26. Oktober 2011
Pflege-Tipps für sensible Haut

Pflege-Tipps für sensible Haut

Sensible Haut verhält sich wie eine kleine Diva. Man darf ihr nicht zu nahe kommen, sonst reagiert sie leicht gereizt. Hier erhalten Sie die besten Tipps und Tricks, wie Sie sie wieder in den Griff bekommen.

Hautpflege
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Hautpflege

Stress, ungesunder Lebensstil, hormonelle Umstellungen machen sensibler Haut zu schaffen. Aber auch UV-Strahlen, Kälte, Wind und trockene Heizungsluft setzen ihr zu. „All das kann die hauchdünne Barriereschicht schädigen, die eine Art Schutzwall bildet. Ist sie gestört, wird sie durchlässiger für Reizstoffe, Bakterien und Keime“, erklärt der Berliner Allergologe Dr. Martin Miehe vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen.

Laut einer Studie der Universität Hamburg gaben 44 Prozent der Frauen an, unter empfindlicher Haut zu leiden. Tendenz steigend. „Zum einen haben wir sehr viel mehr ältere Menschen mit trockener, feuchtigkeitsarmer Haut, die naturgemäß empfindlicher ist“, erläutert der Dermatologe. „Zum anderen gibt es immer mehr junge Menschen mit erhöhtem Allergierisiko, da die Widerstandsfähigkeit der Haut infolge der verbesserten hygienischen Bedingungen gesunken ist. Und zum Dritten sind die Menschen aufmerksamer als früher: Sie registrieren jedes Kribbeln und Spannen. Da klagen dann Patienten über Missempfindungen, die objektiv nicht feststellbar sind“, so der Experte.

Tatsache ist, dass wir heutzutage mit sehr viel mehr allergieauslösenden Substanzen in Kontakt kommen als früher. „Die Leute haben 10 bis 20 verschiedene Tiegel und Töpfe im Bad und experimentieren gern durcheinander“, weiß Dr. Miehe aus Erfahrung. Was Sie tun können, damit empfindliche Haut wieder zur Ruhe kommt, lesen Sie hier.

Den Pflege-Overkill vermeiden
Viele Hautreaktionen haben nichts mit einer Allergie auf einen bestimmten Wirkstoff zu tun, sondern gehen auf das Konto von Überpflege bzw. falscher Pflege.

Zu viel des Guten. Auch unreine, ölige Haut kann sensibel reagieren. Wer sie obendrein mit fettreichen Produkten (z.B. Wasser-in-Öl-Emulsionen) traktiert, kann dadurch eine „Kosmetik-Akne“ (Schwellungen, Quaddeln) oder eine „Periorale Dermatitis“ (Pickelchen und Rötungen rund um den Mund) auslösen.

Zu reizend. Manche Reinigungsmittel oder stark alkoholhaltige Lotions können den Schutzmantel der sensiblen Haut angreifen und austrocknend wirken.

Zu viele verschiedene Wirkstoffe. Bei einer Pflegeserie sind die Wirkstoffe aufeinander abgestimmt und vertragen sich untereinander. Kombiniert man Produkte verschiedener Linien oder gar unterschiedlicher Hersteller, sind Irritationen möglich. Häufig zeigen sie sich als Erstes an der extrem dünnen Haut unterhalb des Unterlids.

Minimalismus im Tiegel
„Weniger ist mehr“ lautet die Devise vieler Firmen. Sie beschränken sich bei ihren Produkten für sensible Haut auf ein Minimum an Wirkstoffen und verzichten auf alles, was bekanntermaßen reizen kann: Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe sowie Emulgatoren. Heute kommen viele Zweiphasenprodukte ohne Emulgatoren aus: Um Öl- und Wasserphase zu verbinden, muss man sie schütteln. Wie ein natürlicher Emulgator wirken Betulin aus der Birkenrinde (z.B. „Creme Pur“ von Imlan, 50 ml ca. 12 Euro) und Phospholipide (z.B. „Nature med Sensitive“ von Sans Soucis, 30 ml ca. 30 Euro). Außerdem machen luftdicht verschlossene Verpackungen (z.B. Pumpspender, Tuben) es möglich, ohne Konservierungs- und Farbstoffe auszukommen.

Duftstoffe – nicht alle reizen
Auf Duftstoffe reagieren zwar nur ein bis drei Prozent der Deutschen allergisch, aber die Folgen sind stark – vom Juckreiz bis zu schweren Kontaktekzemen. Deshalb sind heute 26 Duftstoffe (synthetische und natürliche) aufgrund ihres hohen Allergiepotenzials deklarationspflichtig. Vorausgesetzt, sie sind in einer höheren Konzentration als 0,001 Prozent in Cremes enthalten; für ausspülbare Produkte wie Shampoos liegt die Grenze bei 0,01 Prozent.

Die INCI-Liste (Internationale Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe), die auf der Rückseite bzw. Verpackung eines Produkts aufgedruckt sein muss, gibt Aufschluss darüber (Infos: www.evz.de und Suchwort „Duftstoffe“ eingeben). „Es gibt aber auch Duftstoffe, die keine allergische Reaktion auslösen und von sensibler Haut vertragen werden. Dazu gehören manche ätherische Öle, die obendrein antibakteriell wirken“, erläutert der Allergologe Professor Torsten Zuberbier vom Allergie-Centrum der Berliner Charité. „Ob etwas reizt oder nicht, hängt oft auch von der Gesamtrezeptur und der Duftstoffkonzentration ab. So sind manche Duftstoffe unproblematisch, wenn ihr Anteil unter einem bestimmten Schwellenwert liegt.“ Ideal für alle, die sich am Eigengeruch parfumfreier Produkte stören, sind allergikerfreundliche Cremes, die das ECARF-Siegel von der Europäischen Stiftung für Allergieforschung tragen und geringe Duftkonzentrationen enthalten (z.B. „Dr. Caspari Hormoderm“ von Diadermine, 50 ml ca. 10 Euro).

Produkte für sensible Gesichtshaut

Supersofte Reiniger
Sensible Haut ist wählerisch. Wenn Wasser sehr kalkhaltig ist, kann es Irritationen auslösen. Ideal sind deshalb Softreiniger, die nur mit einem Kosmetiktuch abgenommen werden und nicht mehr abgespült werden müssen. Im Trend sind derzeit Produkte mit der Mizellen-Technologie. Dabei umhüllen spezielle Tenside, also waschaktive Substanzen, die Schmutz- und Makeup-Partikelchen und lösen sie leicht und schonend von der Haut – ohne dass man stark rubbeln muss. Sanfte Alternative für alle, die sich gern mit Wasser waschen, sind milde Kokostenside. Ideal für Dünnhäuter: Schaum, der ohne Emulgatoren auskommt. Zum Beispiel: „DermatoClean 3:1 Reinigungsfluid“ mit Mizellen-Technologie von Eucerin**, 200 ml ca. 13 Euro; „Neutral Reinigungsschaum“ von Lavera, 100 ml ca. 7 Euro oder „Mizellen-Reinigungswasser“ mit Malve von Lierac**, 200 ml ca. 16 Euro

Beruhigungsmittel
Hautverwandte Stoffe wie das Hautlipid Squalan oder der Feuchtigkeitsbinder Urea (bis maximal fünf Prozent), lindern Juckreiz und helfen trockenem, gereiztem Teint am ehesten. Produkte mit dem Wirkstoff Neurosensine bremsen die Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen (z.B. Gesichtscreme „Toleriane Ultra“ von La Roche-Posay**, 40 ml ca. 20 Euro). Aber auch Heilpflanzen wie Melisse, die empfindliche Mischhaut ausbalanciert, oder Ringelblume (Calendula) sind für gestresste Gesichtshaut wahre Beruhigungsmittel. Zum Beispiel: „Gesichtscreme Melisse“ von Dr. Hauschka, 30 ml ca. 18 Euro; „Reichhaltige Tagescreme“ mit Calendula von Nivea Visage, 50 ml ca. 5,50 Euro oder „Sensitive Gesichtscreme Urea 5%“ von Sebamed, 50 ml ca. 12 Euro

SOS-Hilfen
Empfindliche Haut ist besonders durstig. Bekommt sie nicht genügend Feuchtigkeit, reagiert sie spröde und fühlt sich rau an. Rasche Abhilfe schaffen beruhigende Masken, feuchtigkeitsbindende Konzentrate mit Zuckermolekülen (z.B. Aquabioryl) und Pflanzenöle, die die Haut mit einem samtweichen Schutzfilm überziehen: Er bewahrt sie vor Feuchtigkeitsverlust. Und wenn’s wirklich mal „brennt“: aromatisiertes Essigwasser aufsprühen – das galt schon zu Kaiserin Sissis Zeiten als Geheimtipp gegen Juckreiz und stärkt ebenfalls den Säureschutzmantel der Haut (z.B. „Vinaigre de Toilette“, ca. 20 Euro über www.quell-online.de). Weitere Produkte: „Therapy mask med“ von Biomaris*, 50 ml ca. 20 Euro; „Aqualia Thermal“, Konzentrat von Vichy**, 30 ml ca. 18 Euro oder „Mandel Wohltuendes Gesichtsöl“ von Weleda, 50 ml ca. 15 Euro

Spezial-Make-up
Falls Ihr Teint mit normaler Schminke nicht klarkommt: Auf Mineral-Make-up speziell für empfindliche Haut umsteigen. Es besteht aus hochreinen mineralischen Pigmenten. Hauchfein vermahlen sorgen sie in Puder, Rouge und Lidschatten für einen reibungslosen Auftrag. Ideal sind Foundations oder Abdeckstifte, die frei von Konservierungs- und Duftstoffen sind. Es gibt auch Nagellacke, die ohne reizauslösendes Toluol und Kolophonium auskommen (z.B. von Santé). Weitere Produkte: „Couvrance“, Korrekturstick mit LSF 30 von Avène Thermale**, ca. 13,50 Euro; Rouge „Unifiance Blush Stretch“ von La Roche-Posay**, 6 g ca. 16 Euro oder „Derma Makeup“ von La mer Med**, 30 ml ca. 21,50 Euro

Produkte für Haut & Haar

Relaxprogramm für den Body
Auch sensible, trockene Körperhaut braucht regelmäßig Fett und Feuchtigkeit. Das geht schon beim Duschen los. Ideal: milde Duschgele und rückfettende Duschöle, z.B. auf der Basis von Safloröl aus der Färberdistel, das reich an essenzieller Linolsäure ist. Sanft, aber gründlich reinigen z.B. Zuckertenside aus Stärke und Fettsäuren. Im Unterschied zu anderen Tensiden sind sie keine großen Schaumschläger. Reichhaltige Bodylotions hüllen den Körper in einen Schutzkokon. Ein Wirkstoffmix aus Pflanzenölen und Urea soll die Bildung antimikrobieller Peptide in der Haut stimulieren, die als natürliche Abwehrkräfte ihre Barriere stärken und vor Bakterien schützen. Zum Beispiel: „Sensitive Duschöl F“ von Eubos**, 200 ml ca. 8 Euro; „Sensitive Balance“, Körperlotion von frei**, 200 ml ca. 10 Euro oder „Freistil parfumfrei“, Duschgel mit feuchtigkeitsbindender Aloe vera von i+m*, 200 ml ca. 9 Euro

Hauptsache sanft
Gerade im Herbst bei staubtrockenem Raumklima oder draußen unter Mützen und Hüten juckt vielen die Kopfhaut. Um weitere Irritationen zu vermeiden, Haare nur lauwarm waschen und fönen. Reizlindernd wirken nicht nur Extrakte aus Aloe vera und Pfingstrose, sondern auch Eukalyptus- und Minzöl (Menthol). Aufgrund ihres Kühleffekts stoppen sie Juckreiz sofort. Brandneu beim Friseur: Haarfarbe, die auch für empfindliche Kopfhaut geeignet ist. Die Formel ist frei von Ammoniak, Duft- und Parfumstoffen, dafür reich an sanften Pflanzenextrakten und speziellen Pigmenten. Zum Beispiel: „Shampoo Pfingstrose“ von Klorane**, 200 ml ca. 7 Euro; „Sensitive bei empfindlicher Kopfhaut“ von Head & Shoulders, 300 ml ca. 4,50 Euro oder „Igora Senea“, permanente Haarfarbe von Schwarzkopf Professional*

Einen Versuch wert: Biodüfte
Sie sind zwar kein Garant dafür, dass Irritationen ausbleiben: Aber wer Parfums mit synthetischen Duftstoffen nicht verträgt, kann es mit einem Bioduft versuchen. Die Pflanzenstoffe stammen aus kontrolliertem Bioanbau, Alkohol und Blütenwasser haben Bioqualität, und die Düfte sind mit einem entsprechenden Biosiegel zertifiziert (z.B. „Ecocert Organic“, „NaTrue“). Weitere Produkte: „Honoré de Prés Nu Green“, 100 ml ca. 99 Euro über www.greenglam.de oder „Nuvola“, Natural Eau de Parfum von Farfalla*, 50 ml ca. 49 Euro

Expertenwissen rund um die Haut

Gibt es milde Anti-Aging-Cremes?

Dazu die Münchner Dermatologin Dr. Patricia Ogilvie, dermatologische und wissenschaftliche Beraterin von Olaz: „Neue Wirkstoffrezepturen wie zum Beispiel mit Hydraglykol unterstützen sanft den Hauterneuerungsprozess und führen der Haut Bausteine zu, sodass ihre Schutzfunktion erhalten bleibt. Auch Anti-Aging-Wirkstoffe wie Amino-Peptide, die in tieferen Schichten der Haut die Neubildung von Kollagenfasern stimulieren, sind gut verträglich. Ebenso Retinaldehyd, die sanftere Variante zu Retinol. Ein sehr guter Feuchtigkeitsbinder ist Urea – ideal für trockene Haut. Bei empfindlicher Haut führt sie aber möglicherweise zu Irritationen. In Wirkstoffkombinationen mit niedrigerer Ureakonzentration kann das jedoch vermieden werden. Die maximale Konzentration fürs Gesicht beträgt fünf Prozent.“

Was bedeutet eigentlich …

…dermatologisch getestet? Ein Dermatologe kontrolliert, ob das Produkt verträglich ist. Das ist die Regel.

…getestet an empfindlicher Haut? Verträglichkeit und Wirksamkeit eines Produkts wurden extern in einer umfangreichen klinischen und epidemiologischen Studie geprüft und an Patienten mit verschiedenen Stufen sensibler Haut getestet.

…hypoallergen? Bedeutet, dass das Produkt an sensibler Haut getestet wurde und bekannte Allergene ausgeschlossen wurden. Das ist aber kein Garant.

…klinisch getestet? Besagt, dass von externen, unabhängigen Dermatologen eine klinische Studie durchgeführt wurde, die wissenschaftlichen Kriterien entspricht.

Welche Rolle spielt die Psyche?

Dazu Uwe Gieler, Professor für psychosomatische Medizin und psychologische Dermatologie, Universität Gießen:
„Stress geht unter die Haut. Es gibt klare Zusammenhänge zwischen Hautnerven und Botenstoffen, die in der Haut aktiv sind. Unter Stress verändert sich zum Beispiel die Hornschicht, verliert mehr Wasser, wie Studien an Mäusen belegen. Es gab auch Stressexperimente, bei denen 30 bis 40 Prozent der Probanden typische Hautreaktionen aufwiesen. In anderen Experimenten gab es dagegen keine Reaktion. Eine Studie zeigte allerdings einen Zusammenhang zwischen Menschen mit sensitiver Haut und einer verstärkten Neigung zu Angst und Depressionen. Umgekehrt hat man beobachtet, dass Personen, die sich bei Progressiver Muskelrelaxation oder Yoga entspannen, weniger Hautirritationen aufwiesen – das ließ sich an der Histaminreaktion und den Werten für transepidermalen Wasserverlust ablesen. Auch eine Hypnosestudie ergab einen Zusammenhang zwischen positiven Gefühlen und geringerer Histaminausschüttung.“

Test: Ist meine Haut empfindlich?

Mit diesem kleinen Test können Sie rasch herausfinden, ob Ihre Haut sensibel ist:

  • Sie neigt zu Rötungen und Entzündungen.
  • Sie reagiert bei Stress mit Pickelchen, roten Flecken und Juckreiz.
  • Kälte, rauer Wind und trockene Heizungsluft setzen ihr leicht zu.
  • Sie spannt nach dem Duschen oder Baden.
  • Sie reagiert unmittelbar nach dem Kontakt mit einem Pflegeprodukt leicht gereizt mit einem brennenden, stechenden Hautgefühl.

Auswertung: Je mehr Kreuze Sie machen, desto sensibler ist Ihre Haut. Mit speziellen Pflegeprodukten können Sie sie wieder ins Lot bekommen. Zeigen sich die beschriebenen Symptome erst ca. 24 bis 48 Stunden nach Auftragen eines Produkts, spricht das für eine Allergie – ein Patchtest beim Dermatologen bringt Ihnen dann Klarheit.

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