15. August 2016
Natürliche Nagelpflege

Natürliche Nagelpflege

Ob pur, klar lackiert oder farbig verziert: Bei der Nagelpflege können wir jetzt endlich einen Bogen um die Chemie machen. Wir sagen Ihnen wie!

Tipps für die perfekte Nagelpflege
© svetikd/iStock
Tipps für die perfekte Nagelpflege

Dem Geschäftssinn zweier US-amerikanischer Brüder verdanken wir, dass es heute farbigen Nagellack gibt. Ursprünglich war die rote Flüssigkeit, die Charles und Joseph Revson 1932 erstmals für Frauen in Fläschchen abfüllten, für Automobile gedacht. Bis dahin wurden die Fingernägel höchstens poliert oder mit durchsichtigem Lack versehen. Daher galten die kräftigen Rot-Nuancen ihrer Marke Revlon für „anständige“ Frauen zunächst als unschicklich, erst Hollywoodstars wie Marlene Dietrich und Rita Hayworth etablierten sie.

Nagellack als Ausdrucksmöglichkeit

Knapp 50 Jahre später war Essie Weinberg der Meinung, dass Frauen mehr Ausdrucksmöglichkeiten brauchen. Also gründete sie 1981 in den USA ihre eigene Firma – und entwickelte zu Beginn der bonbonfarbenen 1980er die heute berühmten „Essie“- Lacke in den unterschiedlichsten Tönen. Um mehr Aufmerksamkeit zu erlangen, verteilte sie die bunten Farben zunächst an Croupier-Damen in Las Vegas, an deren Händen sie jeder sehen konnte. Ein perfektes Marketing, sie landete damit einen Riesenerfolg: Innerhalb weniger Monate war Essie in ganz Amerika bekannt.

In Europa verbreitete sich Nagellack zunächst langsamer – in den letzten Jahren ist seine Beliebtheit aber auch bei uns rasant gestiegen: 2015 griffen elfeinhalb Millionen Deutsche zum Pinsel – über eine Million mehr als noch drei Jahre zuvor. Und der Boom hält an. Seit knapp zwei Jahren gibt es endlich auch die ersten zertifizierten Bio-Nagellacke: Vorreiter war das Naturkosmetikunternehmen Logona, dem es gelang, einen komplett natürlichen Nagellack anzufertigen. Seitdem arbeiten auch die anderen Biofirmen daran, letzte Chemikalien aus ihren Formeln zu verbannen. Und naturnahe Kosmetikmarken tun es ihnen gleich, indem sie ebenfalls ihre Rezepturen verbessern. Lassen Sie sich überraschen!

Chemie auf dem Rückzug

Lange Zeit fehlte in der Naturkosmetik ein Verdickungsmittel, um Nagellacke haften zu lassen. Zudem setzten sich die Pigmente unregelmäßig ab. Bis zum vorletzten Jahr: Da kamen erste zertifizierte Bio-Nagellacke auf den Markt – sogenannte „5 Free“- Lacke, die frei von folgenden Zusätzen sind.

Unsere Tipps für die perfekte Nagelpflege finden Sie in dieser Galerie.

Tipps für die perfekten Nägel
© svetikd/iStock
Tipps für die perfekten Nägel

Inhaltsstoffe von Nagellack

  • Formaldehyd: Der Nagelhärter gilt als Allergen, das Haut und Atemwege reizt.
  • Kampfer: kann Übelkeit auslösen, Nagellack enthält jedoch nur kleine Mengen.
  • Kolophonium: ein aus Nadelhölzern gewonnenes Harz, das Allergien und Asthmaanfälle verursachen kann.
  • Phthalate: Weichmacher wie Dibutylphthalate (DBP) oder Diethylhexylphthalate (DEHP) sind laut europäischer Kosmetikverordnung verboten, da sie das Erbgut beeinflussen können. Als Hilfsstoffe sind sie aber zulässig und müssen nicht deklariert werden.
  • Toluol: Das Lösungsmittel darf wegen seiner embryogefährdenden Wirkung nicht in Kosmetik eingesetzt werden – bei Nagellacken gilt aber eine Ausnahme. Mittlerweile versuchen naturnahe Kosmetikhersteller zumindest teilweise auf die kritischen Substanzen zu verzichten – und entwickeln sogenannte „3 Free“-Lacke. Vegane Lacke verzichten auf alle tierischen Inhaltsstoffe, wie etwa Schellack, ein von Schildläusen gewonnenes Harz.

Tipps für die perfekten Nägel
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Sanfte Nagellackentfernung

Irgendwann beginnt der Lack, sich zu verabschieden – und verbliebene Reste wollen wir dann schnell und vollständig loswerden. Den meisten Nagellackentfernern gelingt das mit Aceton, einer chemischen Substanz, die den Lack auflöst und entfernt. Allerdings reizt sie dabei die umliegende Haut und trocknet die Nägel aus, bei häufigem Gebrauch werden sie rissig und spröde. Besser: acetonfreie Entferner auf Alkoholbasis, die sehr viel weniger aggressiv vorgehen. Inzwischen verzichten schon einige Produkte komplett auf Chemie: Sie brauchen etwas mehr Zeit, basieren aber ausschließlich auf natürlichen Rohstoffen wie Soja und Zuckerrüben oder enthalten winzige Mikrokristalle, die den Lack vorsichtig abschmirgeln.

Tipps für die perfekten Nägel
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Tipps für die perfekten Nägel

Dezente Schönmacher

Transparente Nagellacke sind eine tolle Lösung für alle, die einen natürlichen Look mögen oder spät dran sind: Die Hände erscheinen in kürzester Zeit gesund und gepflegt, denn die Lacke müssen nicht so penibel aufgetragen werden wie ihre farbigen Pendants: Verrutscht beim Auftragen die Hand oder blättert später an der einen oder anderen Stelle etwas ab, fällt das kaum auf. Spezielle Varianten können zudem altersbedingte Nagelrillen auffüllen und optisch kaschieren. Und sogar gelbliche Verfärbungen lassen sich mit lichtreflektierenden Pigmenten wegmogeln. Auch in den Sortimenten von Naturkosmetikfirmen finden sich mittlerweile Klarlacke, sie enthalten keinerlei chemische Substanzen. Eine ebenfalls natürliche Alternative zum Lack sind reine Polierfeilen, die bei gesunden Nägeln einmal pro Woche zum Einsatz kommen dürfen. Von Feilen mit einer zusätzlich aufrauenden Seite sollten Frauen mit empfindlichen, dünnen Nägeln aber lieber die Finger lassen: Sie können zu viele Schichten des Nagels abtragen und ihn noch sensibler machen.

Tipps für die perfekten Nägel
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Tipps für die perfekten Nägel

Zarte Hände

Der schönste Lack sieht nur auf gepflegten Händen gut aus. Nehmen Sie sich deshalb einmal pro Woche etwas Zeit für die beiden. Beginnen Sie mit den Nägeln: Sind sie unempfindlich, bringen Sie sie mit einer fein­ körnigen Saphirfeile in Form. Bei splitternden Nägeln eignen sich Glasfeilen mit ihrer sehr feinen Schleiffläche besser. Hilfreich können auch Mineralfeilen aus fein gepressten Siliziumteilchen sein, die zwar nicht kürzen, aber versiegeln – und so empfindliche Nägel stärken. Neu sind Feilen mit ovaler Form, die bei Flugreisen mit ins Handgepäck genommen werden dürfen. Sind Sie mit der Form zufrieden, verteilen Sie etwas Nagelhautentferner, schieben die Haut mit einem Holzstäb­chen vorsichtig (!) zurück und entfernen die Reste mit einem Wattepad. Zum Schluss ein paar Tropfen Nagelöl einmassieren. Den Händen selbst tun schnell einziehende Cremes mit aus­gleichenden Algenextrakten, feuchtigkeitsbindendem Mandelöl oder hydratisierenden Eibischwurzel-Extrakten gut. Wichtig ist zudem ein Licht­schutz, um neuen Pigment­ flecken vorzubeugen. Idealer­weise enthält die Creme darüber hinaus noch Anti­-Age­-Wirkstoffe wie Vitamin C oder Hyaluronsäure, die bereits bestehende Melaninstörungen aufhellen und feine Fältchen mildern.

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