17. Februar 2014
Reine Kopfsache

Reine Kopfsache

Schönes Haar braucht eine gesunde Basis. Doch unsere Kopfhaut pflegen wir meist zu nachlässig oder gar nicht. Der kluge Ansatz für gesundes Wachstum, für Glanz und Spannkraft heißt: zurück zu den Wurzeln.

Frau mit braunen Haaren
© Jalag-Syndication
Frau mit braunen Haaren

Volles, glänzendes und gesundes Haar wünscht sich jeder, und die wenigsten haben es. Es hängt alles mit der Kopfhaut zusammen“, sagt Berthold Kempf, Kopfhautspezialist von Kérastase im unterfränkischen Hösbach. Sein Kollege Dimitri Dimitrakoudis aus Hamburg ergänzt: „Eine gesunde Kopfhaut ist der Schlüssel zu gesundem Haar. Je entspannter die Kopfhaut ist, desto mehr Glanz und Spannkraft bekommt das Haar.“ Eigentlich logisch, und doch behandeln wir unsere Kopfhaut (immer noch) wie eine No-go-Area.

Dabei ist sie viel durchlässiger als unsere Gesichtshaut. Sie hat viel mehr Poren, die durch die größeren und zahlreicheren Haarfollikel viel aufnahmefähiger sind. Und sie reagiert sogar noch empfindlicher auf Stressfaktoren. Tendenz steigend. 41 Prozent der Europäerinnen bezeichnen ihre Kopfhaut als sensibel, dokumentiert die Studie „Beauty Care Women“ 2012. Über 60 Prozent der Deutschen haben nach aktuellen Studien Probleme mit der Kopfhaut „So wie Allergien zunehmen, nehmen auch die Störungen der Kopfhaut zu“, weiß Berthold Kempf aus der täglichen Erfahrung im Salon. Die Ursachen sind vielfältig: Medikamente, einseitige Diäten, zu viel Industriefood, emotionaler Stress, hormonelle Veränderungen oder sogar Störungen der Schilddrüsenfunktion. Kommt noch tägliches Styling dazu, Zug auf die Haarwurzeln durch strenges Zurückbinden zum Beispiel, heißes Föhnen oder Glätten, meldet die Kopfhaut Alarm. Und das muss sich nicht immer durch Jucken, Brennen oder Schuppen äußern.

„Auch bei gesunder Kopfhaut empfehle ich zweimal jährlich eine Mesotherapie mit Vitaminen, durchblutungsfördernden Substanzen und pflanzlichen Wachstumsfaktoren, die auch ein besseres Haarwachstum zur Folge haben können. Die Kopfhaut wird perfekt durchfeuchtet, wieder in Balance gebracht, die Haarwurzel gestärkt, und das Haar profitiert von der gesunden Basis. Gerade in der trockenen Luft im Winter – draußen und drinnen – ist die Kopfhaut besonders gestresst und kann durch die Mesotherapie Verbesserung erfahren. Auszuschließen sind Kopfhauterkrankungen, sie gehören natürlich separat und adäquat behandelt.“ - Dr. Wolfgang Niederdorfer, Dermatologe

Hormone verändern die Kopfhaut

Bis zu 40 Prozent der Frauen ab 30 haben inzwischen mit dünner werdendem oder sogar ausfallendem Haar zu kämpfen. „Seit vier Jahren kommen verstärkt Frauen zu uns in die Praxis, die sich zum Thema gesunde Haare und Kopfhaut beraten lassen. Darunter sind viele junge Frauen, die nach einer Schwangerschaft und dem Hormonumschwung unter dünnem Haar leiden beziehungsweise unter Haarausfall. Aber auch mit dem Alter wird das Haar feiner und die Angst vor Haarausfall größer. Auch durch zu viel Pflege leiden bestimmt 60 Prozent der Patienten unter einer überpflegten Kopfhaut, die aus dem Gleichgewicht geraten ist“, so Dr. Wolfgang Niederdorfer, Dermatologe in München. „Häufig korrespondieren Gesichts- und Kopfhauttyp. Das sollte man auch bei der täglichen Pflege der Haare nicht vergessen.“ Die meisten Spezialisten empfehlen sogar, der Kopfhaut die gleiche Aufmerksamkeit zu widmen wie dem Teint.

Die richtige Produktanwendung machts

Zählen Sie mal nach: Wie viele Gesichtsprodukte haben Sie – und wie viele für die Haare bzw. die Kopfhaut? „Es ist doch leicht vorstellbar, dass zum Beispiel eine trockene Kopfhaut und fettiges Haar nicht mit nur einem Produkt zurechtkommen“, sagt auch Katrin Hauser, Teamleiterin medizinisch-wissenschaftliche Information bei René Furterer. „Außerdem wird zu wenig auf die korrekte Anwendung, zum Beispiel die Einwirkzeit, geachtet. 99 Prozent aller Probleme entstehen durch falsche Anwendung.“

Reine Haarpflege war also gestern, jetzt ist die „Scalpcare“ dran. Und die beginnt mit einer Reise zurück zu den Wurzeln. Am besten bei einem Trichologen (entstanden aus dem Altgriechischen von „trix“ bzw. „trichos“ für Haar). Er beschäftigt sich – als ein Teilgebiet der kosmetischen Dermatologie – mit der Kopfhaut, den Haarwurzeln und dem Haar. In dieser Reihenfolge! Oder in Salons der Kopfhautspezialisten von Furterer, Kérastase oder La Biosthetique. Immer steht hier die Kopfhautanalyse an erster Stelle. Bei La Biosthetique werden bei jedem Termin Abdrücke von der Kopfhaut genommen und mit einer „Soll“-Tabelle verglichen. Wie viel Fett, Feuchtigkeit bleibt an den kleinen Patches hängen, wie viele Schuppen, wie sehen sie aus, klein, groß, trocken, ölig?

Die Kopfhaut steht im Mittelpunkt

„Unsere Shampoos reinigen und pflegen nicht primär die Haare, sondern die Kopfhaut“, sagt Frank Köster vom La Biosthetique Salon in Hamburg. Er empfiehlt sogar, bei dichtem, dickem Haar zweimal zu waschen, damit die Pflegestoffe (Feuchtigkeit, ätherische Öle) wirklich an die Wurzel gelangen. Im Kérastase-Institut erledigt die Analyse eine Kopfhautkamera, die Bilder aus den drei Schichten der Haut liefert. Das Bild gleicht einer Landkarte aus verschiedenen Feucht- oder Trockengebieten, harschen Wüsten oder schroffen Gebirgen oder eben einem gepflegten Garten, in dem das Schilf kräftig und elastisch wächst und hin- und herschwingt. Grundsätzlich geht es um die gleichen Dinge wie beim Teint: Die Schutzbarriere der Haut wiederherzustellen, für die Balance aus Feuchtigkeit und Fett und eine aktive Durchblutung zu sorgen, damit Nährstoffe bis zu den Haarwurzeln transportiert werden.
Lade weitere Inhalte ...