29. September 2010
Regenwaldpflanzen für die Schönheit

Regenwaldpflanzen für die Schönheit

Die Ureinwohner nutzen die geheimnisvollen Kräfte der Urwaldpflanzen seit Jahrhunderten. Jetzt bauen auch Beauty- Firmen sie in viele Haar- und Hautpflegeprodukte ein.

Frau im Regenwald
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Frau im Regenwald

Regenwälder zählen zu den beeindruckendsten Lebensräumen unserer Erde. Nirgendwo sonst existiert eine so große Vielfalt an Pflanzen. Allein im Amazonas gebiet, so schätzt man, leben 200 000 Arten, von denen bislang erst sehr wenige erforscht wurden. Diese werden vor allem zum Herstellen von Medikamenten genutzt, aber auch Beauty-Firmen entdecken immer mehr Regenwaldpflanzen, die Haut und Haare pflegen.

Die Acaibeere beispielsweise enthält viele Polyphenole. Sie schützen die Zellen vor freien Radikalen. In Andirobaöl aus Urwaldpalmen stecken straffende Wirkstoffe, Babassu öl spendet viel Feuchtigkeit, Cat’s Claw (Katzenkralle) und Cashewnüsse helfen super gegen Falten und trockene Haut.

VITAL stellt Ihnen hier die besten Regenwaldwirkstoffe für unterschiedliche Hautprobleme vor. Und wir haben bei den Firmen nach - geforscht, wie sie ernten, ohne der Natur zu schaden. Beruhigend: Für die Schönheit muss kein Baum sterben. Genutzt werden vor allem nach wachsende Rohstoffe von wild wachsenden Pflanzen: Früchte, Kerne, Nüsse oder sich neu bildende Luftwurzeln, meist gesammelt unter ökologischer Kontrolle. Und ab 2011 verspricht ein neues Siegel Sicherheit beim Einkauf – das ist mal ein Fortschritt!

Acai: beerenstark gegen freie Radikale

Acai (Euterpe precatoria) heißt eine Palme, die in verschiedenen Regionen des Amazonasgebiets vorkommt. Unter Beauty-Experten gilt die Acaibeere als neue Superfrucht zur Haut- und Haarpflege. Ihre Kombination der Vitamine A, C und B1 mit Polyphenolen macht sie zu einem der effektivsten Radikalfänger, gleichzeitig enthält sie reichlich pflanzliche Proteine, Mineralien und Aminosäuren. Ein perfektes Energiebündel, um zum Beispiel strapazierter Haut Feuchtigkeit zuzuführen, sie zu beruhigen und zu klären oder durch Blondierungen gestresste, spröde Haare zu regenerieren und zu schützen. Seitdem die energetischen Eigenschaften der Acaibeere wissenschaftlich nach gewiesen wurden, stieg die Nachfrage in Brasilien stark an. Die Ureinwohner schätzen den nährstoffreichen Saft der Früchte wegen seiner viel fältigen Wirkungen traditionell schon viel länger. „Acaiwein“ heißt er bei den Indios; ein köstliches Getränk, mit dem sie auch Pürees – aus Maniok, Banane oder Fisch – verfeinern.

Produkte: z.B. „Inten sive Renewal Face Serum“ von Snowberry, 15 ml ca. 110 Euro; „Acai Damage-Correcting Moisturizer“ von Kiehl’s, 60 ml ca. 52 Euro; „Blond Gloss Shampoo“ von Nivea, 250 ml ca. 3 Euro; „Fructis Kräftigende Farbschutz-Spülung“ von Garnier, 200 ml ca. 3 Euro

Babassuöl hilft bei Mischhaut

Closeup Frau
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Expedition ins Pflanzenreich: Im feuchtwarmen Klima am anderen Ende der Welt wachsen wahre Schätze für die Pflege von Kopf bis Fuß

Unentschieden? Babassuöl hilft bei Mischhaut

Die Babassupalme (Orbignya phalerata) wächst im Nordosten Brasiliens und wird mehr als 20 Meter hoch. Aus ihren kokosnussähnlichen Früchten gewinnt man ein zart-gelbes Öl, das besonders trockenes Haar pflegt und die Haut geschmeidig hält. Babassuöl ist bei Temperaturen unter 22 Grad Celsius fest, schmilzt aber sofort beim Auftragen auf die Haut und hat dadurch einen angenehm kühlenden Effekt. Gleichzeitig verleiht es ein weiches, seidiges Gefühl. Das Öl ist reich an Vitaminen – B1, B2 und antioxidativem E – und enthält gesättigte und ungesättigte Fettsäuren, die den Feuchtigkeitsgehalt der Haut be wahren und antibakteriell wirken. In Lotionen oder Cremes für Mischhaut pflegt Babassuöl trockene und raue Partien ebenso wie fettige und zu Pickelchen neigende Zonen.

Produkte: z.B. „Faces Balancecreme Bio-Calendula, Normale und Mischhaut“ von Lavera, 30 ml ca. 8 Euro; „Hydro Active Balancer für Mischhaut“ von Dr. Grandel, 50 ml ca. 27 Euro; „Silk Comfort Verwöhnende Tagespflege“ von Nivea, 50 ml ca. 16 Euro; „Moisturizing After Sun Gel-Cream“ von Marbert, 150 ml ca. 17 Euro

Andirobaöl kann den Body straffen

Bis zu 25 Meter hoch streckt sich der Andirobabaum (Carapa guianensis Aubl.) in den Urwaldhimmel Brasiliens. Aus den Samen lässt sich ein wertvolles Hautöl mit antiseptischen Eigenschaften gewinnen, das die Waldbevölkerung und die Flussbewohner der Region verwenden, um Entzündungen, Quetschungen, Prellungen und Hautkrankheiten zu behandeln. Es dient bei ihnen auch als Sonnenschutzmittel. Andirobaöl kann aber noch mehr, als Wehwehchen zu lindern: In Bodypflegeprodukten soll es die Durchblutung stimulieren, den Feuchtigkeitsgehalt der Haut regulieren und die Silhouette glätten und straffen. Etwas mühsam ist die Gewinnung des Öls: Weil die Bäume vorwiegend an Flussufern wachsen, fallen die Samen meistens ins Wasser und treiben fort, wenn man nicht aufpasst. Die Einheimischen fischen sie heraus, kochen sie auf und lagern sie dann etwa zwei Wochen lang zum Trocknen. Anschließend wird das Öl der Samen mit Hilfe einer einfachen Presse extrahiert.

Produkte: z.B. „Minceur Café Vert Spezialpflege gegen Cellulite“ von Yves Rocher, 200 ml ca. 30 Euro; „Huile Corps Sensation D’Amazonie 461“ von Maria Galland, 100 ml ca. 34 Euro; „Secrets of Amazonia Massageöl“ von Aldo Vandini, 100 ml ca. 8 Euro

Cashewnüsse verwöhnen trockene Haut

Frau im Wasserfall
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Aus dem Dschungel in den Tiegel: Früchte und Nüsse aus dem Urwald liefern tolle Wirkstoffe für seidiges Haar und einen ebenmäßigen Teint

Natürliche Entfaltung: Katzenkralle

Im südamerikanischen Regenwald windet sich die Cat’s Claw (Uncaria tomentosa), auf Deutsch: Katzenkralle, bis hoch ins Blätterdach. In Anti-Age-Cremes aktiviert der antioxidative Extrakt der Kletterpflanze das natürliche Abwehrsystem der Haut, hilft ihr bei körpereigenen Reparaturvorgängen und unterstützt den Aufbau neuer gesunder Zellen. Glykoside aus dem Extrakt der Liane erfrischen und beruhigen den Teint. Die Bewohner der Amazonasregion kennen die Wurzeln und Rinde dieser Urwaldpflanze schon seit Jahrhunderten als hochkarätiges Heilmittel zur Stärkung des Immunsystems und der Gesundheit. Kein Wunder, dass sich die Katzenkralle zum bekanntesten und am besten erforschten Einzelgewächs des Regenwalds entwickelt hat. 1994 wurde sie von der Weltgesundheitsorganisation als Medizinpflanze anerkannt.

Produkte: z.B. „Superdefense SPF 25 Age Defense Moisturizer“ von Clinique, 50 ml ca. 43 Euro; „Happy Aging Cream“ von Martina Gebhardt, 50 ml ca. 23 Euro, „Crème Luxe 1000“ von Maria Galland, 50 ml ca. 300 Euro

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Cashewnüsse verwöhnen trockene Haut

Nachdem die Portugiesen den Cashewbaum (Anacardium occidentale) in Brasilien entdeckt hatten, kultivierten sie ihn in ihren Kolonien in Afrika und Asien. Heute ist Indien der weltweit größte Produzent von Cashewnüssen. Die leuchtend roten Früchte des Cashewbaums sind reich an Vitaminen, Mineralien und vor allem kraftvollen Antioxidantien, die zellschädigende Radikale schachmatt setzen. In der Kosmetik kommt die konzentrierte Pflanzenpower unter anderem als frisch gepresster Cashew-Fruchtsaft zum Einsatz, um den Teint vor vorzeitiger Hautalterung zu schützen. Cashewnuss-Öl oder -Butter bringt den Hydrolipidfilm der Haut ins Lot – ideal zur Pflege trockener Körperpartien, spröder Hände und Füße: Sie werden mit dem nussigen Wirkstoff intensiv verwöhnt, er macht die Haut wieder elastisch und geschmeidig. In Lateinamerika schenkt man die Früchte des Cashewbaums traditionell als Beigabe zur Hochzeit, um die Schönheit der Braut zu bewahren. Der Saft der Früchte – er wird dort auch zu Konfitüre und in Goa zu Schnaps verarbeitet – schmeckt ein wenig säuerlich mit einem Hauch von Apfelaroma.

Produkte: z.B. „Xingu High Antioxidant Prevention Serum“ von Santaverde, 30 ml ca. 90 Euro; „Crème Jeunesse des Pieds – intensiv pflegende Fußcreme“ von Clarins, 125 ml ca. 23 Euro; „Riche Creme Antifalten Verwöhn-Nachtpflege mit 30 kostbaren Ölen“ von Yves Rocher, 50 ml ca. 13 Euro; „Handy Gurugu Handcreme“ von Lush*, 100 ml ca. 11 Euro

Alles in Butter bei sensiblem Teint

Schöne Beine
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Multitalent: Mit Andiroba-Öl kriegen nicht nur die Zellen ihr fett weg, es schützt auch vor Insektenstichen

Cupuaçu: Alles in Butter bei sensiblem Teint

Im Amazonasgebiet wächst auch der Cupuaçu (Theobroma grandiflorum), ein Baum aus der Kakao-Familie, der bis zu 20 Meter Höhe erreichen kann. Die Früchte reifen in der Regenzeit von Januar bis April, nach der Ernte gewinnt man aus ihnen Cupuaçubutter. Ihr gehaltvoller Mix an essenziellen Fettsäuren, Vitamin E und Phytosterolen wird auch von empfindlicher Haut bestens vertragen, er hält sie elastisch und samtzart. Cupuaçubutter zieht schnell ein, bindet viel Feuchtigkeit in der Haut und unterstützt ihre natürlichen Regenerationsprozesse. Für die Indios – und auch die Tiere des Regenwalds – haben die Cupuaçufrüchte aber noch ganz andere Qualitäten: Sie mögen das cremige, exotisch schmeckende Fruchtmark vor allem als kulinarische Spezialität. In Brasilien und Peru bereitet man daraus frischen Saft, Eiscremes, Joghurts, Marmeladen und Torten zu – alles absolute Verkaufsschlager auf den heimischen Märkten.

Produkte: z.B. „Sandalwood- Jasmin Body Lotion“ von Neobio, 150 ml ca. 8 Euro; „Daily Care Körperlotion Vanille-Orange“ von Alva, 150 ml ca. 7 Euro; „Thermal Tagescreme“ von Speick, 50 ml ca. 8 Euro; „Kinder Haut Ruhe Badeöl“ von Eubos, 125 ml ca. 9 Euro; „Beruhigende Feuchtigkeitsmaske“ von Jafra, 75 ml ca. 25 Euro; „Inthenso geschmeidige Körperbutter“ von Guam, 250 ml ca. 32 Euro

Kerniger Beauty-Snack

Super für festes Bindegewebe und geschmeidige Haut: Einen eiweißreichen Bio-Joghurt mit einem Esslöffel Sanddornsaft (Vitamin-C-Wunder!) verrühren und ein paar gehackte Cashewkerne daruntermixen.

Schutz für den Regenwald

Frau im Regenwald
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Frau im Regenwald

Schutzschirm für den Regenwald

  • Bei zertifizierter Naturkosmetik kann man so gut wie sicher sein, dass kein Raubbau betrieben wird. Die verwendeten Pflanzen stammen aus ökologisch kontrollierter Wildsammlung oder von schonend bewirtschafteten Bio-Plantagen. Viele Beauty- Firmen engagieren sich zudem vor Ort mit Fair-Trade- Projekten, die den Lebensunterhalt der einheimischen Bevölkerung sichern und ihre Lebensbedingungen verbessern. Zum sozialen Engagement gehört oft auch, dass ein Teil des Verkaufserlöses an örtliche Umweltschutzorganisationen oder Entwicklungshilfeprojekte gespendet wird.
  • Wer ganz sicher gehen will: Ab 2011 soll das von Umweltschützern wie dem WWF entwickelte und jetzt erweiterte „FairWild“-Gütesiegel am Produkt auf den ersten Blick signalisieren, dass nicht nur die sozialen und Fair-Trade- Kriterien, sondern auch die ökologischen Anforderungen – z.B. das nachhaltige Sammeln der Pflanzen – erfüllt werden.
  • Techno-Trick bei konventioneller Kosmetik: In ihr stecken oft gar keine Originalzutaten aus dem Regenwald. Die Beauty - Forscher untersuchen und analysieren die Pflanzen zwar vor Ort, um ihre effektiven Wirkstoffe für Haut und Haare aufzuspüren – bauen diese aber später im Labor biotechnologisch nach.
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