal Paris, ohne Ammoniak, ca. 11 Euro

  • „Sensitive Hyaluron Repair & Protect Tagescreme“ von Eubos**, ohne Parabene, ohne PEGs, ohne Silikon, ohne Paraffin, 50 ml ca. 25 Euro

  • „Primal Pigments Pure Botanical Lippenstift“ von Raw Natural Beauty*, ohne Paraffin, ohne Silikon, ohne Parabene, ca. 15 Euro

  • „Celluli-Stop Konzentrat“ von Thalgo*, ohne Paraffin, ohne Parabene, ohne PEGs, 125 ml ca. 57 Euro

  • „Deo Pure Natural Protect“ von Biotherm, ohne Aluminiumsalze, ohne Parabene, 75 ml ca. 19 Euro

  • „Pulpe Vitaminée Sérum gegen Falten“ von Caudalie*, ohne Paraffin, ohne Parabene, 30 ml ca. 35 Euro

  • „Hautöl Citrus“ von Kneipp, ohne Parabene, PEGs, Silikon, Paraffin, 100 ml ca. 8 Euro

  • „Essential Color Colorationen“ von Schwarzkopf, ohne Ammoniak, ca. 8 Euro

  • „Nachtcreme mit Aloe Vera“ von Florena, ohne Paraffin, ohne Silikon, ohne PEGs, 50 ml ca. 4 Euro

  • „Balsam Deo Sensitive Roll-on“ von Sebamed, ohne Aluminiumsalze, ohne Parabene, 50 ml ca. 4 Euro

  • „Optolind Sanfte Körperlotion“ von Hermes**, ohne Parabene, ohne PEGs, ohne Silikon, ohne Paraffin, 200 ml ca. 12 Euro

  • „Anti-Falten-Intensiv Serum“ von Dr. Scheller, ohne Parabene, ohne PEGs, ohne Silikon, ohne Paraffin, 30 ml ca. 14 Euro

  • „Shampoo Abondance de Cacao“ von L’Oréal Professionnel*, ohne Silikon, 250 ml ca. 13 Euro

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