24. Oktober 2012
Kosmetik-Klassiker

Kosmetik-Klassiker

Einige Kosmetik-Klassiker genießen Kultstatus, und wir bleiben ihnen ewig treu. Weil sie eine besondere Geschichte und manchmal sogar ein Geheimnis haben. Und weil sie einfach gut sind.

Frau, Kosmetik
© thinkstockphotos
Frau, Kosmetik

Eine gelbe Dose mit Blumenranke – in dieser Aufmachung kam der Creme-Klassiker vor mehr als 100 Jahren auf den Markt, erfunden 1911 von der Hamburger Firma Beiersdorf. Dort war man kurz zuvor auf einen neuartigen Emulgator namens Eucerit aufmerksam geworden, liebevoll das „schöne Wachs“ genannt.

Nivea 1911
© Nivea
Nivea 1911

Dieser Emulgator ermöglichte es, die weltweit erste stabile und damit für die industrielle Herstellung geeignete Fett- und Feuchtigkeitscreme zu entwickeln: Nivea. Das Verpackungsdesign änderte sich 1925 grundlegend, hin zur später weltberühmten blau-weißen Dose. Die Creme jedoch blieb weitgehend gleich in Konsistenz, Inhaltsstoffen und Duft.

Nivea
© Nivea
Nivea

Was für eine romantische Vorstellung, dass schon unsere Großmütter den gleichen Mix aus Rosen- und Maiglöckchenöl geschnuppert und das gleiche Creme-Gefühl auf der Haut gespürt haben. Und vielleicht dachten sie dabei, genau wie wir heute, an unbeschwerte Kindertage. Der Erfolg in Zahlen: 1911 wurden 1200 Nivea-Creme-Dosen verkauft. 2010 wanderten weltweit 123 Millionen Stück über den Ladentisch.

Nivea duftet nach unbeschwerten Tagen, Kindheit und Strand. Seit Generationen.

Immer noch zum Minipreis: 150 ml für ca. 1,80 Euro. Ihren Namen verdankt die Gesichts- und Körpercreme übrigens ihrer schneeweißen Farbe, denn im Lateinischen wird Schnee und Schneegestöber mit „nix, nivis“ übersetzt. Und zur Vorstellung von Schnee passt natürlich die blau-weiße Dose optisch viel besser als die ehemals gelbe.

Lange Wimpern wie ein Star

Mascara
© Maybelline
Mascara

Julia Roberts, Eva Longoria: Ihre Augenaufschläge sind großes Kino. Oder macht das nur die Wimperntusche? Um die müssen wir sie nicht beneiden, die können wir kaufen – der absolute Mascara-Bestseller „Great Lash“ von Maybelline Jade kostet nur ca. 8,50 Euro.

Ein Augenaufschlag wie ein Star: Vor knapp 100 Jahren erfand Maybelline die Mascara

Die Anfänge

Seit seiner Einführung 1971 schwören Top-Stylisten aus aller Welt darauf. Der Wiedererkennungsfaktor ist damals wie heute die pink-grüne Verpackung.

Colossal Mascara
© Maybelline
Colossal Mascara

Lilly Pulitzer, zu jener Zeit eine aufstrebende Modedesignerin und bekannt für ihre farbenfrohen Entwürfe, inspirierte Maybelline zu dem Design. 1913 allerdings – als der Chemiker T. L. Williams die Mascara erfand – spielte Produktdesign noch keine Rolle. Die Wimperntusche an sich war die Sensation! Das Gemisch aus Kohlenstaub und Vaseline hatte er als Geschenk für seine ältere Schwester Maybel entwickelt.

Als sich auch ihre Freundinnen darum rissen, gründete er die Firma Maybelline, New York. Aktueller Coup ist die „Colossal Volum’ Express Smoky Eyes Mascara“ (ca. 12,50 Euro), die dank matter Pigmente den Wimpern einen verführerischen Look verleiht.

Das Oil-Of-Olaz-Ehepaar

Olaz
© Olaz
Olaz

Natürlich kennen wir tolle Männer. Sie renovieren die Wohnung oder kochen uns ein köstliches Menü. Aber haben Sie jemals von einem Mann gehört, der sich bereit erklärte, mit seiner Frau eine Gesichtspflege für ihre Problemhaut zu entwickeln?

Durch die Liebe zur Haut

Genau das tat der Erfinder von Oil of Olay (dt. Oil of Olaz), der südafrikanische Chemiker Graham Wulff. Er konnte die Klagen seiner Ehefrau Dinah gut nachempfinden: All die zähen Cremes, die damals in Schuhcreme-Döschen verkauft wurden, strapazierten ihre zarte, sensible Haut. Gemeinsam rührte das Paar also eine seidige Textur mit dem bis heute charakteristischen Duft und der zart rosa Farbe an.

Das Oil-Of-Olaz-Beauty-Fluid kreierte ein Ehepaar gemeinsam

olaz essential
© olaz
olaz essential

Dinah war begeistert: Die Pflege fühlte sich leicht an und versorgte ihre Haut optimal mit Feuchtigkeit. Das war 1952. Seit 1985 gehört die Marke zu Procter & Gamble, das Produkt heißt heute Olaz Essentials Beauty Fluid (200 ml ca. 6,50 Euro). Inzwischen bauten die Eigner dar um herum eine Serie von derzeit 41 Olaz-Pflegespezialisten auf. Alle zehn Sekunden wird weltweit einer verkauft. Doch der große Liebling vieler Frauen ist bis heute das klassische, nicht fettende Schönheitsfluid in seinem hinreißenden Zartrosa.

Alles Gute für die Haare

Schauma
© Schauma
Schauma

Kleine Quizfrage: Womit haben sich die Menschen um 1900 die Haare gewaschen – mit grober Seife oder mit teurem Öl? Beide Antworten sind richtig, es hing einfach davon ab, ob sie arm oder reich waren. Dass sich heute fast alle Menschen, egal was sie verdienen, die Haare mit Shampoo waschen, darf als Verdienst des Chemikers Hans Schwarzkopf gelten.

Alles Begann in Berlin

Bereits 1903 verkaufte er in einer Berliner Apotheke ein Haarwaschmittel in Pulverform. 1927 entwickelte Schwarzkopf das erste flüssige Haarwaschmittel und 1949 dann das erste Creme-Shampoo in der Tube. Wie komfortabel! Es bekam den Namen, unter dem wir es noch heute kennen und lieben: „Schauma“. Der wurde so etwas wie ein Synonym für Shampoos, ähnlich wie Tempo für Taschen tücher und Uhu für Klebstoff.

Mit Schauma wurde das Haarewaschen endlich komfortabler

1958 ergab eine Marktforschung, dass Schauma Deutschlands beliebtestes Haarwaschmittel war – eines jener typischen Markenprodukte der damaligen Zeit, aus keinem Mittelschicht-Haushalt wegzudenken.

Schauma
© Schauma
Schauma

Wurden auch Ihnen als Kind damit die Haare gewaschen? Vielleicht erinnern Sie sich auch an den Fernsehspot, in dem eine Mutter ihrer Tochter in der Badewanne den Kopf einseift. Der wurde in den Siebzigerjahren ausgestrahlt. Mittlerweile können wir zwischen 27 Schauma-Sorten für jeden erdenklichen Haartyp wählen. Die letzte Produktneuheit ist ein silikonfreies Shampoo mit Meeres-Kollagen, das auch feines und empfindliches Haar nicht beschwert (400 ml ca. 2,30 Euro).

Durstlöscher für die Haut

Vichy
© Vichy
Vichy

Dass Wunden mit Thermalwasser aus Vichy gut heilen, ist wissenschaftlich bewiesen. Das Besondere an dem Wasser aus Frankreichs bedeutendstem Heilbad: Es sprudelt nicht einfach an die Oberfläche, sondern wird durch einen natürlichen Vorgang dorthin gepresst – aus 3000 Metern Tiefe. Durch den Kontakt mit flüssigem, heißem Magma im Inneren des französischen Zentralmassivs entsteht hoher Druck. Der bewirkt, dass das Wasser mit großer Wucht durch das Gestein quillt.

Gesundes für die Haut

Dabei reichert es sich mit besonders vielen Mineralien und Spurenelementen an, die sensible Haut beruhigen und ihr Feuchtigkeit spenden. Diese Entdeckung legte den Grundstein für die Laboratoires Vichy.

Frankreichs bester Durstlöscher für die Haut: Thermalwasser aus Vichy

Vichy
© Vichy
Vichy

Beauty-Evergreen seit 1975 ist die Serie „Aqualia“ (früher „Equalia“), die heute zusätzlich feuchtigkeitsbindende Hyaluronsäure enthält und mit einem Minimum an Konservierungsstoffen auskommt. Z.B. „Creme Aqualia Thermal“, 40 ml ca. 16 Euro.

Das Geheimrezept der blumigen Creme

Dr.Hauschka Creme
© Dr.Hauschka
Dr.Hauschka Creme

Die Rosencreme von Dr. Hauschka ist viel mehr als eine gewöhnliche Creme mit Rosenextrakten. Denn in ihr, genau wie in den anderen Dr.-Hauschka-Produkten, stecken der Geist und die Kraft der Pflanzen; beim Auftragen geben sie ihre positiven Eigenschaften an die Haut weiter.

Das funktioniert dank haltbarer wässriger Pflanzenauszüge, die bis heute nach einem Verfahren hergestellt werden, das der Wiener Chemiker Dr. Rudolf Hauschka bereits 1929 entwickelte. Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, hatte ihm zuvor geraten: „Studieren Sie die Rhythmen, Rhythmus trägt Leben.“

Schön wie eine Rose: Die Kunst, den Geist der Blume in der Creme einzufangen

Dr.Hauschka
© Dr.Hauschka
Dr.Hauschka

Also werden frisch geerntete Pflanzen zerkleinert, sieben Tage lang mit Wasser angesetzt und dabei abwechselnd Licht und Dunkelheit, Ruhe und Bewegung ausgesetzt. Rosenextrakte beispielsweise sollen harmonisierend und stärkend auf die Haut wirken. Der Erfolg der schwäbischen Naturkosmetikmarke ist die beste Bestätigung für diesen Aufwand: Dr.-Hauschka-Produkte finden wir heute im Bioladen in San Francisco genauso wie im Luxuskaufhaus in Singapur oder im exklusiven Spa Resort auf Barbados. Allen voran die Rosencreme (30 ml ca. 19 Euro).

Nur das Beste für die Anti-Aging-Creme

Annemarie Lindner Creme
© Annemarie Lindner
Annemarie Lindner Creme

Wozu so ein paar Unreinheiten doch gut sein können“, schmunzelt die inzwischen 92-jährige Annemarie Lindner. Eine starke Akne hatte die gebürtige Berlinerin im Jahre 1947 bewogen, eine Ausbildung zur Kosmetikerin zu beginnen. Der 27-Jährigen wollte es nicht in den Kopf, dass sie mit diesem Problem leben muss, wie ihr immer wieder gesagt wurde.

Kräuter sind gut für die Haut

Mit selbst entwickelten Kräuterprodukten pflegte sie ihre Haut wieder rein und schön – und die von vielen anderen Frauen auch. Die ersten Börlind-Tiegelchen der nach ihrer Flucht aus der DDR im Schwarzwald lebenden Firmengründerin fanden reißenden Absatz. Damals wie heute enthalten sie nur natürliche Inhaltsstoffe: „Was ich nicht essen kann, kommt auch nicht auf meine Haut“, sagt Annemarie Lindner.

Nur was man Essen kann, darf in die Anti-Age-Creme

Annemarie Börlind Creme
© Annemarie Börlind
Annemarie Börlind Creme

Mit 53 wünschte sie sich eine auf die Bedürfnisse der reiferen Haut zugeschnittene Pflege und lancierte 1974 die Systempflege LL Regeneration für die Haut ab 30 (50 ml Tages creme ca. 33 Euro). Die ist seither ein großer Erfolg. Clou der Serie: der LL-Biokomplex – ein Mix reiner Pflanzenstoffe. Details? Geheim!

Noch mehr Klassiker zum Weitersagen

„Eight Hour Cream“ von Elisabeth Arden (1930)
Ihren Namen erhielt die inzwischen sagenumwobene Creme von einer Kundin, deren Kind sich die Knie aufgeschürft hatte. Schon acht Stunden (eight hours) später war das Knie sichtbar geheilt. Mindestens genauso schnell heilt der Creme-Klassiker trockene Gesichtshaut, spröde Hände und rissige Lippen. 50 ml kosten ca. 30 Euro.

„Frei PflegeÖl“ von Apotheker Walter Bouhon (1966)
Dieser Apotheker war seiner Zeit voraus, schon vor über 50 Jahren ahnte er, was heute wissenschaftlich belegt ist: Stress lässt die Haut stark altern. Bouhons Gegenmittel: „Frei PflegeÖl“ mit Vitamin A in höherer Konzentration. 125 ml kosten ca. 11 Euro.

„4711 Echt Kölnisch Wasser“ (1792)
Die bis heute geheime Rezeptur stammt von einem Kartäusermönch. Zur Berühmtheit aber verhalfen dem „Eau de Cologne“ Napoleons Soldaten, die es als Geschenk für ihre Frauen mit in die Heimat nahmen. 100 ml für ca. 18 Euro.

„Eudermine“ von Shiseido (1897)
Der feine Pfingstrosenduft der Gesichtspflegelotion duftet sinnlich beim Auftragen und verfliegt dann. Was bleibt, ist herrlich frische, jugendlich strahlende Haut. 125 ml kosten ca. 55 Euro.

„Mum“-Deo (1888)
Wie der Doktor aus Philadelphia hieß, der das erste wirksame Deodorant erfunden hat, ist unbekannt. Er ließ es über seine Krankenschwester „Mum“ vermarkten. 50 ml ab 1,80 Euro.

„Penaten“-Creme (1904)
Der Drogist Max Riese beschäftigte sich Anfang des 20. Jahrhunderts mit Hautleiden von Kindern und entwickelte eine Creme, die vorm Wundwerden schützt. Der Trick: Sie enthält aus Schafwolle gewonnenes Fett, das lange haftet und Feuchtigkeit abweist. 50 ml kosten ca. 2 Euro.

Chanel „No. 5“ (1921)
Der erfolgreichste Damenduft aller Zeiten von der bekanntesten Modeschöpferin der Welt. Mit dem Satz „Ich möchte ein Parfüm für Frauen, das wie eine Frau riecht“ beauftragte Coco Chanel den Parfümeur Ernest Beaux. Er präsentierte ihr unter anderem die erste Duftkomposition mit einer synthetischen Komponente (Aldehyd) – Cocos Favorit. 7,5 ml Parfüm kosten ca. 108 Euro.

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